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Nach Angriff auf Kamerahersteller Verkada USA klagen Schweizer Hackerin an

Der Aktivistin Tillie Kottmann werden mehr als hundert Dateneinbrüche vorgeworfen. Zuletzt erregte die Schweizerin Aufsehen mit dem Hack bei einem US-Hersteller von Sicherheitskameras. Nun droht ihr eine lange Haftstrafe.
Screenshot der Website git.rip: Beschlagnahmt vom FBI

Screenshot der Website git.rip: Beschlagnahmt vom FBI

Foto: git.rip

In einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft  des US-Bundesstaats Washington werden der Schweizer Hackerin Tillie Kottmann »Verschwörung, Telekommunikationsbetrug und schwerer Identitätsdiebstahl« vorgeworfen. Kottmann, »auch bekannt als ›deletescape‹ und ›tillie crimew‹«, soll seit 2019 in fremde Computer eingedrungen sein und dabei »Identitäten und Daten gestohlen« haben. Sie sei 2020 erstmals angeklagt und an ihrem Wohnort in Luzern über die neuerlichen Anschuldigungen informiert worden.

Konkret wird ihr vorgeworfen, bis März 2021 »Dutzende Firmen und staatliche Einrichtungen« gehackt zu haben und dabei in mehr als hundert Fällen vertrauliche Daten und Informationen veröffentlicht und zum Download bereitgestellt zu haben.

Schlagzeilen machte Kottmann zuletzt durch einen Leak von Aufnahmen des US-Kameraherstellers Verkada, dessen Sicherheitskameras in den USA von staatlichen Einrichtungen, aber auch vom Autohersteller Tesla genutzt werden.

Kottmann hatte US-Medien mehrere Gigabyte Videoaufzeichnungen dieser Kameras übermittelt. Dem TV-Sender CBS sagte Kottmann damals , ihre als APT-69420 bezeichnete Hackergruppe habe die Zugangsdaten zu den Servern des Unternehmens auf einem offen über das Internet erreichbaren Server entdeckt.

Hausdurchsuchung in Luzern

Kottmann, die sich selbst als nicht binär bezeichnet  und als Frau lebt, sagte dem CBS-Reporter, dass es ihr bei solchen Aktionen nicht ums Geld gehe, sondern um eine bessere Welt, und dass sie »Spaß dabei haben will, dafür zu kämpfen «. Nach den Konsequenzen des Verkada-Hacks gefragt, erklärte sie: »Vielleicht sollte ich ein wenig paranoider sein, aber was würde das ändern?«

Zwei Tage später führte die Schweizer Polizei bei Kottmann eine Hausdurchsuchung durch, beschlagnahmte dabei laut »Bloomberg«  mehrere elektronische Geräte. Der Durchsuchungsbeschluss bezog sich demnach allerdings nicht auf den Verkada-Hack, sondern auf ein anderes Verfahren der Staatsanwaltschaft Washington gegen Kottmann. Es geht um eine Untersuchung zum »Eindringen in Computerdatenbanken und der darauffolgenden Verbreitung von Informationen wie Quellcodes, vertraulichen Dokumenten und internen Nutzerdaten«.

Bis zu 20 Jahre Gefängnis

Die Website git.rip, über die Kottmann und andere Mitglieder ihrer Hackergruppe Daten aus ihren Hacks verbreitet haben sollen, hat das FBI beschlagnahmt. Wer sie aufruft, sieht nur einen Warnhinweis der Ermittlungsbehörde.

Nach Ansicht der stellvertretenden Bundesstaatsanwältin von Washington, Tessa M. Gorman, sei das Vorgehen der Aktivisten nicht durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. »Der Diebstahl von Zugangsdaten und Daten sowie die Veröffentlichung von Quellcode und geschützten und sensiblen Informationen im Internet ist keine geschützte Meinungsäußerung – es ist Diebstahl und Betrug«, so die Staatsanwältin. »Sich in ein vermeintlich altruistisches Motiv zu hüllen, beseitigt nicht den kriminellen Geruch eines solchen Eindringens, Diebstahls und Betrugs.«

Sollte es eines Tages zu einer Verurteilung kommen, drohen Kottmann in den USA Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren.

mak