Streit über Facebook-Idee Zuckerberg-Gegner geben nicht auf

65 Millionen Dollar sind nicht genug: Zwei ehemalige Studienkollegen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg haben eine neue Klage eingereicht - bei einem Vergleich soll ihnen das Unternehmen wichtige Information vorenthalten haben.

Winklevoss-Zwillinge (Januar 2011): Neuer Streit ums Geld
AFP

Winklevoss-Zwillinge (Januar 2011): Neuer Streit ums Geld


Boston/Berlin - Der Streit um die Facebook-Gründung geht weiter: Die Winklevoss-Brüder, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Ideenklau vorwerfen, haben am Donnerstag neue Vorwürfe vorgelegt. Sie wandten sich an das Bezirksgericht in Massachusetts, um einen vor Jahren geschlossen Vergleich anzufechten. Nur Stunden zuvor hatten Tyler und Cameron Winklevoss nach mehreren juristischen Niederlagen ihren Gang zum Obersten Gericht in Washington abgeblasen, die jahrelange Auseinandersetzung schien beendet.

Nun wollen die Zwillinge, die mit Zuckerberg in Harvard studiert hatten, eine Einigung aus dem Jahr 2008 annullieren lassen. Die hatte ihnen damals 65 Millionen Dollar eingebracht. Sie werfen Facebook jedoch vor, sie bei dem Vergleich über den Tisch gezogen zu haben: Weil Facebook angeblich vor der Einigung Informationen absichtlich zurückgehalten hat, sollen die Ideenklau-Vorwürfe neu verhandelt werden.

Im Mittelpunkt dürften dabei vor allem Chat-Nachrichten aus der Gründungszeit von Facebook stehen. In einer der Nachrichten, die Zuckerberg zugeschrieben werden, kündigt er laut Medienberichten an, die Arbeit an der Website der Brüder zu verzögern, bis Facebook fertig ist. Die Chat-Protokolle waren zunächst im Frühjahr 2010 im Blog "Silicon Alley Insider" veröffentlicht worden. Später bestätigte Zuckerberg selbst ihre Echtheit, als er dem Magazin "New Yorker" dazu sagte, er bedauere seine damaligen Äußerungen - und habe seitdem viel dazugelernt.

Mehr Geld für die Idee der Zwillinge

Die Winklevoss-Brüder zeigten sich in einem Interview mit der "New York Times" überzeugt, dass sie mit den Chat-Protokollen in der Hand bessere Karten in den Vergleichsverhandlungen mit Facebook gehabt hätten. "Wenn man alle diese Dokumente in Betracht zieht, ergibt sich ein völlig anderes Bild", sagte Tyler Winklevoss der Zeitung im Dezember.

Bei dem Vergleich hatten die Zwillinge 20 Millionen Dollar in bar und weitere 45 Millionen in Facebook-Aktien bekommen. Damals war noch mit einer Bewertung von 15 Milliarden Dollar für das gesamte Unternehmen kalkuliert worden. Inzwischen wurde Facebook bereits mit mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet, bei einem Börsengang wird auch ein Firmenwert von 100 Milliarden Dollar für möglich gehalten. Damit ist der Winklevoss-Vergleich inzwischen deutlich mehr als 100 Millionen Dollar wert.

Mit ihrer Klage gegen den Vergleich scheiterten die Winklevoss-Brüder zwar bereits im April vor einem Berufungsgericht in Kalifornien. Anschließend lehnten es die Richter ab, sich noch einmal in größerer Runde mit ihrem Fall zu beschäftigen, und auch dem Gang vors Oberste Gericht gaben Experten nur wenig Chancen.

Die Winklevoss-Zwillinge hatten zu Studienzeiten ihren Kommilitonen Zuckerberg als Programmierer für eine Website engagiert, die sie zusammen mit ihrem Partner Divya Narendra aufbauen wollten. Zuckerberg, so behaupteten die Winklevoss-Brüder, habe jedoch ihre Idee gestohlen und heimlich sein eigenes soziales Netzwerk namens Facebook aufgezogen - diese Version der Geschichte wurde von Hollywood als "The Social Network" verfilmt.

ore/dpa



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