Sue Reindkes "Spam" Glücklich werden mit Werbemüll

Spam ist Poesie, findet Sue Reindke und hat ein Buch über die ungebetenen Werbe-E-Mails geschrieben. Im Interview erzählt sie, wie sie einmal fast gottesfürchtige Babys adoptiert hätte und warum wir von Spammern viel lernen können.
Buch-Cover: Öfter mal in den Spam-Ordner gucken

Buch-Cover: Öfter mal in den Spam-Ordner gucken

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Menschen bekommen lieber keinen Spam. Jetzt sollen Sie ein Buch voll davon lesen?

Sue Reindke: Spam ist lustig, wenn auch meist unfreiwillig, weil die E-Mails wirklich schlecht ins Deutsche übersetzt sind. Ich habe auf der Internetkonferenz re:publica vor einem Jahr aus Spam-Mails vorgelesen, Poetry Spam. Danach kam die Idee zu einem Buch.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie denn keinen Spam-Filter?

Reindke: Doch, aber der von GMX, meinem Anbieter, ist recht durchlässig. Außerdem kann man ja immer noch in den Ordner gucken, in den der Spam wegsortiert wird.

SPIEGEL ONLINE: Was war das beste Spam-Angebot, das Sie bekommen haben?

Reindke: Mir wurden tatsächlich gottesfürchtige Babys zur Adoption angeboten. Ist aber leider nichts daraus geworden.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie haben geantwortet?

Reindke: Das ging ein bisschen hin und her, am Schluss habe ich wohl die falschen Fragen gestellt. Ich habe mehreren Spammern geschrieben - entweder die antworten gar nicht, weil sie nur Porno-Links verteilen, oder sie wollen irgendwann Geld überwiesen bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Neue Zähne für schmales Geld, 5000 Euro im Schlaf verdienen - fällt da wirklich jemand drauf rein?

Reindke: Offenbar schon. Es gibt ja auch sehr geschickte Mails, die so aussehen, als kämen sie von einer Bank. Außerdem ist es günstiger, tausend E-Mails zu verschicken als tausend Prospekte zu drucken. Aber das ist mehr ein Thema für Verbraucherschützer, ich habe ja ein humoristisches Buch geschrieben und keine Forschungsarbeit.

SPIEGEL ONLINE: Sie versprechen Ihren Lesern, dass sie viel Nützliches für das eigene Leben lernen können. Was denn?

Reindke: Es geht los mit einfachem Geldverdienen und Reichwerden, dann kann man seinen Körper optimieren und schließlich mit erotischen Abenteuern die Lebensqualität steigern.

SPIEGEL ONLINE: Also öfter mal in den Spam-Ordner gucken?

Reindke: Klar. Aber nicht auf die Links klicken und keine Dateianhänge öffnen. Dann kann Spam sogar glücklich machen.

Sue Reindke alias Happy Schnitzel: Spam. Rowohlt Verlag, 320 Seiten, 8,99 Euro.

Interview: Ole Reißmann
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