Testballon eBay Amerika experimentiert mit Musik-Downloads

Das Auktionshaus eBay verkauft alles, was nicht niet- und nagelfest ist - und künftig auch Bits und Bytes. Für mindestens sechs Monate will eBay in den USA einen Musikdownloaddienst erproben. Ob es danach weiter geht, entscheidet der Markterfolg.

eBay, die weltweit größte Auktionsplattform, gehört nicht zu den "Vorpreschern", wenn es darum geht, neue Businesskonzepte einzuführen. Der US-Konzern brummt, wie sonst kaum ein E-Commerce-Unternehmen, verlässt sich dabei aber gern auf erprobte Geschäftsfelder.

Und das ist eigentlich die Auktion: eBay ist kein Anbieter von Waren, sondern eine Art Kontaktmakler zwischen Käufern und Verkäufern.

Wahrscheinlich deshalb gehörte eBay nicht zu den ersten großen Web-Marken, die den Sprung ins Haifischbecken der Online-Musikvermarktung wagten. Zu aufwendig die komplizierten Verhandlungen mit den diversen Rechteinhabern, bis ein legales Angebot wirklich an den Start gehen kann. Die Musikindustrie ist notorisch bekannt dafür, sich beim Thema Downloads selbst auf den Füßen zu stehen (und hoffnungsvolle potenzielle Handelspartner in den Wahnsinn zu treiben).

Doch das Abklären der Rahmenbedingungen haben inzwischen ja andere besorgt. Seit dem Überraschungserfolg von Apples iTunes-Service zeichnet sich ab, dass mit Musikdownloads echte Dollars zu verdienen wären. Diverse Unternehmen folgten Apple, inzwischen gibt es marktübliche Konditionen für solche Dienste, und weltweit hebt die Musikindustrie Vertriebssysteme aus der Taufe, die für die Befütterung der Angebote und die Abklärung der Lizenzen sorgen.

Nun hält eBay die Zeit offenbar für reif, zumindest einen Versuch zu wagen: Für eine zunächst auf sechs Monate begrenzte Laufzeit schuf eBay Amerika am Donnerstag eine "Digital Downloads" genannte neue Verkaufskategorie, die bisher allerdings völlig leer im virtuellen Raum steht.

Das aber liegt daran, dass eBay sich selbst treu bleibt: Die eBay-eigene Downloadplattform fügt sich nahtlos in das Angebot ein. eBay selbst will nicht als Anbieter der Ware auftreten, sondern wieder als Tantiemen kassierender Mittler zwischen Anbieter und Kunden. Die Anbieter aber sind noch nicht so weit, sollen aber in den nächsten Tagen aktiv werden.

Wie bei einer Auktion wird eBay also die Downloads anderer Firmen anbieten - als Partner sollen einer "kleinen Handvoll" bisher nicht näher bezeichneter Labels an Bord sein: eBay macht sich damit zum Makler für den "Lagerverkauf".

Dienstleister, nicht Anbieter

Auch in das Pricing mischt sich eBay nicht ein, sondern überlässt es den Anbietern, ob sie ihre Waren eBay-typisch versteigern wollen oder zum Festpreis verkaufen.

Wahrscheinlicher ist letzteres, vor allem auch, weil eBay auf den Vollständigkeitsanspruch anderer Musikanbieter völlig verzichtet. Ausdrücklich bezeichnet es die Unternehmenskommunikation als "Chance für Garagenbands ohne Plattenvertrag" oder für Indy-Labels, die über die großen Downloadbörsen nicht oder nicht hinreichend gefeatured werden.

Worauf eBay allerdings auch verzichtet ist ein "redaktioneller Rahmen" für das Musikangebot. Das aber wird bei den anderen Börsen als A und O gesehen: Verkauft wird die Ware, indem sie poppig-peppig attraktiv "serviert" wird. Wie etwa eBay-Käufer auf die "Garagenbands ohne Vertrag" überhaupt aufmerksam werden sollen, ist bisher nicht klar.

Die können allerdings für die eigene Promotion sorgen und auf den Download bei eBay verweisen - und hätten damit einen Partner an der Hand, der für sie die Einleitung des Inkassoverfahrens einleitet. Ähnlich funktionieren etwa auch Musikpromotion und Verkauf bei MP3.com. Über eine technische Infrastruktur für solche Zwecke verfügt eBay fraglos - und bietet Käufern wie Verkäufern bei ihrer Transaktion miteinander die nötige Grundsicherheit, dass diese auch ordentlich vonstatten geht.

Ob eBay das Modell nach Ablauf der sechs Monate weiterführen und eventuell sogar ausdehnen wird, entscheidet sich am Ende wie immer bei eBay: über den Markterfolg.

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