Studie Nur fünf Prozent der Kids stolpern im Web über Sex

Angeblich ist das Web ein Sündenpfuhl, durch den unsere Kinder ungeschützt und schlimmstem Schmutz ausgesetzt stolperten. Die aber bemerken davon wenig, weist eine aktuelle, EU-weite Studie nach: Versehentlich kommt es nur sehr selten zum Einblick in die Schmuddelecken.
Eindeutiges Web-Angebot: Über solche Seiten stolpert man nur sehr selten versehentlich

Eindeutiges Web-Angebot: Über solche Seiten stolpert man nur sehr selten versehentlich

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS

Berlin - Nur fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind in den vergangenen zwölf Monaten aus Versehen im Internet auf Seiten mit sexuellen oder pornografischen Inhalten gestoßen. Das geht aus der am Dienstag in Berlin präsentierten Studie "EU Kids Online" hervor. In keinem anderen Land der Europäischen Union sei dieser Wert so niedrig, sagte der Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Uwe Hasebrink, der Nachrichtenagentur dapd.

In der vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz verantworteten ersten europaweiten Studie zur Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen wurden über 23.000 Personen im Alter von 9 bis 16 Jahren sowie jeweils ein Elternteil in 25 Ländern befragt. Am häufigsten gaben Kinder aus Estland und Tschechien an (30 beziehungsweise 29 Prozent), ungewollt auf Internetseiten mit sexuellen Inhalten gestoßen zu sein.

Die Studie entzaubert hartnäckige Legenden, die letztlich einen Status Quo zum Inhalt haben, wie er Mitte der Neunziger üblich war: Damals stieß man noch bei ganz normalen Web-Recherchen tatsächlich versehentlich auf pornografische Inhalte, weil die Verbreiter die unausgereiften Suchmaschinen mühelos ins Bockshorn jagten.

Wer heute Sex findet, sucht meist danach

Heute kommen Google, Bing und Co. nicht nur intelligenter daher, sondern auch mit vorgefilterten Ergebnissen: Wer Pornografie sucht, muss sich bewusst dazu entscheiden und die Filter deaktivieren. Zeitweilig ging die Zensur-Lust der Suchmaschinisten so weit, dass Regionen wie Middlesex oder Sänger wie Ron Sexsmith oder Bruce Cockburn Mühe hatten, im Web gefunden zu werden.

Noch immer bekommen immerhin fünf von Hundert Minderjährigen sexuelle Inhalte zu sehen, ohne danach zu suchen. In zahlreichen Fällen dürfte das über Messenger und Chats oder E-Mail-Spam laufen, nicht unbedingt über das Web.

Weiter senken lässt sich die Sex-Stolperquote durch den Einsatz von Inhaltefiltern, wie sie nicht nur von spezialisierten Softwareunternehmen angeboten werden, sondern sogar schon als Bestandteil von Betriebssystemen angeboten werden.

Windows 7 bietet hier beispielsweise unter "Jugendschutz" ein Dienstepaket an, das Zeitkontenverwaltung und Programmfreigaben beinhaltet. Darüber hinaus lassen sich über die "Internet Options" und dort über die "Parental Controls" und den "Content Advisor" weitere Einschränkungen definieren. Über das letztgenannte Kontrollfeld lassen sich sowohl Themenfelder wie Gewalt, Nacktheit, Drogen oder Glücksspiel ausfiltern, als auch (für kleinere Kinder) Listen mit vertrauenswürdigen Seiten definieren, auf die sie dann ausschließlich Zugriff haben. Genutzt werden solche Möglichkeiten nur ihn seltenen Ausnahmefällen.

Da überrascht es schon fast, dass europaweit insgesamt nur acht Prozent der Kinder erklärt hätten, schlechte Erfahrungen im Netz gemacht zu haben, sagte Hasebrink. Panikmache vor dem Internet sei also unangebracht. "Wenn man das Internet nur als Gefahrenzone bezeichnet, tut man den Kindern keinen Gefallen. Denn das Internet ist eines der leistungsfähigsten Kommunikationsinstrumente, das wir haben."

pat/dapd
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