Studie Eltern sind im Web fitter als Teenager

Eltern haben es immer geahnt: In vielerlei Beziehung sind sie weit fitter als ihr Nachwuchs. Entgegen verbreiteter Vorurteile erweisen sich Ältere in Studien oft überlegen, wenn es um den Umgang mit komplizierten Web-Inhalten geht. Der wibbelige Nachwuchs, so scheint es, ist nicht so clever wie vermutet.


Mädchen am Computer: Weniger fit in Sachen Internet als die Elterngeneration?
DPA

Mädchen am Computer: Weniger fit in Sachen Internet als die Elterngeneration?

Man kennt das gängige Vorurteil: Mama und Papa quälen sich mit aus unerfindlichen Gründen dauernd abstürzenden Rechnern stochernd im Zeitlupentempo durchs Web. Der hackende, 14-jährige Nachwuchs lacht sich derweil eins und vergnügt sich abends heimlich damit, die Webseiten von Onlinebanken umzugestalten, einen Viren-Fight mit den Pickeligen aus dem Nachbarort auszutragen oder sich mal beim Pentagon umzusehen.

Das aber, behauptet eine aktuelle Studie aus den USA, ist ganz, ganz falsch.

Denn auch wenn es unter Älteren Digital-Analphabeten und unter den Jüngeren so einige Cybercracks gibt - unter dem Strich sieht die Sache anders aus. Demnach sind ältere Jahrgänge den Teenagern in Sachen Internet sogar überlegen.

Sagt zumindest das Marktforschungsunternehmen Nielsen Norman Group. Die testeten die Web-Fähigkeiten verschiedener Altersgruppen auf ganz pragmatische Weise: Die Probanten mussten auf 23 festgelegten Webseiten ganz bestimmte Aufgaben erfüllen. Dazu gehörte es zum Beispiel, auf einer Behördenseite einen Termin zu beantragen oder auf der Website von MTV herauszufinden, wann in einer bestimmten Stadt ein Konzert von Norah Jones stattfinden würde.

Mit einer Erfolgsquote von nur 55 Prozent schnitten die Teenies deutlich schlechter ab als die Älteren, die immerhin 66 Prozent der Aufgaben erfüllen konnten - eine Bestätigung älterer Studien mit ähnlichen Ergebnissen.

Als Gründe für das schlechte Abschneiden der Teenager wurden Unreife, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und schlechte Lesefähigkeiten genannt. Von "Design-Hindernissen" ließen sie sich zu leicht abschrecken, von komplexen Inhalten sowieso, "verwirrende" Navigationselemente oder als lang empfundene Downloadzeiten führten zu Verweigerungen.

Unter dem Strich schnitten die Erwachsenen in den Tests besser ab, weil sie mehr Durchhaltewillen zeigten, wenn Dinge nicht offensichtlich waren und sich nicht leicht erschließen ließen. In dieser Hinsicht haben Eltern aber auch mehr Übung: mit ihren Kindern.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.