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Kleiner Deutschlandstart: So sieht Street View aus

Foto: DPA/ Google

Street-View-Start So verpixelt Google die Republik

Street View ist in Deutschland gestartet - mit angezogener Handbremse. Nur ein paar wenige Sehenswürdigkeiten und ein kleiner Ferienort, die Gemeinde Oberstaufen, sind bisher online zu bestaunen. Doch warum wurde für den Auftakt ausgerechnet eine Gemeinde im Allgäu ausgewählt?

Jetzt kann man endlich gucken, wie die virtuelle Bundesrepublik wirklich aussieht. Seit Dienstagmorgen sind die ersten Panoramabilder von deutschen Straßen in Googles Street View zu sehen. Allerdings ist es ein Start im Kleinformat - oder, wie Google es ausdrückt, ein Vorgeschmack auf das was da noch kommt.

Denn noch ist das Angebot sehr übersichtlich: Sechs bekannte Sehenswürdigkeiten (darunter das Kanzleramt, die Berliner Siegessäule und Hamburgs Köhlbrandbrücke), zehn Fußballstadien von Bundesligaclubs wie die Münchner Allianz-Arena und die wichtigsten Straßen der Gemeinde Oberstaufen im Allgäu. Aber das Wenige reicht schon aus, um sich einen Eindruck davon zu machen, wie Street View in Deutschland aussehen wird.

Die Ansichten unterscheiden sich von bereits etablierten Street-View-Angeboten wie in den USA, so viel ist klar. Schließlich ist der Einführung des Zusatzangebots zu Google Maps in Deutschland eine monatelange, teilweise von Missverständnissen geprägte Diskussion vorausgegangen, in die sich auch Bundespolitiker eingemischt hatten. Zwar hatten Googles Kamerafahrzeuge schon 2008 damit begonnen, deutsche Straßenzüge mit Spezialkameras abzulichten. Ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit wurden der Dienst und die vermeintliche Datenschutzproblematik aber erst gerückt, als Google im August ankündigte, den Dienst noch in diesem Jahr in Deutschland einführen zu wollen.

Prompt entbrannte eine teilweise hitzig geführte Diskussion über die Rechte von Hauseigentümern und Mietern sowie über Googles Pflicht, Datenschutz zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass Häuser aus den 3D-Panoramen verschwinden, wenn deren Bewohner oder Besitzer das wollen. Etwa 244.000 solcher Einsprüche gingen bis zum Ende der Einspruchsfrist ein, dem 15. Oktober. Google konstatierte, damit hätten nur drei Prozent der potentiell Betroffenen Einspruch erhoben. Auch jetzt ist noch ein Einspruch möglich. Nur wird der dann nicht mehr vor der Einführung von Street View umgesetzt.

Unterstützergemeinde Oberstaufen

Die Vielzahl der Einsprüche aus den 20 Großstädten, in denen Street View zuerst umgesetzt werden soll, dürfte aber auch der Grund dafür sein, weshalb für den kleinen Start am Dienstag ausgerechnet Oberstaufen ausgewählt wurde. So sollen zunächst Aufnahmen aus Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal ins Netz gehen.

Die Gemeinde im Allgäu hatte sich dagegen schon früh als Hochburg der Street-View-Unterstützer geoutet. Als die Diskussion über das Google-Angebot andernorts gerade hochschwappte, lud Oberstaufens Tourismusgesellschaft Google ausdrücklich dazu ein, die Panoramabilder der Gemeinde möglichst bald online zu stellen.

Mit einer Grußbotschaft, auf einer Torte, deren Foto fortan im Netz die Runde machte, wurde Street View im Ort willkommen geheißen, ein Werbevideo wurde gedreht und der Bürgermeister lobte die Vorzüge von Street View für Gäste des Ortes. Zur Einführung von Street View wird in Oberstaufen am Dienstag ein Volksfest veranstaltet.

Ein paar Abweichler hat es doch gegeben

Ein paar Abweichler scheint es aber auch in dem Allgäuer Ferienörtchen zu geben. An deren Häusern lässt sich schön erkennen, wie Google die Einsprüche von Street-View-Verweigerern umsetzt. Bisher hatte das Unternehmen nicht gezeigt, wie die Unkenntlichmachung von Gebäuden am Ende aussehen wird. Jetzt kann man sich endlich ein Bild davon machen. Wenn auch ein sehr verwaschenes.

Die Ansichten der verpixelten Häuser machen einen schon fast künstlerisch verfremdeten Eindruck. In große Blöcke eingeteilt sind die Fassaden stark weichgezeichnet worden. Farben und grobe Strukturen sind noch zu erkennen, auch die grundsätzliche Form des Gebäudes lässt sich erschließen, nur Details sind nicht mehr auszumachen.

Und wann kommt der Rest?

Hausbesitzern, die noch unschlüssig sind, ob sie ihr Heim auch verpixeln lassen wollen, geben die jetzt veröffentlichten Ansichten die erste Möglichkeit, sich einen Eindruck davon zu machen, wie ihr Haus in Street View aussehen würde, wenn sie es jetzt noch löschen lassen würden. Wohl überlegt will ein solches Ansinnen sein, denn rückgängig machen kann man es nicht, Google bearbeitet die Originalbilder.

Und das scheint einige Zeit in Anspruch zu nehmen. Auf einen Termin, wann denn nun der große Deutschlandstart von Street View stattfindet, wann man auch Städte wie Stuttgart und Berlin virtuell durchwandern kann - und nicht nur deren Sehenswürdigkeiten - mochte Google sich noch nicht festlegen. Auf Anfrage sagte Google-Sprecherin Lena Wagner SPIEGEL ONLINE nur, Google werde "in Kürze Street View für die 20 größten Städte starten".

Mitarbeit: Konrad Lischka
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