Webprojekt "Superkühe" So leben Connie, Emma und Uschi

Wo kommt meine Milch her? Was unterscheidet Biohof und Großbetrieb? Mit dem Projekt "Superkühe" können Sie das Leben dreier Milchkühe live verfolgen - Sensoren sei Dank. Hier erfahren Sie, wie Sie in den Stall schauen können.
Bild aus dem "Superkühe"-Teaser

Bild aus dem "Superkühe"-Teaser

Foto: YouTube/ Superkühe

Sie haben genug von C-Promis, die sich beim "Sommerhaus der Stars" oder bei "Promi Big Brother" durch ihren Fernsehalltag pöbeln? Dann schwenken Sie doch vom Trash-TV um auf ein Format mit tierischen Protagonisten - und gucken statt Menschen lieber Kühen beim Leben zu. Dabei lernen Sie vielleicht sogar etwas über die Folgen Ihres eigenen Milchkonsums.

Diesen Montag startet das neue Webprojekt "Superkühe", das Sie auf der offiziellen Projekt-Website beim WDR  und einer eigenen Facebook-Seite  verfolgen können. SPIEGEL ONLINE ist Partner des Projekts und begleitet es über die 30 Tage, unter anderem mit einem Livestream.

Im Mittelpunkt des Experiments stehen drei Milchkühe: Connie aus der Nähe von Kleve, Uschi aus der Gegend von Bielefeld und Emma, die nicht allzu weit vom Flughafen Köln-Bonn entfernt lebt.

Hält sich die Internetaffinität der Tiere sonst naturgemäß in Grenzen, wird man von diesem Montag an online nachvollziehen können, wie sie leben. Ins Netz übertragen wird der Kuhalltag von drei deutschen Bauerhöfen: von einem Großbetrieb, einem Biohof und einem kleinen Familienbetrieb.

Video: Darum geht es beim Riesenprojekt

SPIEGEL ONLINE

Die Vermittlung zwischen Kuh- und Menschenwelt übernehmen diverse Sensoren - in den Ställen und sogar in den Kühen. Dank ihnen kann man in Echtzeit mitbekommen, ob die Tiere Fieber haben, ob sie genug trinken, wie viel Milch sie gegeben haben oder wie viele Schritte sie machen.

Sensor im Vormagen, Live-Stream aus dem Stall

Damit solche Rückschlüsse möglich sind, misst zum Beispiel ein Sensor die Luftfeuchtigkeit im Stall. Zugleich befindet sich aber auch in den Vormägen von Connie, Uschi und Emma jeweils ein Bolus genannter Sensor, der die Körperinnentemperatur dokumentiert. Außerdem misst der Bolus unter anderem den Pansen-pH-Wert, was Bauern dabei hilft, Krankheiten einer Kuh frühzeitig zu erkennen.

Superkühe - das Experiment
Foto: Peter Kneffel/ picture-alliance/ dpa

Drei Kühe, 30 Tage, viele Daten: Das Projekt "Superkühe" verleiht drei Milchkühen eine Stimme. Über Sensoren, Tagebuch und Chatbot kann jeder ihren Alltag mitverfolgen. SPIEGEL ONLINE ist Projektpartner und widmet sich Fragen rund um die Milch: Wie lebt eine Milchkuh? Wie gesund ist Milch? Und was zeigen die Daten aus dem Experiment?

Hier geht es zur Projektseite auf SPIEGEL ONLINE  und zur Website des Projekts 

Ergänzend zu allerlei Echtzeitdaten liefert das Projekt "Superkühe" Live-Bilder aus den Ställen - die wir Ihnen hier bei SPIEGEL ONLINE zeigen -, jede Kuh hat außerdem ein Tagebuch, das auf Basis der Daten und Textbausteinen automatisch erstellt wird.

Allzu viele Emotionen sollte man sich davon allerdings nicht erwarten: "Natürlich müssen die Superkühe Fatalisten sein, die ihr Leben eher beschreiben als bewerten", heißt es in einem Erklärtext. Und schon gar nicht würden die Kühe "ihre Gefühle offenbaren und darüber reden, ob sie glücklich sind oder nicht".

Zusätzlich zum Onlinetagebuch haben die Macher noch einen Chatbot im Facebook-Messenger  im Einsatz, der per Dialog-System aktuelle Infos zu den Kühen liefert. Außerdem versuchen sie in einem FAQ auf der WDR-Website  viele Hintergründe zu "Superkühe" zu liefern, vom genauen technischen Ablauf bis hin zu Tierschutzfragen.

Zum Kuhexperten werden

Das Projekt sei "dicht dran wie noch nie", verspricht die Projekt-Website - durch die Sensoren werde den Kühen eine Stimme verliehen. Grundsätzlich wolle man vor allem dokumentieren, nicht bewerten: "Die Wertung überlassen wir demjenigen, der sich mit den zur Verfügung gestellten Informationen auseinandersetzt."

Insgesamt ist das menschliche Team hinter "Superkühe" 16-köpfig: Ein Ziel des Projektes sei es, die Nutzer binnen 30 Tagen "zu Kuhexperten zu machen", sagt der Wissenschaftsjournalist Jakob Vicari, der zu den Initiatoren zählt und sich schon länger mit dem Thema Sensorjournalismus befasst.

"Die Leute sollen nicht die neue Art von Journalismus faszinierend finden, sondern vor allem etwas lernen", sagt Vicari. "Viele Menschen wissen zum Beispiel gar nicht, dass eine Kuh immer wieder ein Kalb kriegen muss, um Milch zu geben." Das soll sich durch "Superkühe" nun ändern, nebenbei wollen Vicari und seine Kollegen auch zeigen, wie sehr Technologie bereits die Milchwirtschaft durchdrungen hat.

Und auch Kuh-Nachwuchs soll es zu sehen geben: "Wir haben die Kühe so ausgewählt, dass bei allen ein Kalbungstermin in die 30 Tage fällt", erzählt Jakob Vicari. Wann es bei Connie, Uschi und Emma jeweils so weit ist, sollen die Zuschauer natürlich rechtzeitig erfahren: durch Sensordaten. Und dann können sie übers Netz live dabei sein.

mbö