Surftipp "Life" lebt wieder

Google hat die Digitalisierung der Archive des "Life"-Magazins abgeschlossen. Zum ersten Mal sind nun für jedermann alle Ausgaben des legendären Magazintitels online zugänglich und durchsuchbar. Bereit für eine Zeitreise bis zurück ins Jahr 1936?


Zwei Jahre ist es her, dass "Life", das legendäre, archetypische Hochglanzmagazin, aufgeben musste und eingestellt wurde: Seitdem lebt das Magazin, das wie kaum ein anderes den größten Teil des letzten Jahrhunderts in Reportagen und opulenten Bildstrecken dokumentierte, nur noch im Web. Dort macht Time Warner bis heute weiter, bietet neben aktuellen News nicht zuletzt eines der schönsten, reichhaltigsten und witzigsten Fotoarchive im Internet. Und trotzdem: Es ist nicht dasselbe.

Das zeigt der Blick in die Archive des Magazins, die Google nun vollständig digitalisiert hat. Die alten Ausgaben bieten eine Zeitreise der besonderen Art: Sie sind kein Blick zurück, sondern ein Blick in die vergangene Zeit. Das ist ein Unterschied, denn die Perspektive ist anders: Nirgendwo sonst würden wir heute die große Reportage über die Aussichten der zweiten Amtszeit Richard Nixons lesen können. Noch völlig unbefangen feiert "Life" im November 1972 den 37. Präsidenten der USA - natürlich nicht ahnend, dass er bereits 1974 abdanken würde, weil ihm zwei couragierte Reporter den bis dahin größten Amtsmissbrauch der US-Geschichte nachwiesen.

"Life" bietet auch ein Stöbern im Album der Pop-Geschichte

Kein großer Sänger oder Schauspieler, der in "Life" nicht seine Würdigung gefunden hätte. Bei Jane Fonda bewiesen die "Life"-Reporter Nase: Den damals jüngsten Spross des Schauspieler-Clans feierten sie schon, bevor ihr erster Film in die Kinos kam, für den sie aber prompt zwei Jahre später mit ihrem ersten Golden Globe ausgezeichnet wurde. "Life" war stets das populärere Magazin mit den "weicheren" Themen neben dem nachrichtlicher orientierten Schwesterblatt "Time". Ein softes Glamourmagazin aber war "Life" nie, sondern um Qualität bei teils boulevardesken Themen bemüht.

Das alles kann man sich nun online anschauen, im Archiv mit allen Ausgaben von 1936 bis 1972. Und zwar inklusive der Werbung, was einen ganz besonderen Charme hat: Noch in den Siebzigern hätte man sich mit der deutschen Abwrackprämie einen Neuwagen kaufen können - und zwar ohne jede Zuzahlung.

pat

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