Technik-Trends E-Book-Boom erst in fünf Jahren?

Auch in Deutschland, prognostiziert eine bekannte Unternehmensberatung, werden sich E-Books mit einigen Jahren Verspätung durchsetzen. Doch das mag schneller geschehen, als die Berater denken: Bisher ließen Verlage und Handel den Erfolg der E-Books nicht zu. Doch das ändert sich gerade.


Frankfurt/Main - Das E-Book wird in Deutschland nach einer Studie nur langsam zum Erfolg. Für 2015 prognostiziert die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) für das elektronische Buch in der erzählenden Literatur einen Umsatzanteil von mehr als 350 Millionen Euro (6,3 Prozent) am Buchmarkt. Im laufenden Jahr dürfte der Umsatz in dieser Gattung (Belletristik) gerade mal bei 20 Millionen Euro liegen, heißt es in der Untersuchung nach Mitteilung von PwC am Montag in Frankfurt. Das läge prozentual noch unter dem Marktanteil, den E-Books in den USA bereits 2009 erreicht hatten.

"E-Books werden sich in Deutschland durchsetzen, wenn auch langsamer als in den USA oder Großbritannien." Noch sei Lesern in Deutschland das "haptische Erlebnis" - das Gefühl, ein Buch in den Händen zu haben - ausgesprochen wichtig. Elektronische Lesegeräte würden nicht als Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert, stellt die Studie fest.

Es fragt sich allerdings, von wem: Bisher gibt es in Deutschland nur wenige Leser, die überhaupt Erfahrungen mit elektronischen Lesegeräten haben. Selbst Amazons Kindle, das weltweit führende Lesegerät, ist in Deutschland bisher nur als US-Import zu haben. Wozu sollte ein Hersteller hierzulande auch in Vorlage gehen? E-Lesegeräte verkaufen sich nur, wenn es entsprechende "Software" gibt - lesenswerte Bücher. Das entsprechende Angebot in Deutschland aber ist bisher äußerst dürftig und völlig überteuert. Attraktiv sind E-Book-Reader somit bisher nur für Leser, die vornehmlich fremdsprachige Literatur lesen.

Trotzdem entdeckt PwC - wohl auch unter dem Eindruck des Erfolges der ebenfalls as E-lesegräte qualifizierten Tablet PC wie Apples iPad - auch in Deutschland mittlerweile ein Potential: Bis 2015 könnten hierzulande demnach rund 2,5 Millionen spezialisierte E-Reader verkauft werden. Voraussetzung sei aber, dass die Reader um wichtige Funktionen wie Farbdisplay und Internetzugang ergänzt und vor allem billiger würden, glauben die Berater. Derzeit seien E-Reader noch kaum bekannt. In einer für die Studie organisierten Konsumentenumfrage unter 1000 Befragten wussten nur 20 Prozent, was mit dem Begriff gemeint ist.

Neue Geräte verlangen nach Fütterung

E-Reader seien vor allem für Vielleser gedacht, heißt es weiter. Der Massenmarkt werde voraussichtlich den Tablet-PCs gehören, die aber nicht in erster Linie fürs Lesen gedacht seien. Der deutsche Buchhandel und die Verlage sollten nach Ansicht der Untersuchung Geschäftsmodelle für das digitale Buch erarbeiten. Andernfalls drohten internationale und sogar branchenfremde "Player" wie Amazon, Google oder Apple vorbeizuziehen, heißt es in der Studie weiter.

Die tritt nun in einen Wettbewerb mit den sich verändernden Realitäten des Marktes. Soeben wurde bekannt, dass das deutsche Unternehmen Txtr für den Elektronikriesen Asus E-Book-Angebote aufsetzen wird - auch in App-Form für mobile Tablet-Geräte. Für die Ifa sind die Vorstellungen einer ganzen Reihe neuer Lesegeräte avisiert. Einige davon werden in Kooperation mit Verlagen auf den Markt gebracht, zeitgleich kündigt sich an, dass große Handelsketten ihr Angebot an E-Books deutlich vergrößern werden.

Die nächsten Schübe sind dann für die Frankfurter Buchmesse und das Weihnachtsgeschäft zu erwarten - zuerst mit "Software", den die neuen Reader verlangen nach Fütterung, und dann mit einem Schwung an neuen Tablet PC zum Jahresende. In den USA brauchte der Markt zwei Jahre, um die Größe zu erreichen, die PwC Deutschland binnen sechs Jahren zutraut - und das ohne, dass damals Tablet PC oder große, preiswerte Lesegeräte in Umlauf gewesen wären. Da scheint es nicht unmöglich, dass am Ende die Konsumenten weit weniger skeptisch mit dem Thema umgehen werden als die Markt-Auguren.

pat/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Meckermann 30.08.2010
1. Kein Wunder...
Warum sollte ich auch ~100 Euro für ein Lesegerät für Bücher ausgeben, die ich ohne Gerät auch lesen kann? Sowas wird erst interessant, wenn es sich finanziell lohnt, oder wenn Bücher speziell für das neue Medium geschrieben werden, wenn zum Beispiel Hypertext, Videos etc. eingebunden werden...
Salatsauce 30.08.2010
2. Nö
Ein Buch was ich kaufe steht im Regel. Ich kann es lesen, verschenken, verkaufen, verbrennen,... was auch immer ich will. Ein E-Book gehört dem Verlag. Amazon hat in der Vergangenheit bewiesen, dass der Hersteller einfach so aus ner Laune heraus die Bücher löschen kann. Weiterverkauf? Unmöglich. Einem Kollogen etwas ausleihen? Nein. Der Preisvorteil müsste schon erheblich sein, damit ich E-Books kaufe. Den einzigen Vorteil sehe ich bei wissenschaftlichen Veröffentlichen in Kleinstauflagen. Da zahlt man im Moment problemlos Preise von 100 Euro, das könnte sich ändern.
oberhesse 30.08.2010
3. Begeisterter Leser
Ich habe seit etwa 4 Wochen einen Sony-Reader. Und ich bin überzeugt. Zum einen gibt es hunderte von Klassikern die frei von Rechten und zum Download bereitstehen. Zum anderen, ich nehme meine Bibliothek immer mit. Dutzende Bücher, und ich lese wozu ich gerade Lust habe, ohne einen Koffer voll Bücher mitzuschleppen. Akzeptabel, wenn mit Farbdisplay und Internetanschluss? Völliger Humbug. Welches klassische Buch ist farbig? Welches Buch hat einen Internetanschluss? Dass die Preise für ebooks noch zu hoch sind, nun das stimmt. sicher ist Lesen - egal wie - immer teurer als RTL gucken. Was zweifellos richtig ist, es braucht Futter für das Gerät, da könnte das Angebot und die Auswahl größer sein. Aber nicht für das Gerät als solches sondern als Speicher für mein Lesebedürfnis.
Bananenblatt 30.08.2010
4. eBooks funktionieren - wenn es Bücher gibt...
Ich habe seit etwa einem halben Jahr ein Sony eBook-Lesegerät und kann nur sagen: Es lohnt sich. Aber nur für nicht-deutschsprachige Bücher. Was das "Futter" angeht habe ich Glück: Als Computer-Fan gibt's natürlich für mein Hobby ein halbwegs vernünftiges Angebot. Wenigstens auf Englisch. Eckpfeiler des Erfolges - meiner Meinung nach: * Die englischen Computer-Verlage ersparen mir die Formatwahl: Wenn ich das eBook kaufe, bekomme ich es sowohl in einem Sony-verträglichen Format, in PC-freundlichem PDF und in einem Format für den Kindle. Bei deutschen Verlagen habe ich - wenn überhaupt - nur die Wahl zwischen PDF (für den PC) oder ePub für den Sony. Oder ich muß zweimal zahlen... * Es gibt innovative Einsteiger-Angebote, z.B. den "eBook Deal of the Day" oder so (bei Kauf direkt über den Verlag). Damit lohnt sich die Anschaffung eines Lesegerätes, ohne daß die Buchpreise nachhaltig kaputtgehen. Mit "normalen" Büchern würde das gar nicht gehen. * Eine andere Form eines Einsteigerangebotes: Papier+eBook zum Sonderpreis, oder Sonderpreis fürs eBook für Besitzer des Papier-Buches (oder umgekehrt). Es ist ja sowieso das gleiche Buch. * Es gibt innovative Buch-artige Produkte wie bspw. Bücher, die noch nicht "fertig" sind. Die Verlage nutzen diesen Kanal auch, um die Bücher besser am tatsächlichen Geschmack oder Bedarf der Leser auszurichten. (Geht natürlich nur bei Sachbüchern :-)) Dank solcher Angebote nehme ich bald 55 eBooks mit in den Urlaub. Und da die deutschen Verlage den Zug verpennt haben, stehen zwei deutsche bezahlte eBooks gegen 25 englische. Schade.
Osis, 31.08.2010
5.
Ich weiß nicht, wofür ich 55 Bücher im Urlaub brauche. und dann muss ich mir noch Sorgen machen das a) Strom da ist und b) mir das Ding keiner klaut. Also geht es wieder an den Strand mit nem Taschenbuch. Ich sehe aktuell keine Vorteile. Vor allem, weil wir in der Clique viele Bücher leihen und tauschen... Überflüssige werden öffentlich ausgesetzt... :-) E-Reader ist ein aktuell ein sauteures Nischenprodukt, was durch DRM und Formatchaos unatrrativ ist. Seit 5 jahren wird die E-Book-Sau alle zwei Monate durch das Forum hier gejagt...
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