Super Bowl Big Brother beim Football

In den USA ist die totale Überwachung bereits Realität: Beim Football-Endspiel Super Bowl wurden alle 75.000 Besucher digital erfasst und automatisch mit einer Verbrecherdatei verglichen.


Während Spieler der Baltimore Ravens feierten, fahndete die Polizei per Digitalkamera nach Terroristen
AP

Während Spieler der Baltimore Ravens feierten, fahndete die Polizei per Digitalkamera nach Terroristen

Washington - Mit einer gigantischen Überwachungsaktion hat die US-Polizei den Protest von Datenschützern auf sich gezogen. Beim größten Sportereignis des Jahres, dem Super Bowl, setzten die Behörden am vergangenen Sonntag in Tampa im Bundesstaat Florida erstmals ein neues Videosystem ein. Die Besucher des Football-Endspiels wurden dabei ohne ihr Wissen von digitalen Kameras erfasst. Computer verglichen die Bilder mit Aufnahmen einer Verbrecher-Datenbank.

Wie die "Washington Post" am Donnerstag berichtete, wurden auf diese Weise 19 Personen identifiziert, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Allerdings sei keiner von ihnen wegen schwerer Verbrechen gesucht worden. Die Polizei habe den Super Bowl auch als Extremtest für die neue Überwachungstechnologie nutzen wollen, so die Zeitung.

In der digitalen Verbrechensdatei mit Tausenden von Einträgen sind nach Angaben der "Washington Post" Fotos und biometrische Details vom Handtaschendieb bis zum Terroristen gespeichert. Die Daten könnten innerhalb von Sekundenbruchteilen mit den digitalen Fotos der Besucher abgeglichen werden.

Während die Polizei die Überwachung als legal bezeichnete, äußerten Datenschützer und Bürgerrechtsgruppen Kritik an dem Verfahren. Die Überwachung nehme ein Ausmaß an, in dem die Polizei und private Sicherheitsdienste jede Bewegung eines Individuums verfolgen könnten, sagte ein Sprecher der Bürgerrechtsbewegung "American Civils Liberties Union". Deshalb lehne seine Organisation die "unerlaubte Aufzeichnung" biometrischer Details zur Personenerkennung ab.



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