Tagesüberblick Spam, Schnüffelei und Kinderporno

Wieder Sicherheitslücken in Internet Explorer/Outlook + Verhaftungswelle gegen Kinderpornografen hält an + Datenschutzbeauftragter fordert Gesetz wegen RFID-Chips + China auf dem Weg zur "Spam-Nation No.1"


Häufig eingesetztes Symbolbild: Irgendwo tropft's immer
SPIEGEL ONLINE

Häufig eingesetztes Symbolbild: Irgendwo tropft's immer

IE/Outlook: Mal wieder leck

Das Schöne an Outlook und Internet Explorer ist, dass die Programme so herrlich Hand in Hand arbeiten. Virenschreiber und Phishing-Betrüger können das bestätigen und finden immer wieder schicke neue Sicherheitslücken im Microsoft-Doppelpack, die in der Regel darauf hinauslaufen, dass dem User die Kontrolle über Rechner, Kreditkarte oder ähnliches entzogen wird.

Ganz aktuell, sagt "tecChannel", fischen wieder einmal Betrüger im Meer der Outlook-Nutzer: Die lassen sich allzu gern in E-Mails eingebettete Links direkt als Webseite im Mailbrowser darstellen. Das aber, findet "tecChannel", sollte man nicht tun, wenn man sichergehen will, dass man auch wirklich da ist, wo man zu sein glaubt: Anderenfalls gibt man seine wertvollen Daten, Passwörter etc. eventuell gar nicht der Bank, sondern irgendwelchen Herrschaften in Kasachstan (oder China, USA, Rumänien, Brasilien...).

"tecChannel" rät da, die HTML-Ansicht in Outlook und Outlook Express grundsätzlich zu deaktivieren: Dann sähe man anhand des eingebetteten Links, wo die Klick-Reise wirklich hingeht. Denkbar sind auch noch andere Lösungen, auf die man ganz leicht kommt, wenn man darüber nachdenkt, dass das Doppel IE/Outlook seit Jahren als größter Risikofaktor für Virenattacken und ähnliches gilt.

Die aktuelle Sicherheitslücke macht es auch möglich, über die im Mailbrowser dargestellte Webseite schädlichen Programmcode auszuführen. Auch der Internet Explorer darf wieder einmal als einziger Browser am Markt gelten, bei dem es reicht, sich durchs Web zu bewegen, um sich etwas zu fangen. Microsoft stellt übrigens noch keinen Flicken für das Leck zur Verfügung.

Kinderpornografie: Weitere Verhaftungen

In den USA haben die Fahndungsbehörden ihre Jagd auf Kinderpornografen erfolgreich auf P2P-Börsen ausgeweitet. Mehr als 65 Personen, gab das US-Justizministerium bekannt, seien im Verlauf der letzten Woche verhaftet worden, weil sie kinderpornografisches Material über P2P-Börsen zugänglich machten oder Kinder missbraucht hätten.

Ministerium wie Fahndungsbehörden betonten die Wichtigkeit des Schrittes, die Fahndung nun massiv auch auf P2P-Börsen ausgedehnt zu haben. "Die heutige Bekanntmachung", sagte dazu ein FBI-Sprecher, "macht klar, dass der digitale Raum diesen Pädophilen, die in P2P-Börsen lauern, keinen Schutz bieten wird."

China: Auf dem Weg zum Spam-Versenderland?

Nachdem Spammern in den USA und Europa ein immer ungemütlicherer Wind um die Ohren fegt, weichen diese zunehmend auf andere Länder aus. Auffällig waren und sind in dieser Hinsicht Länder des ehemaligen Ostblocks, einige südamerikanische Nationen und - mit steigender Tendenz - China.

Noch, berichtet "MacWorld", seien die USA die Spam-Versendenation Nummer Eins, doch China - längst auf Platz zwei - hole beständig auf.

Schon heute lägen rund 70 Prozent aller Webseiten, auf die Spam-Mails verweisen, auf chinesischen Servern. Die Betreiber jedoch vermuten Experten vor allem in den USA: Dort habe mittlerweile eine Flucht der notorischen "Großspammer" vor der sich verschärfenden Gesetzeslage eingesetzt.

China bekämpft das wachsende Spam-Problem mit ultimativen Abmahnungen: Die verschickt die Internet Society of China (ISC) seit Herbst letzten Jahres ganz gezielt gegen als Spam-Verbreiter identifizierte Internet Service Provider. Und wenn sich die ISC drohend in die Brust wirft, wirkt das offenbar sogar grenzüberschreitend: Nach der ersten Abmahnwelle reagierten rund 26 Prozent der abgemahnten ISPs auf die Drohung, berichtet die ISC. Die meisten davon lagen in Taiwan.

Datenschutzbeauftragter: Gesetzesänderung wegen RFID

Datenschützer Peter Schaar: Erst regulieren, dann (vielleicht) funken
DPA

Datenschützer Peter Schaar: Erst regulieren, dann (vielleicht) funken

Unterstützung von prominenter Seite erhalten die Gegner so genannter RFID-Chips, mit denen sich per Funktechnik Daten angreifen lassen, vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. RFID-Chips versprechen Handel und Behörden weitgehende Möglichkeiten, Daten über Konsumverhalten, aber auch Bewegungsprofile von Bürgern zu erheben.

Für Gegner wie den Bielefelder Verein FoeBuD e.V., Organisator des jährlichen deutschen "Big Brother"-Preises, sind RFID-Chips "Wanzen" oder "Schnüffelchips", die neben vordergründig nützlichen Anwendungen das Potenzial weitgehenden Missbrauches böten. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Scheer sieht beim Einsatz von RFID-Chips, ohne zuvor die Grenzen dafür gesetzlich abzustecken, Probleme. Im Interview mit dem "Focus" fordert er eine Gesetzesänderung zur Regulierung von Funkchips.

"Damit", so der Netzkünstler padeluun, Mitbegründer des FoeBuD, "schließt er sich einer unserer Hauptforderungen an."

Frank Patalong



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