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Kunst zum Klicken: Große Meister für zu Hause

Foto: Google

Street View im Museum Google startet Online-Galerie

Google sammelt jetzt auch Kunst: Mit Street-View-Technik hat der Internetkonzern 17 weltberühmte Museen abfotografiert. Die haben für die virtuellen Rundgänge des Google Art Project mehr als 1000 Fotos von Gemälden und Objekten bereitgestellt.

Schlechte Nachricht für den Kunst-Leistungskurs: Für einen Besuch der Uffizien in Florenz, eines der bekanntesten Kunstmuseen der Welt, ist keine Studienfahrt mehr nötig. Google lädt zur virtuellen Museumstour ein. Für die neue Website "Art Project" hat der Konzern die Ausstellungsräume mit Streetview-Kameras abfotografiert. So kommt "Die Geburt der Venus" von Sandro Botticelli (siehe Fotostrecke) hochaufgelöst ins Wohn- und Klassenzimmer.

Zum Start von Google Art Project  lassen sich 17 bekannte Museen virtuell besuchen, darunter die Alte Nationalgalerie in Berlin und die Eremitage in St. Petersburg. Insgesamt 385 Räume wurden mit der Street-View-Technik digitalisiert. Das Verfahren reicht mit seiner recht pixeligen Auflösung allerdings nur für einen ersten Eindruck. Zoomt man an ein Ölbild näher heran, verschwimmt das Bild, außerdem stören zum Teil Lichtreflexionen.

Zusätzlich haben die Museen eine Auswahl digitaler Reproduktionen bereitgestellt, die Google in seinen Museums-Browser integriert hat. Mehr als 1000 Kunstwerke lassen sich in besserer Qualität betrachten, darunter Gemälde von Vincent van Gogh, Claude Monet, Peter Paul Rubens sowie 483 weiterer Künstler - ganz ohne pompöse Goldrahmen, strenge Aufsicht und kostenpflichtige Taschenabgabe am Einlass.

Risse im Gemälde, tief wie Ackerfurchen

Je Museum hat Google außerdem ein Gemälde mit einer Auflösung von rund sieben Milliarden Pixeln fotografiert. Von diesen 17 Kunstwerken werden noch kleinste Pinselstriche und Texturen sichtbar, die mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen wären. Die feinen Risse des Ölgemäldes "Der Kaufmann Georg Gisze" von Hans Holbein aus dem 15. Jahrhundert sehen dann aus, als hätte ein Bagger mit seiner Schaufel Asphalt aufgekratzt.

Der Mix aus Vorschaubildern und detailgetreuen Reproduktionen soll die Museums-Surfer dazu animieren, eines Tages den ehrwürdigen Institutionen einen echten Besuch abzustatten. So heißt es zumindest im offiziellen Blogeintrag . Außerdem ist zu erfahren, dass Google-Mitarbeiter das Art Project zunächst in ihrer Kreativzeit begonnen haben, jenen 20 Prozent der Arbeitszeit, die für eigene Ideen zur Verfügung stehen.

Das bisher gänzlich werbefreie Google-Museumserlebnis lässt sich über eine klare, einfache Oberfläche steuern. Zu den mehr als 1000 verzeichneten Kunstwerken lassen sich zusätzliche Informationen in englischer Sprache abrufen, Links führen auf die Katalogseiten der Museen. Es drängt sich die Frage auf, rein von der Nutzerperspektive, warum nicht längst alle Sammlungen derart öffentlich zugänglich sind.

Brooklyn Museum zeigt 94.000 Werke

Noch zögern viele Museen, ihre Sammlungen ins Netz zu stellen: Mal fehlt es schlicht an Geld für die Umsetzung, mal fürchten die Museen um ihre Geschäfte mit Lizenzen, Eintrittskarten und Postkarten. So bieten viele Internetauftritte nicht viel mehr als eine Auswahl kleiner Bilder in der Größe eines Daumennagels und die aktuellen Öffnungszeiten. Die Digitalisierung schreitet nur langsam voran.

Aber es geht auch ohne Google: Auch der im November neugestartete Webauftritt Pinakotheken  in München bietet einen virtuellen Rundgang, einige Gemälde der Sammlung lassen sich bildschirmfüllend anzeigen. Ein Vorreiter in der Digitalisierung ist das Brooklyn Museum  in New York, dass 2008 begann, seine Schätze online verfügbar zu machen. Zunächst waren es etwas mehr als 5000 Objekte - heute sind schon 94.000 Werke des Museums über das Internet weltweit zugänglich.

Die staatlichen Museen zu Berlin, zu denen die Alte Nationalgalerie gehört, hat insgesamt rund vier Millionen Objekte. Über das Internet lassen sich Daten zu 80.000 davon abrufen. Ende dieses Jahres sollen es dann Hunderttausende sein, als Teil der europäischen Online-Bibliothek Europeana. Das Projekt der Europäischen Union wurde 2008 als Alternative zur Buch-Suche eines großen Internetkonzerns gegründet: Europeana soll Google Konkurrenz machen. Mittelfristig wollen die Berliner 800.000 Datensätze beisteuern.

So gesehen wirken die 17 Aufnahmen von Google und die rund 1000 von den Museen zu Verfügung gestellten Bilder zunächst wie eine nette Spielerei und Demonstration technischen Könnens. Doch bei Google werden aus solchen Spielereien regelmäßig Dienste, die ganze Branchen auf den Kopf stellen. Kunstliebhaber können also hoffen, dass die virtuelle Sammlung weiter wächst und Nachahmer finden wird.

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