»Verstöße gegen lokale Gesetze« Telegram sperrt einzelne Kanäle von Attila Hildmann

Die Betreiber der Chatplattform sind offenbar gegen mehrere Kanäle des rechtsextremen Coronaleugners vorgegangen. Statt Hetzbotschaften zeigt die App nun einen kurzen Hinweis an, doch die Sperre hat Grenzen.
Hildmann bei einer Rede im Juni 2020: »Dieser Kanal kann nicht angezeigt werden«

Hildmann bei einer Rede im Juni 2020: »Dieser Kanal kann nicht angezeigt werden«

Foto: STEFANIE LOOS / AFP

Mehrere Kanäle von Attila Hildmann sind in der Chat-App Telegram nicht mehr verfügbar. Wer die Kanäle des rechtsextremen Coronaleugners am Mittwochvormittag aufrufen will, bekommt einen englischsprachigen Hinweis zusehen: »Dieser Kanal kann nicht angezeigt werden, weil er gegen lokale Gesetze verstößt.« Insgesamt sind sieben Kanäle betroffen, die allerdings teilweise auch vorher schon auf privat geschaltet waren oder nur wenige Follower hatten.

Der Hinweis wird sowohl in der Desktop-Version von Telegram als auch am Handy in der App eingeblendet. Damit sind Hildmanns Inhalte in der Chat-App weitreichender eingeschränkt als durch eine Maßnahme im Juni des vergangenen Jahres. Damals wurden Hildmanns Inhalte lediglich in den Telegram-Apps blockiert. Wer hinter der Blockade steckte, ist nicht bekannt.

Nach SPIEGEL-Informationen sperrt Telegram die Kanäle momentan nur für deutsche Nutzerinnen und Nutzer. Ein anderer großer Telegram-Kanal, den Beobachter ebenfalls Hildmann zurechnen und über den Falschinformationen zur Impfung verbreitet werden, ist weiterhin online.

Experten von Cemas, einer Monitoring-Organisation für Extremismus, kritisieren Telegram in Bezug auf die Frage, welche Inhalte gelöscht werden und welche online bleiben: »Das Vorgehen war immer willkürlich.«

Im September des vergangenen Jahres hatte Telegram-Chef Pawel Durow erklärt, dass ein deutschsprachiger Kanal aus der Impfgegnerszene wegen Gewaltaufrufen gelöscht wurde. Gleichzeitig bleiben viele andere extremistische und gewaltverherrlichende Inhalte in der Chat-App weiterhin online. Auch Mordaufrufe gegen Wissenschaftler, Expertinnen und Politiker können immer wieder ungestört auf Telegram verbreitet werden. (Lesen Sie hier mehr über den Telegram-Chef und wie seine App zur Heimat von Extremisten werden konnte.)

Telegram wird deshalb schon lange von Extremismusforschern kritisiert. In den vergangenen Monaten haben deutsche Politikerinnen und Politiker den Druck auf die Betreiber erhöht. Anfang Februar kam es zu einem Gespräch zwischen Regierungsvertretern und Vertretern von Telegram.

hpp