Internet-Suchmaschinen Wer, wenn nicht Google?

Wer könnte mit Google in dessen Kerngeschäft bei Werbung und Internetsuche konkurrieren? Im Rennen sind Microsoft, ein russischer Großkonzern und eine datenschutzfreundliche Alternative.
Google-Logo (Archivbild)

Google-Logo (Archivbild)

Foto: KENZO TRIBOUILLARD / AFP

Das US-Justizministerium wirft Google vor, als Suchmaschine ein Monopol in den USA zu haben und diese Stellung zu missbrauchen. Die Suchmaschine ist die Grundlage und der Kern von Googles Marktmacht. In den USA soll der Konzern in diesem Bereich einen Marktanteil von 88 Prozent haben.

Ein zentraler Vorwurf der Kartellklage: Googles Konzernmutter Alphabet soll durch Deals mit Unternehmen wie Samsung und Apple dafür gesorgt haben, dass auf Smartphones und in Browsern immer zuerst Google als Standardsuchmaschine vorgeschlagen wird. Welche Nutzerin und welcher Nutzer klickt sich dann noch umständlich zu einer anderen Suchmaschine durch? Können Sie sich erinnern, wann Sie zum letzten Mal Bing, Yahoo oder DuckDuckGo genutzt haben?

Diese drei Namen sind die einzigen, die in der 64-seitigen Klageschrift als Konkurrenten im US-Suchmaschinenmarkt genannt werden. Ein Blick auf die Google-Alternativen und ein Unternehmen aus dem russischen Raum zeigt, wie weit Google seiner Konkurrenz enteilt ist, wie Googles Macht so groß werden konnte und in welchem Dilemma die Alternativen stecken.

Bing: Microsofts Marktbegleiter mit begrenztem Lock-In-Effekt

Microsofts Bing ist nach Google die am häufigsten genutzte Suchmaschine der Welt. Eine echte Konkurrenz stellt sie für Google aber nicht dar - ihr Anteil am US-Markt beträgt laut der Klageschrift nur rund sieben Prozent. Bei den kartellrechtlichen Vorwürfen des US-Justizministeriums geht es nur um den US-Markt. Ein hartes Vorgehen gegen Google in USA könnte aber auch Folgen für Europa und dem Rest der Welt haben.

Eine Suche bei Bing sieht kaum anders aus als bei Google. Wer zum Beispiel nach Rezepten sucht, bekommt wie bei Google passende Ergebnisse mit einer Bildvorschau angezeigt. Wer nach Bastelanleitungen sucht, bekommt wie bei Google oft eine Kurzzusammenfassung in einem Infokasten angezeigt.

Bei einem der zentralen Wettbewerbsvorteile von Google könnte Bing zumindest ein bisschen mithalten: Wie bei Google mit einem Google-Account können Nutzerinnen und Nutzer sich bei Bing mit ihrem Microsoft-Konto einloggen. So ist Bing mit Microsofts Office-Diensten, wie Word und Excel, dem Cloudspeicher-Dienst OneDrive und dem Videotelefonie-Dienst Teams verbunden. Die Dienste sind jedoch bei Weitem nicht so eng integriert und zahlreich wie im Google-Ökosystem.

Ein Lock-In-Effekt, bei dem die gesamte Computernutzung praktisch nur noch aus Diensten von einem Unternehmen besteht, kann Microsoft so nicht erreichen. Hinzu kommt, dass zum Beispiel Word und Excel anders als Googles Onlinealternativen nicht kostenlos sind.

Hätte Microsoft den Zuschlag für den Social-Media-Dienst TikTok bekommen, hätte der Konzern seine Nutzer sehr viel besser binden können. Das Unternehmen hätte dann ein erfolgreiches soziales Netzwerk in seinem Portfolio gehabt - etwas das Google nie gelungen ist. Aber die Trump-Regierung hat offenbar andere Präferenzen für die Zukunft von TikTok.

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Microsoft ist mit Bing auch auf dem lukrativen Markt für Suchmaschinenwerbung aktiv und bietet dabei wie Google auch über Cookies personalisierte Werbung an. Kunden können über das Microsoft Advertising Program Anzeigen schalten, die automatisch in Bing, aber auch anderen Microsoft Diensten wie MSN angezeigt werden. Zwar werden darüber deutlich weniger Menschen erreicht, der Vorteil gegenüber Werbung bei Google soll dabei nach Aussage des Unternehmens aber darin liegen, dass angeblich eine lukrativere, zahlungskräftigere Zielgruppe erreicht wird.

Ecosia und Yahoo: Ein bisschen wie bei Bing

Die Technologie von Bing kommt jedoch nicht nur bei Microsofts Suchmaschine selbst zum Einsatz. Auch die Ergebnisse, die bei den Suchmaschinen Yahoo, Ecosia und in der englischsprachigen Version der chinesischen Suchmaschine Baidu angezeigt werden, werden von Bing geliefert.

Fasst man die Marktanteile von Bing und Yahoo! zusammen, so liegen sie laut dem Analysedienst "Statcounter"  immer noch unter zehn Prozent in den USA - weltweit sogar unter fünf Prozent.

Bei Ecosia handelt es sich um ein deutsches Unternehmen. Die Berliner Firma wirbt damit, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, indem 80 Prozent der Werbeeinnahmen aus dem Anzeigengeschäft in Aufforstungsprojekte fließen. Nach eigenen Angaben hat Ecosia knapp zehn Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

DuckDuckGo: Alternative ohne Tracking und ohne Chance

DuckDuckGo ist eine 2008 gegründete Suchmaschine aus dem kleinen Ort Paoli im US-Bundesstaat Pennsylvania. Das Unternehmen hat 111 Mitarbeiter und wirbt mit einem vergleichsweise Privatsphäre-freundlichen Ansatz: DuckDuckGo speichert keine IP-Adressen, Cookies (außer für geänderte Einstellungen) oder andere Daten, anhand derer Nutzerinnen und Nutzer identifiziert werden könnten. Ein Log-in wie bei Googles Diensten gibt es nicht.

In den USA hat DuckDuckGo weniger als zwei Prozent Marktanteil, heißt es in der Klage des US-Justizministeriums gegen Google. Auch in Europa tut sich DuckDuckGo schwer, Fuß zu fassen. An Google übt DuckDuckGo Kritik: So seien die Auktionen, in denen Google Plätze für alternative Suchmaschinen versteigert, die bei der Einrichtung eines neuen Android-Geräts als Standardsuche zur Auswahl stehen, "fundamental fehlerhaft".  Wohl auch, weil der Anbieter bei der letzten Auktion wenig erfolgreich  war.

Nach eigenen Angaben  verarbeitet DuckDuckGo mehr als zwei Milliarden Suchanfragen im Monat, was laut Zahlen von "Internet Live Stats"  deutlich weniger ist, als Google am Tag bekommt. Die Suchergebnisse stammen aus verschiedenen Quellen, darunter Bing, Yandex, Wolfram Alpha, einem eigenen Webcrawler und seit Kurzem auch Apple Maps .

Werbung gibt es bei DuckDuckGo trotz des datenschutzfreundlichen Ansatzes. Allerdings kaufen Werbekunden Anzeigen nicht direkt bei dem Unternehmen, sondern bei Microsoft Advertising. Microsoft verbreitet die Anzeigen dann in seinem "Search Network", also Bing, Yahoo und anderen Partnern wie eben DuckDuckGo. Die Anzeigen sind laut DuckDuckGo  allein auf den jeweiligen Suchbegriff begrenzt, ein gezieltes Targeting wird nicht angeboten.

Nutzerinnen und Nutzer können in reinen Textsuchen durchaus Unterschiede zu den Ergebnissen einer Google-Suche feststellen, wobei sich DuckDuckGo deutlich schlechter für eine Recherche nach Medienberichten eignet. Eine Standardsuche nach Videos ergibt nur Ergebnisse für Googles Videodienst YouTube, das macht nicht einmal Google selbst so. Die im Oktober 2020 eingeführte Routenplanung für Autofahrer und Fußgänger basiert auf Apple Maps.

Yandex: Dank Google dominant im Osten

Der große russische Technologiekonzern Yandex spielt zwar im US-Markt bisher keine Rolle, behauptet jedoch seit Jahrzehnten vor Google die Marktführerschaft in Russland und weiten Teilen des postsowjetischen Raums. Anders als DuckDuckGo und Bing hat Yandex auch eigene Technologie, um es mit Google auf breiter Front aufzunehmen.

Ähnlich wie der US-Konzern haben die Russen früh begonnen, um ihre Suchmaschine herum ein Ökosystem mit zahlreichen ergänzenden Diensten zu errichten: Bei Karten und Verkehrsnavigation war Yandex bereits vor zehn Jahren Google in Russland weit voraus. Der Staumelder Yandex.Probka wurde für Millionen russische Autofahrer ein wichtiges Tool. Hinzu kommen Yandex.Mail, der Cloud-Service Yandex.Disk, eine teils sogar Google überlegene Bilder-Rückwärtssuche, Browser, Übersetzungsservice, ein sehr beliebter Fahrdienst, ein Lebensmittel-Lieferservice sowie ein News-Aggregator, der täglich mehr Russen erreicht als die großen staatlichen TV-Sender.

Das ist auch der Grund, warum der Kreml die Internetfirma in den vergangenen Jahren eng an die Kandare genommen hat. Teile der Gründungsmannschaft galten als eher liberal, bei großen Demonstrationen gegen Putins Rückkehr in den Kreml in den Jahren 2011 und 2012 ließ die Firma Sympathie mit der Bewegung erkennen. Der Präsident revanchierte sich mit Spitzen, Yandex werde offenkundig von Ausländern kontrolliert. Das war zwar gelogen, aber auch eine klare Warnung. Inzwischen tauchen bei Yandex News Berichte einiger kremlkritischer Medien nicht mehr auf.

So stark Yandex Position im postsowjetischen Raum ist, so gering sind die Erfolge darüber hinaus: Der groß angekündigte Yandex-Start in der Türkei verlief eher schleppend, die Suchmaschine kommt dort auf gerade einmal 14 Prozent Marktanteil. Der versprochene Deutschland-Start wurde nie realisiert.

Fazit: Dass das US-Justizministerium Google schwächt, damit ein immer näher an den Kreml rückender Konkurrent einspringen kann, erscheint unwahrscheinlich.

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