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Geschlechterdebatte auf TikTok Warum Frauen lieber auf einen Bären treffen würden als auf einen Mann

Bei TikTok wird mit einem ungewöhnlichen Vergleich auf das Unsicherheitsgefühl von Frauen aufmerksam gemacht. Der Initiator wollte Männer zur Reflexion bewegen, indem er sie mit Raubtieren vergleicht.
Ein Bär im Wald – bedrohlicher als Männer in ihrem Habitat?

Ein Bär im Wald – bedrohlicher als Männer in ihrem Habitat?

Foto:

Lauri Tammik / 500px Prime / Getty Images

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Hand aufs Herz, wem würden Sie lieber allein im Wald begegnen: einem Mann oder einem Bären?

Wie unrealistisch diese Frage auch klingt, seit Wochen wird sie bei TikTok diskutiert. In einem aktuellen Video antworten sieben von acht befragten Frauen, dass sie die Begegnung mit einem Bären bevorzugen. »Obwohl es schrecklich ist, das zu sagen«, wie eine der Frauen betont.

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Die Kommentare unter dem Video sind noch etwas deutlicher: »Man weiß, was man von einem Bären zu erwarten hat«, kommentiert ein Nutzer. Eine andere Nutzerin schreibt: »Man würde mir glauben, wenn mich ein Bär attackieren würde.«

Wer bei TikTok auf den Trend stößt, dem dürfte schnell klar werden, worum es wirklich geht. Es geht um Gewalt an Frauen, um ihr Sicherheitsverständnis im öffentlichen Raum.

Der Bär als Metapher

Dennoch ist in den Kommentaren unter den Videos bei TikTok auch viel Unverständnis zu lesen. Vor allem von – zumindest den Nutzernamen nach zu urteilen – Männern geschrieben. »Meinen die das ernst?«, fragt einer, und versteht offenbar den Kern der Debatte nicht so richtig.

Auf TikTok werden immer wieder Missstände thematisiert

Auf TikTok werden immer wieder Missstände thematisiert

Foto: Mykhailo Lukashuk / Tetra images RF / Getty Images

Bären sind Raubtiere. Im vergangenen Jahr tötete ein Bär im norditalienischen Trentino einen Jogger, in Japan sind Vorfälle so häufig, dass nun Warnsysteme eingerichtet werden.

Doch darum geht es in der Debatte gar nicht. Die Zuspitzung soll zeigen: Männer können eine Gefahr für Frauen darstellen. Und – noch wichtiger in diesem Kontext: Die Gefahr durch Männer ist für viele Frauen alltäglich. Das zeigen etwa die Statistiken im Lagebild des Bundeskriminalamts zu häuslicher Gewalt :

  • Fast alle zwei Minuten wird ein Mensch Opfer von häuslicher Gewalt, in mehr als 70 Prozent der Fälle handelt es sich bei den Opfern um Frauen.

  • Jede Stunde erleben mehr als 14 Frauen Gewalt in ihrer Partnerschaft.

  • Fast täglich versucht ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten.

»Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern ein gravierendes Problem in allen gesellschaftlichen Gruppen«, hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser zu der Veröffentlichung der jüngsten Erhebung im vergangenen Jahr erklärt.

Andere Übergriffe auf Frauen sind in dieser Statistik noch nicht einmal berücksichtigt. Ganz zu schweigen von sexuellen Belästigungen wie Catcalling, die zudem zu einem Unsicherheitsgefühl bei Frauen beitragen.

Gesellschaftliche Debatte beabsichtigt

Der Influencer »Call Me BK« hatte den Trend auf TikTok ausgelöst. Einige seiner Freundinnen und Freunde seien Misandristen, sagt »Call Me BK« in dem Video aus dem März . Misandrie beschreibt analog zur Misogynie die Abneigung gegenüber Männern.

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»Aber sie hassen einzelne Männer nicht ohne Grund. Sie hassen das Konzept des Mannseins, was die Gesellschaft aus ihnen gemacht hat. Sie haben Angst vor Männern«, erklärt der Influencer. Und dann sagt er etwas, was nicht mehr einzuholen war: »Wenn man allein im Wald ist, ist es zehnmal angsteinflößender, einen Mann zu sehen als einen Bären.«

Bereits dieses Video polarisierte – so sehr, dass »Call Me BK« Erklärungen nachreicht. Er habe vorher schon gewusst, dass sich Frauen eher für den Bären entscheiden würden. Sein Ziel sei gewesen, dass Männer reflektieren, warum die Welt für Frauen so anders erscheint, dass sie spontan eine Begegnung mit einem Bären bevorzugen würden.