Telekom-Störung BSI vermutet weltweiten Hackerangriff

Seit Sonntag klagen Hunderttausende Telekom-Kunden über Netzausfälle. Jetzt meldet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Den Problemen könnte eine weltweite Hackerattacke zugrunde liegen.
Telekom-Router

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Foto: Federico Gambarini/ dpa

Der Vorfall dürfte bisher einmalig sein: Seit Sonntagnachmittag haben Hunderttausende Festnetzkunden der Telekom mit Anschlussproblemen zu kämpfen. Der Konzern schien zunächst ratlos, konnte die Ursache für die Ausfälle nicht finden, gab nur den Rat, doch mal Internetrouter neu zu starten. Jetzt meldet sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu Wort. Dessen Experten zufolge habe es sich um einen gezielten Angriff gehandelt.

Dass die Probleme mit den Routern auf einen Hackerangriff zurückzuführen sein könnten, hatte zuvor auch die Telekom nicht ausgeschlossen. Allerdings hatte der Konzern angekündigt, es könne Tage dauern, bevor diesbezügliche Untersuchungen zu einem Ergebnis kommen.

Beim BSI ist das offenbar anders. Man ordne den Ausfall "einem weltweiten Angriff auf ausgewählte Fernverwaltungsports von DSL-Routern zu", heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesamts. Das Ziel der Angreifer sei es gewesen, die Geräte mit Schadsoftware zu infizieren.

Das Regierungsnetz hielt stand

Zudem seien die Angriffe auch in dem vom BSI geschützten Regierungsnetz registriert worden. Dort seien sie auf Grund funktionierender Schutzmaßnahmen jedoch folgenlos geblieben.

Über diesen Erfolg ist man offenbar sehr zufrieden. So erklärte BSI-Präsident Arne Schönbohm: "In dem am 9. November vorgestellten Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland haben wir auf die Gefahren durch Hackerangriffe insbesondere für kritische Infrastrukturen hingewiesen. In der Cyber-Sicherheitsstrategie wurden bereits geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Angriffen auf unsere digitale Infrastruktur beschlossen. Diese müssen nun wirken."

Entsprechend koordiniert nun das Nationale Cyber-Abwehrzentrum unter Federführung des BSI die Reaktion der Bundesbehörden auf die mutmaßliche Cyberattacke.

Kostenlose Tagespässe für Mobilfunkkunden

Seit Sonntagnachmittag klagten Kunden über den Ausfall ihrer Anschlüsse für Telefon, Internet und Fernsehen. Die Telekom tappte über Ursachen und mögliche Abhilfe lange im Dunkeln. Der einzige Rat, den man Betroffenen geben konnte, lautete, den Stecker zu ziehen, also den Internetrouter im Haus für einige Sekunden vom Stromnetz zu trennen und so einen Neustart zu erzwingen. In vielen Fällen soll das ausgereicht haben, um wieder eine Verbindung herzustellen.

Im Verlauf des Montags waren die Störungen weitgehend zurückgegangen. "Die eingespielten Patches und Softwareupdates greifen", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.

So sichern Sie Ihren Router

Die Grünen-Bundestagsfraktion kritisierte die Informationspolitik des Unternehmens. "Die Telekom lässt ihre Kunden mit dem Problem allein", sagte der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Bemühungen des Unternehmens, die Ausfälle zu beheben, schienen "bislang wenig koordiniert". Und die Ratschläge an die Kunden wirkten "hilflos".

Unterdessen bietet die Telekom betroffenen Kunden, die auch einen Mobilfunkvertrag bei dem Provider haben, einen kostenlosen Tages-Pass für den mobilen Internetzugang an. Kunden ohne Telekom-Mobilfunkvertrag könnten über die T-Punkte vor Ort Hilfe bekommen.

mak/dpa