Studie Spam ist gesund

Dass Spam, der in Dosen verpackte Fleischbrei, eigentlich gesund ist, versucht der Hersteller seinen Kunden nun schon seit 1937 zu vermitteln. Kanadischen Forschern gelang nun der Nachweis, dass das zumindest für den Namensvetter der Dosenmasse gilt: Spam-Mails, behaupten sie, fördern die Gesundheit.

"Glauben", sagte meine Oma immer, "heißt nicht Wissen" - und schied damit ganz sachlich die Bereiche von Intuition und Empirie. Das eine fühle man, "wisse" man "aus dem Bauch heraus", das andere basiere auf Erfahrung und Beobachtung: Zu trauen sei natürlich nur Letzterem.

Andererseits: Oma ist auch der einzige Mensch, den ich persönlich kenne, der auf Kommando Fieber entwickeln kann. Richtiges messbares, fühl- und beobachtbares Fieber.

Alles, was sie dazu brauchte, war eine schön eklige Folge des "Gesundheitsmagazin Praxis" - prompt entwickelte sie spätestens am nächsten Morgen die schönsten Symptome der anregendsten Krankheiten. Seit sie ein Alter erreicht hat, in dem sie wirklich Zipperlein entwickelt, hat sie das nicht mehr nötig.

Diese direkte, empirisch und sogar per Thermometer messbare Medienwirkung ist allerdings eher selten. Trotzdem: Es wäre denkbar, dass eine empirische Studie, beruhend auf der - zur Not sogar gerätegestützten - Beobachtung von Harald Schmidt und meiner Oma ergeben hätte, dass die Rezeption von ZDF-Sendungen Fieber, Übelkeit und andere Symptome verursacht (tatsächlich hat das ZDF-Programm auf mich eine ähnliche Wirkung, wenn auch aus anderen Gründen).

Es gibt also empirische Studien, die hier und da mit dem gesunden Menschenverstand kollidieren, und zwar mit Anlauf.

Wie wäre es mit folgender? Kanadische Forscher wollen herausgefunden haben, dass der Empfang von Spam-Mails eine gesündere Lebensführung begünstigt.

Alles streng wissenschaftlich

"Wie das?", fragt sich da der Spam-Geplagte erfreut, der Penisverlängerungs-Mails, Gewinnmitteilungen der niederländischen Staatslotterie und geschäftliche Avancen der nigerianischen bis niederträchtigen Art bisher nur als Magengeschwüre förderndes Stresselement im Arbeitsalltag wahrnahm. Des Rätsels Lösung: Zielgerichtet muss er sein, der Spam, und die richtigen Themen transportieren. Beschickt man seine Opfer gezielt mit Spam-Mails zu Gesundheits- und Fitnessthemen, dann gehen diese öfter laufen.

Und zwar nicht vor der Spam-Mail, sondern im Freien und ganz im Gegensatz zu denen, die nicht das Glück hatten, solche subtil wirkenden Spams zu erhalten. Die, fanden die Forscher heraus, bleiben vor ihren Rechnern hocken, leben ungesünder und nehmen zu. So einfach ist das.

Getestet haben das die findigen Forscher anhand von 1600 Probanten, von denen sie eine Hälfte mit Gesundheits-Spams beglückten, die andere nicht. Eine Spam pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten reichte demnach, die Spam-Empfänger zu mehr Sport und zum Abnehmen zu animieren. So unwahrscheinlich das klingt, wissen wir alle doch intuitiv und aus Erfahrung, dass es manchmal, aber nur manchmal vorkommen kann, dass der Konsum von etwas eigentlich Ekligem zum Joggen animieren kann (z.B. der Genuss von mit vollsynthetischem Erdbeer-Joghurt-Brei gefüllten Schokoriegeln).

Wünschenswert wäre das

Marketingfachleute würden wohl nur zu gern bestätigen, dass die stete Wiederholung einer Botschaft tatsächlich Verhalten beim Empfänger initiiert - und sei es nur deshalb, weil der erinnerte Gegenstand der Botschaft den Rezipienten ab und zu daran erinnern mag, entsprechend tätig zu werden (Schokoriegel essen, Mercedes kaufen, Rennen gehen, Guido Westerwelle wählen). Dabei spielt es tatsächlich keine Rolle, ob die Werbung ansprechend oder abschreckend wirkt, denn sonst wäre Ferrero ja längst pleite.

Bliebe nur das Problem, die Spam-Versender dieser Welt dazu zu bewegen, künftig auf die millionenfache Aussendung von Viagra-Werbung zu verzichten und stattdessen für den Waldlauf zu werben (oder zählt beides zum Bereich "gesundheitsfördernde Bewegung"?).

Denn nur herzlich wenige Menschen haben überhaupt das Problem, dass sie
a) nur eine Spam-Mail pro Woche und b) so gut gemeinte, Gesundheitsthemen ansprechende Spam-Mails erhalten.

So aber beschränkt sich der praktische Wert der kanadischen Spam-Studie darauf, festgestellt zu haben, dass Spam richtig wünschenswerte Nebeneffekte haben könnte, wenn er eben nicht nur schmieriger, betrügerischer, massenhafter und thematisch verfehlter Spam wäre, sondern zielgerichtete, schön sittsam nur einmal pro Woche eintreffende Gesundheitswerbung. Gut zu wissen.

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