InternetAWACS Hacker versucht Krisen-Vorhersage per PC

Terroranschläge und Gewalttaten vorherzusagen ist eine beliebte Vision von Sicherheitskräften. Ein US-Hacker versucht sich an der Gefahrenanalyse mit künstlicher Intelligenz.
InternetAWACS Screenshot

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Der Blick auf die "Trends" bei Google, Twitter und Facebook verrät, was gerade in der Welt passiert. Aber lassen sich aus dem Informationsdauerfeuer im Netz nicht sogar Vorhersagen für die Zukunft treffen? Gewaltausbrüche oder Terroranschläge zum Beispiel? Ein amerikanischer Hacker, der sich selbst Jester nennt, hat mit "InternetAWACS" eine Seite ins Web gestellt, die genau das versucht.

Jester, der eine Website  betreibt, ist in US-Medien recht oft vertreten und absolvierte kürzlich einen Gastauftritt in der TV-Serie "Mr. Robot" - ohne dabei das Geheimnis um seine wahre Identität zu lüften. Jester bezeichnet sich selbst als Cyber-Bürgerwehr.

In den vergangenen Jahren hat er mit "patriotischen" Aktivitäten im Netz von sich reden gemacht , die eines gemeinsam haben: Sein Angriffsziel waren stets "Feinde der USA", von "WikiLeaks" bis zum "Islamischen Staat".

Auch das "InternetAWACS" hat den IS im Visier, jedenfalls in einer der vorkonfigurierten Einstellungen. Darin soll der Algorithmus Social-Media-Konversationen von Islamisten entdecken und auf der Karte lokalisieren - der Name der Konfiguration, "Dronebait" (Drohnenköder) macht deutlich, mit welchem Hintergedanken.

Zwei andere Konfigurationen heißen "ActiveShooter" (Amoklauf/Anschlag) und "Major Incident"  (ernsthaftes Vorkommnis): Hier sucht der Algorithmus den globalen Tweet-Strom nach entsprechenden Schlüsselworten oder Hashtags ab und kann so recht genau lokalisieren, von welchen Orten man sich gerade besser fernhält oder wo Sicherheitskräfte aufkreuzen sollten - alles im Idealfall, bevor entsprechende Meldungen oder Warnungen über die klassischen Medien verbreitet werden.

Aber eigentlich schwebt Jester noch viel mehr vor, erläutert er im Interview mit der "Washington Post" : Irgendwann soll das InternetAWACS Anschläge vorhersagen können; und zwar mithilfe von künstlicher Intelligenz.

Erste Gehversuche

Eine Mini-Portion "KI" ist schon jetzt eingebaut - die Website kann den IBM-Supercomputer "Watson" anzapfen. Genauer gesagt, den "Personality Insights Service" ; den 2015 vorgestellten Algorithmus, der einen Text analysiert und daraus eine Persönlichkeitsanalyse des Verfassers erstellt.

Die Idee ist: Wer Tweets schreibt, in denen Worte wie "Bombe" oder "Krieg" vorkommen und zudem einen "neurotischen" Charakter hat, der ist möglicherweise ein potenzieller Attentäter. Momentan handelt es sich aber nur um Visionen: Sowohl die Watson-Funktion, wie auch andere Ansätze, aus Social-Media-Quellen sicherheitsrelevante Vorhersagen  ableiten zu wollen, sind nicht viel mehr als erste Gehversuche.

So sieht InternetAWACS aus

Einer, der es wissen muss, ist David Laqua vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS: Er gehört zu den Entwicklern von "Newsstream" , einem Tool, das ebenfalls Social-Media-Kanäle auf der Suche nach brauchbarer Information durchforstet - in diesem Fall nicht für Behörden, sondern als Recherchehilfe für Journalisten.

Ein neues, trendiges Thema oder Ereignis lässt sich in Tweets ganz gut erkennen und auch lokalisieren. So sieht es auch Laqua. Aber um komplexere Inhalte zu analysieren, seien die Botschaften meist schlicht zu kurz. Wer nicht Bots auf den Leim gehen will, der beschränkt sich von vornherein auf authentifizierte Accounts - und außerdem wird viel Rechenkraft und Arbeitsspeicher benötigt, ein leistungsfähiges Cloud-System etwa.

So etwas ist auch für Privatanwender, Hacker oder selbsternannte Cybercops verfügbar, aber sehr kostspielig. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die "handgestrickte" Lösung InternetAWACS bislang nicht im Dauerbetrieb läuft. Ob man sich das allerdings überhaupt wünschen sollte, ist außerdem die Frage: Wenn halbgare Algorithmen und vorschnelle Interpretationen dazu führen, dass "Vigilanten"  Selbstjustiz üben; zunächst virtuell, irgendwann vielleicht auch im realen Leben, dann ist das eher keine rosige Zukunftsvision.

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