Meistabonnierte YouTube-Kanäle PewDiePie ist nur noch die Nummer zwei

Seit Monaten versucht der Schwede PewDiePie mit seinen Fans, seinen Kanal auf Platz eins der meistabonnierten YouTube-Angebote zu halten. Doch jetzt ist ein indisches Plattenlabel vorbeigezogen.

YouTuber PewDiePie
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Trotz einiger fragwürdiger Aktionen hat der YouTube-Star PewDiePie den Wettlauf um die YouTube-Abokrone verloren - jedenfalls vorläufig. Der Kanal T-Series, hinter dem ein indisches Film- und Plattenlabel steckt, hat seit dieser Woche mehr Abonnenten als der seit vielen Jahren populäre Kanal des schwedischen Videomachers.

Mit 91,67 Millionen Abonnenten ist T-Series Stand Donnerstagnachmittag der erfolgreichste Kanal auf YouTube. PewDiePie hatte mehrere Jahre lang vorn gelegen. Mit seinen Fans versuchte er in den vergangenen Monaten mit allerlei Mitteln, seinen Spitzenplatz weiter zu verteidigen.

Doch das Rennen scheint verloren, auch wenn es vorerst knapp bleibt: PewDiePie, der mit richtigem Namen Felix Kjellberg heißt, hatte Donnerstagnachmittag 45.000 Fans weniger als T-Series. Das klingt nicht viel, doch täglich kommen bei beiden Kanälen weit mehr als 100.000 Fans dazu - und T-Series dürfte auf Dauer das größere Wachstumspotenzial haben.

Elefanten und Markt-Prügeleien

Das Erfolgskonzept des Kanals ist simpel: Bollywood-Clips. In den kurzen Videos reiten die Schauspieler auf Elefanten durch den Dschungel, prügeln sich durch Marktstände und tanzen über kargen Wüstenboden. Es sind meist Musikvideos mit Songs aus Bollywood-Filmen, die die Stars selbst singen. In den Clips treten unter anderem indische Filmstars wie Salman Khan und Aamir Khan auf.

Für T-Series ist YouTube eine praktische Promo-Plattform: Dort werden neben den Filmen auch gleich die Songs beworben, mit denen die indische Produktionsfirma ihr Geld verdient.

Kanal T-Series
YouTube/ T-Series

Kanal T-Series

In den Achtzigerjahren setzte das Unternehmen noch ausschließlich auf Musik, damals unter dem Namen Super Cassettes Industries. Geschäftsführer Bhushan Kumar hat daraus mittlerweile T-Series gemacht, einen der größten Unterhaltungskonzerne in Indien. Sein Vater wurde im Jahr 1997 auf offener Straße in Mumbai erschossen, damals übernahm Bhushan Kumar als 19-Jähriger die Firma.

Zahl der Internetnutzer in Indien wächst rasant

Außer mit dem Ehrgeiz von Bhushan Kumar hat der jüngste Erfolg des Bollywood-Kanals auf YouTube auch damit zu tun, dass die Zahl der Internetnutzer in Indien rasant ansteigt. Allein in den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der dortigen Nutzer verdoppelt. Mittlerweile surfen in Indien mehr als 500 Millionen Menschen im Netz. In Ländern wie den USA (284 Millionen) und Deutschland (63 Millionen) steigt die Zahl der Onlinenutzer nur noch leicht.

PewDiePie und seine Fans versuchten, den Aufstieg von T-Series auszubremsen, sie scheinen damit aber zu scheitern. PewDiePie beschimpfte die indische Firma in einem Rapvideo als "Schlampen-Lasagne" und machte den Spruch "Ihr seid Indien, ihr verliert" zum Slogan seiner Klick-Kampagne.

Im Dezember starteten Unterstützer des YouTubers einen Hackerangriff auf etwa 50.000 Drucker, um Flyer auszudrucken - mit dem Aufruf, PewDiePie zu folgen. Und vor etwa einer Woche war sogar Schadsoftware mit dem Namen PewCrypt aufgetaucht, die Daten auf Rechnern von Nutzern verschlüsselte. Die Opfer sollten PewDiePie abonnieren, um ihre Dateien wieder freizugeben. Die Entwickler der Antivirus-Software Emisoft veröffentlichten daraufhin ein Programm, das die Verschlüsselung knackt.

Immer wieder fragwürdige Aktionen

PewDiePie ist hat weltweit viele Fans, aber auch viele Kritiker. Anfang 2017 beendeten Disney und Google ihre Zusammenarbeit mit dem YouTuber, weil er in mehreren Videos antisemitische Witze machte und Nazibilder zeigte. In einem Video etwa waren zwei Inder zu sehen, die er dafür bezahlt hatte, ein Schild mit der Aufschrift "Tötet alle Juden" hochzuhalten. Ein paar Monate später beschimpfte er in einem Let's-Play-Video einen Gegner als "Nigger".

Der Attentäter von Christchurch sagte unmittelbar vor seinem Anschlag, bei dem 49 Menschen ums Leben kamen, man solle PewDiePie auf YouTube abonnieren. PewDiePie selbst zeigte sich schockiert von der Tat und distanzierte sich deutlich.

PewDiePie war vor allem mit Let's-Play-Videos bekannt geworden, mit Clips zu Videospielen. Mit seinen Videos soll der YouTuber trotz der Skandale allein im vergangenen Jahr rund 15 Millionen Dollar verdient haben. Sein Geld machte PewDiePie unter anderem mit Videos, die von Unternehmen bezahlt wurden.

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insgesamt 9 Beiträge
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pwinky22 29.03.2019
1. Schon verloren.
Kenne ich persönlich nicht den Kanal. zu Beginn des Artikels habe ich noch überlegt den zu unter...Glaubt man dem Ende des Artikels dann ist ja nur zu sagen...Wer sich auf Dauer solche fremdenfeindliche Aussetzer leistet wie PewDiePie wird nicht wachsen und den Wettkampf immer verlieren. Danke interessanter Artikel
KevinWeiner 29.03.2019
2. Leider fehlen wichtige Informationen
Gute Arbeit, aber leider fehlen andere Kerninformationen: Pewdiepie hat zu allen der o.g. "Ausrutscher" seiner Karriere auch entsprechende Statements formuliert, wie man alle auf YouTube einsehen kann. Außerdem hat er nicht unbeträchtliche Summen an Wohltätigkeitsprogrammen umgesetzt und Millionen so an wohltätigen Organisationen spenden können. Außerdem hat er seine Fans ermahnt, dass Sie keine illegalen Aktionen starten sollen, um seine "VS-T-Series"-Kampagne zu unterstützen, mehrfach. Der Artikel lässt darauf schließen, dass Pewdiepie diese Aktionen gefördert habe und geduldet, was er ebenfalls in mehreren Videos auch kritisiert hat (wie der Drucker-Hack). Ich finde es wichtig, dass man, wenn man über eine Person berichtet, auch die positiven Aspekte seiner Karriere aufzählt, wenn man beginnt die Meilensteine seiner Fehler aufzuzählen. Das ist fairer und neutrale Berichterstattung. Berichterstattung sollte nicht auf Kosten des Rufes jener Person gehen, nur weil Sie nicht vollständig durchgeführt ist. Ich lese SPON seit Jahren, aber dieser Artikel benötigt - auch als Fan von Pewdiepie - eine Klarstellung. Danke für Ihre Arbeit und bitte beachten Sie den Einfluss auf Persönlichkeiten, welchen Sie durch Ihre Artikel erzeugen können. Sie sollten immer eine Übersicht über alle Fakten klar darbieten - die positiven, aber auch die negativen. Das ist, meiner Meinung nach, wahre Berichterstattung. ~KrystalCroft
Niteftef 29.03.2019
3. Ganz so ernst ist es nicht
Man kann zB "bitch lasagna" nicht einfach so übersetzen und es ist keine tatsächliche Beleidigung, sondern eher ironisch, so wie man jemanden als Nudel bezeichnen würde. Insgesamt nimmt PewDiePie den Kampf nicht so ernst, wie es hier rüberkommt - Teile seiner Fangemeinde allerdings schon. Dass der Attentäter von Christchurch PewDiePie Fan war, kann man ihm mE auch nicht vorwerfen, den PDP ist ein unpolitischer Comedian und kam sich seine Fans auch nicht aussuchen.
hohnspiegel 29.03.2019
4. Parodie in South Park
darüber habe ich ihn kennengelernt, dass man mit so einem Käse Geld machen kann , ich zweifle am Verstand vieler Follower , sorry aber das ist keine Leistung das ist Brot und Spiele à la Internet .
rekcufrehtom 29.03.2019
5. Bezeichnend
Es ist bezeichnend, dass sich solcher Mist um die vordersten Abo-Plätze streitet. Es ist eines von vielen Symptomen dessen, was in unserer Welt falsch läuft. Ich nutze Youtube täglich, jedoch bei weitem nicht bloss für seichte oder dümmliche Unterhaltung. Über YouTube kann man viele seriöse internationale News Inhalte sehen, die einem sonst vorbehalten sind. Aber wenn ich aus Versehen mal auf das 'Trends' tab klicke, dann sehe ich dort nur derlei Banalitäten und Musikvideos. Dafür interessiert sich ein Grossteil der nächsten Generation - und nur dafür.
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