Suchmaschinen-Streit Auch Yahoo digitalisiert Bücher

Der Suchmaschinenriese Google digitalisiert in einer gigantischen Scan-Aktion derzeit mehrere Millionen Bücher. Nun hat sich auch eine zweite Groß-Initiative diesem Ziel verschrieben - geleitet von Googles Erzrivalen Yahoo.

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Der Platzhirsch bekommt Konkurrenz. Eine von Googles Erzrivalen Yahoo geführte Gruppe, die "Open Content Alliance", will analog zur "Google Print Library" ein groß angelegtes Digitalisierungsprojekt starten. "Unser Ziel ist es, bei der Erweiterung des menschlichen Wissens mitzuhelfen", formuliert Yahoo-Vorstand Dave Mandelbrot ganz unbescheiden das Ziel. Worte, die durchaus an die Rhetorik zum Start von Googles Bücherprojekt erinnern. Damals hatte Google-Chef Larry Page ebenso großspurig verkündet, das Ziel seines Unternehmens sei es "die Informationen der Welt zu organisieren" - und mit großer Freude arbeite man dafür mit den Bibliothekaren zusammen.

Yahoo-Hauptquartier in Sunnyvale: Print-Attacke auf den Erzrivalen
AFP

Yahoo-Hauptquartier in Sunnyvale: Print-Attacke auf den Erzrivalen

Nun wetteifern also zwei großangelegte Digitalisierungsprojekte um die Lufthoheit beim Weltwissen. Die Google-Herausforderer der Open Content Alliance teilen sich dabei die Arbeit auf: Unterkommen soll der digitale Bücherstapel beim Internet Archive, das sich auch um einen Teil der Digitalisierung kümmern will - und wegen des "Million Book Project" mit indischen, chinesischen und US-amerikanischen Partnern bereits Erfahrung in diesem Bereich hat. Bezahlt wird das ganze von Yahoo. Die Suchmaschine ist außerdem für die Indexierung der gescannten Bücher verantwortlich.

Mit im Boot sitzen außerdem noch weitere Partner, unter ihnen die Firmen Adobe und Hewlett Packard sowie mehrere Universitäten. An der University of California in Berkeley startet auch das erste konkrete Projekt der Digitalisierungsinitiative: Dort sollen 18.000 Bücher elektronisch erfasst und indexiert werden. "Erstes digitalisiertes Material wird Ende des Jahres zugänglich sein", schreibt Brewster Kahle vom "Internet Archive" in einem Yahoo-Blog.

Geht es nach den Wünschen der Gründer der Open Content Alliance, sollen in möglichst kurzer Zeit viele Partner gewonnen werden, um den verfügbaren Datenbestand zu erhöhen. "In zwei oder drei Jahren würden wir gern eine gemeinsame Initiative sehen, bei der Bibliotheken Inhalte zur Verfügung stellen und Verlage die Erlaubnis zur Veröffentlichung geben", sagt Yahoo-Manager Dave Mandelbrot.

Stichwort Erlaubnis: Weil Google genau diese Erlaubnis zur Digitalisierung oft fehlt, hatte die Suchmaschine unlängst ziemlichen Ärger bekommen. Seit gut zwei Wochen liegt eine Sammelklage der größten US-Autorenvereinigung auf dem Tisch. Die "Authors Guild" moniert, dass Google bei der Digitalisierung die Copyright-Gesetze verletzt. Geschützte Bücher würden nämlich auch ohne Zustimmung der Autoren verarbeitet. Die Suchmaschine hält dagegen, dass solcherart geschützte Werke nur in Ausschnitten angeboten würden. Außerdem würde der Verkauf der Titel angekurbelt.

Egal, wie der Rechtsstreit ausgeht, die Open Content Alliance will derartige Probleme möglichst ganz umgehen. Die neue Initiative will sich nämlich nur um Copyright-freie Bücher kümmern - oder solche, bei denen die Autoren eine Digitalisierung ausdrücklich wünschen.

In einem Leserbrief an die "New York Times" rief Authors Guild-Chef Nick Taylor am Sonntag zur Schaffung einer "wirklichen digitalen Bibliothek" auf. Dabei sollten nicht nur "Schnipsel" im Angebot sein - und die Autoren auf ihre Kosten kommen. Neben den Autoren würden natürlich vor allem die User von einer solchen Bibliothek profitieren - jedenfalls, wenn sie die existierenden Digitalisierungsprojekte zusammenfasst. Die Macher der Open Content Alliance sehen dafür durchaus Spielraum: "Irgendwann sollten wir uns in der Mitte treffen, so dass die User profitieren können", sagt Brewster Kahle vom Internet Project.



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