Funklöcher schließen Mobilfunkbetreiber wollen gemeinsam Tausende Masten aufbauen

Die Telekom, Telefónica und Vodafone wollen bis zu 6000 neue Mobilfunkstandorte koordiniert aufbauen - und so Funklöcher in Deutschland schließen. 1&1 Drillisch ist eingeladen, sich zu beteiligen.

Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern
DPA

Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern


Es soll eine Allianz gegen "weiße Flecken" im Mobilfunk werden: Die Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone wollen bis zu 6000 neue Mobilfunkstandorte koordiniert aufbauen und nutzen, um Funklöcher schnellstmöglich zu schließen, wie sie am Montag mitteilten.

Die Firmen unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung. Ziel sei eine "bestmögliche mobile Breitbandversorgung" für die Kunden in ganz Deutschland, insbesondere auf dem Land und entlang der Verkehrswege auf Straßen, Schienen und Flüssen. Deren Versorgung war den Betreibern im Zuge der 5G-Frequenzauktion auferlegt worden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bezeichnete die geplante Kooperation als richtigen Schritt, um Funklöcher in Deutschland zu schließen. Davon würden insbesondere ländliche Regionen profitieren. "Damit wird verlässliches Telefonieren und Surfen endlich auf Autobahnen oder in Zügen möglich."

Klagen gegen 5G-Auflagen bleiben bestehen

Die angestrebte Zusammenarbeit soll den Betreibern zufolge dazu dienen, auf "wirtschaftlich tragbarem Weg" weitgehend Funklöcher in wenig besiedelten Regionen und entlang von Verkehrswegen zu schließen. Mit einem gemeinsamen Aufbau zusätzlicher Funkmasten und -türme sowie deren technischer Versorgung und Nutzung sollen "signifikant" Zeit und Kosten gespart werden.

Netzbetreiber hatten im Sommer insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro für die Frequenzen für den superschnellen neuen Mobilfunkstandard 5G bezahlt. Sie hatten danach kritisiert, es stehe nun zu wenig Geld für den Ausbau zur Verfügung. Bereits vor der Auktion hatten die Betreiber zudem gegen Auflagen geklagt - die laufenden Klagen sollen aufrechterhalten werden, hieß es am Montag.

Lesetipp aus dem Archiv

Geplant ist, dass die Firmen eine gleiche Anzahl neuer Standorte errichten, die dann von den Kooperationspartnern nach Bedarf zu gleichen Bedingungen genutzt und mit eigenen Antennen und Netztechnologie ausgerüstet werden können. Spätestens im Frühjahr 2020 sollen laut Erklärung die weiteren Details der Kooperation vertraglich festgelegt werden.

"Digitalklausur" der Bundesregierung im November

Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner nannte die Zusammenarbeit einen "Meilenstein" für den Netzausbau in Deutschland: "Infrastruktur zu teilen ist für uns nicht neu, in diesem Umfang aber ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung." Der Chef von Telefónica Deutschland, Markus Haas, wird mit den Worten zitiert: "Gemeinsam werden wir Deutschland bei der Digitalisierung einen bedeutenden Schritt voranbringen." Der Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, sagte, von der Allianz sollten Hunderttausende profitieren.

Weiter hieß es, der Netzbetreiber 1&1 Drillisch sei eingeladen, sich an dem "kooperativen Netzausbau" zu beteiligen. "Voraussetzung ist die Bereitschaft, in gleichem Umfang am Ausbau mitzuwirken." Ein Sprecher des Mutterkonzerns von 1&1 Drillisch, United Internet, sagte: "Die drei anderen Netzbetreiber haben uns über ihre Pläne informiert und die grundsätzliche Einladung ausgesprochen, uns zu beteiligen. Die Details sollen uns kurzfristig zukommen, anschließend werden wir über eine Beteiligung entscheiden."

Minister Scheuer hatte vor kurzem Eckpunkte für eine Mobilfunkstrategie vorgelegt, die bei einer "Digitalklausur" der Bundesregierung am 17. und 18. November erarbeitet werden soll. Ziel ist es, dass Deutschland beim Mobilfunk eine "internationale Spitzenposition" auf Basis einer flächendeckenden 4G-Versorgung erreicht. Damit soll auch eine wichtige Voraussetzung für den 5G-Ausbau geschaffen werden.

Dabei soll es zentral um die Versorgung von Orten gehen, die ohne staatliche Hilfe auf längere Sicht keine Perspektive für ein Mobilfunknetz hätten. Die Regierung kündigte bereits an, dazu eine Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft gründen zu wollen, die - wenn nötig - selbst Aufträge vergeben soll.

pbe/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
trainerpapa 11.11.2019
1. Begeisterung klingt anders...
ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung...kostet zwar wahrscheinlich uns alle etwas...bringt aber viel...wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist kenn das Problem...wie ich auch beruflich freut man sich...liebe 1&1: Begeisterung klingt anders...wollen wir hoffen, dass der Ausbau im Zweifel auch ohne 1&1 stattfindet...
reitlehrer 11.11.2019
2. Da bleibt mir nur die Frage:
Wieso erst jetzt?
Titanus 11.11.2019
3. Hohe Lizenzgebühren
Prinzipiell wäre es besser, wenn der Staat nicht die Telekommunikationsanbieter mit den hohen Lizenzabgaben (für die verschiedenen Mobilfunkstandards) abzocken würde (die schlussendlich der Endnutzer zahlen muss), sondern eher die Betreiber verpflichtet, eine ordentliche Infrastruktur zu schaffen. Oder der Staat betreibt die physische Infrastruktur und die Anbieter können sich Lizenzen kaufen, diese zu nutzen (wie beim Schienennetz z. B.). Bei Netzversorgung (z. B. auch Energie, Wasser, Straßen- und Schienenwege etc.) ist nicht immer der freie Markt besser, sondern evtl. sogar öffentliche Betreiber (siehe Stadtwerke).
Wer_auch_immer 11.11.2019
4. Alleine der Satz ...
Zitat "Ziel ist es, dass Deutschland beim Mobilfunk eine "internationale Spitzenposition" auf Basis einer flächendeckenden 4G-Versorgung erreicht." Das ist echt lächerlich.
Ahimsa 11.11.2019
5. Den schädlichen Mobilfunkwellen entkommt man also nirgends mehr
Es ist wirklich sehr traurig, dass die Menschheit sich in Richtung totale Abhängigkeit von der Technik entwickelt und dazu die schädlichen Einwirkungen des Mobilfunks einfach so in Kauf nimmt. Ich freu mich auf den Tag, an dem das technische System zusammen bricht (ein großflächiger Stromausfall über mehrere Tage reicht da aus). Dann wird klar werden, was man da angestellt hat.
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