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Neues Angebot: Das ist Tchibos VR-Brille

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VR-Brille von Tchibo Jede Woche eine neue Wirklichkeit

Bekannt ist Tchibo für Produkte wie Kaffee und die Helene-Fischer-Modekollektion. Doch nun verkauft das Unternehmen eine "VR-Smartphone-Brille" für 13 Euro. Ist das ein Schnäppchen oder Quatsch?

Haie kommen bedrohlich nahe, riesige Planeten wirken nur eine Armlänge entfernt - und im freien Fall geht es kopfüber vom Hochhaus hinunter. All diese Erlebnisse sind mit einem neuen Produkt von Tchibo möglich. Aber der Schaumstoff an der Nase fühlt sich komisch an. Und so langsam werden die Arme schwer.

Für unseren Test steckt ein Smartphone in der Virtual-Reality-Brille (VR-Brille), die Tchibo neu im Sortiment hat und die im Online-Shop rund 13 Euro kostet . "Willkommen im Mainstream, Virtual Reality", titelte dazu das Blog "MobileGeeks" . Das kam gut an, denn gerade erst machte McDonald's Schweden mit Happy-Meal-Boxen Schlagzeilen, die sich in Papp-VR-Brillen verwandeln lassen .

Happy-Meal-Verpackung aus Schweden

Happy-Meal-Verpackung aus Schweden

Foto: Mc Donalds Sverige

Viel mehr als Pappe mit Linsen und Schaumstoff bekommt man auch bei Tchibo nicht, wie unsere Bildstrecke zeigt. Das 13-Euro-Gadget ist eine Variante von Cardboard, einem von Google entwickelten Pappgestell, in das ein Smartphone als Bildschirm eingesetzt wird.

Mit teuren VR-Headsets wie der Oculus Rift und der HTC Vive, die beide in den nächsten Wochen auf den Markt kommen, hat die Brille außer der Grundidee nicht viel gemein.

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Virtuelle Realität: Diese VR-Brillen gibt es

Foto: ROBERT GALBRAITH/ REUTERS

Cardboard-Brillen für Smartphones sind VR-Einstiegsprodukte, Rift und Vive High-End-Geräte. Die teuren Produkte bieten eine nicht perfekte, aber beeindruckende Illusion von Realität, die Papp-Brillen vermitteln eher einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten, die VR bietet.

Die Grenzen der Tchibo-Brille

Damit keine falschen Erwartungen aufkommen, hier die wichtigsten Unterschiede zu teureren Brillen:

  • Die Tchibo-Brille wird anders als Oculus Rift und Co. nicht wie ein Headset getragen und hat kein Kopfband. Man muss sie mit den Händen vors Gesicht halten - oder ein Gummiband daran befestigen.
  • Das Gadget hat kein eigenes Display. Es nutzt das Display von eingelegten iPhones oder Android-Smartphones.
  • Zusätzliche Technik wie die teurere Smartphone-Brille Gear VR bietet die Tchibo-Brille nicht, Kopfbewegungen werden ausschließlich von den Sensoren des Smartphones erkannt. Ob man im Raum herumläuft oder seine Position verändert, erkennt die Brille nicht.
  • Einen eigenen VR-App-Store gibt es nicht, man muss sich die Apps selbst zusammensuchen. Nutzen lassen sich prinzipiell alle für Cardboard optimierten Apps.
  • Anders als andere Cardboard-Modelle hat die Brille keinen magnetischen Schalter. Es gibt aber einen Schlitz unten, durch den man mit dem Finger das Display berühren kann.

Hauptzweck 360-Grad-Videos

Aufgrund dieser Einschränkungen eignet sich die Brille eher für simple Spiele und 360-Grad-Videos als für aufwendigere Apps. Gut bedienen lassen sich eigentlich nur Apps, die mit Kopfbewegungen gesteuert werden. Auch für YouTube-Videos, die einen Cardboard-Modus mit 360-Grad-Rundumsicht bieten , taugt das Gadget.

Tauchen mit Haien im 360-Grad-YouTube-Video "MythBusters: Shark Shipwreck"

Tauchen mit Haien im 360-Grad-YouTube-Video "MythBusters: Shark Shipwreck"

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Hier sind noch vier Tipps für Cardboard-Besitzer:

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Papp-VR-Brille: Vier App-Tipps fürs Cardboard

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Verglichen mit anderen Cardboards macht die Tchibo-Brille eine passable Figur. Positiv fällt auf, dass sich die Brille auch für größere Smartphones wie das Samsung Galaxy Note 4 und das iPhone 6 Plus eignet.

Ein wenig Klebestreifen gebraucht

Die Linsen der Brille haben eine akzeptable Größe und Qualität. Googles Cardboard-App erkannte das Gestell mit Tchibo-Logo als "Pop! Cardboard 2.0", das auch einzeln verkauft wird. Das Gestell bietet bikonvexe Linsen mit 25 Millimetern Durchmesser und 45 Millimetern Brennweite, Brillenträger können das Pappgestell wohl nur mit Kontaktlinsen oder ohne Brille benutzen. Die Brille selbst wiegt etwa 60 Gramm.

Die Schaumstoffpolsterung ist nett gemeint, aber recht dünn. Zusammenklappen lässt sich die Brille anfangs einfach, nur der Kleber des Bildtrenners hatte sich bei unserem Testexemplar abgelöst. An dieser Stelle mussten wir mit Klebestreifen nachhelfen.

Polsterung in Tchibo-Brille

Polsterung in Tchibo-Brille

Foto: SPIEGEL ONLINE

Bestellern der Brille liefert Tchibo einige Tipps für mögliche erste Apps, viel mehr aber nicht. Ein Gadget für völlige Smartphone-Neueinsteiger ist die Pappbrille daher nicht. Bei seinen ersten VR-Erfahrungen sollte man auf jeden Fall Kopfhörer verwenden, der Sound hat oft großen Einfluss auf das Präsenzgefühl.

Fazit zur Tchibo-Brille

Wie überzeugend man das Tchibo-Angebot findet, ist eine Frage der Erwartungen: Wer glaubt, ein 13-Euro-Pappgestell könne einem die selben Erfahrungen ermöglichen wie eine Gear VR oder eine Oculus Rift, den wird die Brille enttäuschen. Wer dagegen nur einen Handy-Aufsatz sucht, um etwa kurze 360-Grad-Videos zu schauen, für den reicht die Brille.

Ihr Preis ist akzeptabel: In der selben Preisklasse gibt es - etwa bei Online-Versandhändlern - aber auch viele weitere Cardboard-Varianten, die weniger wie ein Tchibo-Werbegeschenk aussehen. Tchibo-VR-Inhalte wie einen begehbaren Katalog gibt es bislang übrigens keine: Wirklich Mainstream ist VR dann eben doch noch nicht.