Campus Party Berlin Freiheit statt Freibier

Höhepunkt der Campus Party in Berlin: Als Stargast hält Tim Berners-Lee eine Rede. Der Erfinder des World Wide Web spricht über ein dezentrales Netz, Bezahlmodelle und andere komplexe Themen - in sehr simplen Sätzen.
Von Hakan Tanriverdi
Der Erfinder des World Wide Web: Sir Tim Berners-Lee in Berlin

Der Erfinder des World Wide Web: Sir Tim Berners-Lee in Berlin

Foto: dapd

Die Menschen sind aufgeregt: "Ich werde mir nie wieder die Augen waschen" , twittern sie, oder "Ich werde gleich Tim Berners-Lee zuhören. Ich kann als glückliche Frau sterben" . Und Berners-Lee weiß, wie er sein Publikum begeistern kann. Einen langen Applaus wartet er ab, dann beginnt er zu sprechen: "Nur weil ihr den Computer benutzt, seid ihr keine Gefahr. Ihr seid die Hoffnung für alle." Das hört man gern, hier auf der Campus Party  in Berlin.

Hier ist heute der Stargast angekommen, Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web. Er möchte über die Seele des Internets sprechen. Freier Zugang für alle, ein dezentrales Netz, offene Systeme, Anonymität, Bezahlmodelle - all das gehört zu dieser Seele, und Berners-Lee will über alle diese großen Themen sprechen. In einer Stunde und 30 Minuten.

Er hat eine klare Vorstellung davon, wie das Internet aufgebaut sein müsste. Und diese Gedanken würde er gerne in die Köpfe seiner Zuhörer einpflanzen, wie er sagt. Jeder einzupflanzende Gedanke ist daran zu erkennen, dass der jeweilige Satz das Zauberwort enthält: Spirit. Seele. Das klingt dann so: "Wenn ihr etwas entwickelt, sorgt dafür, dass es dezentralisiert ist. Das ist die Seele des Internets." Die Köpfe nicken, die Idee ist drin. Vielleicht.

Hier in Berlin auf der Campus Party, wo die meiste Zeit über ein heilloses Gewusel herrscht, weil immer irgendwo eine Veranstaltung zu Ende ist und geklatscht wird, spricht jetzt nur Tim Berners-Lee. Die tausend Stühle sind besetzt, die Menschen nehmen auf dem Boden Platz oder bleiben stehen.  Seine Rede stellt einen organisatorischen Höhepunkt dar. Aber er wird nichts Neues erzählen. Das Publikum wird ihn trotzdem lieben.

"Was heute Facebook ist, war früher Microsoft"

Wenn Berners-Lee über ein Thema spricht, dann reißt er es nur kurz an und beendet es mit einer lustigen Pointe. Klar müsse irgendjemand die ganzen Inhalte im Netz bezahlen, man müsse den kreativen Menschen Geld geben und dafür sorgen, dass ihre Produkte frei zugänglich sein für alle. "Frei wie in Freiheit, nicht frei wie in Freibier." Wie genau das funktionieren könnte, muss jemand anderes klären. Große Teile der Menschheit hätten gar keinen Zugang zum Internet. Dabei sollten alle ihn bekommen, das gehöre auch zur Seele des Internets. In der Art geht es weiter. Das Publikum hört lange nicht auf zu klatschen.

Was er von Facebook halte, fragt ein Zuhörer. Tim Berners-Lee lässt sich Zeit mit der Antwort, dann sprudelt er los. Was heute Facebook ist, sei früher Microsoft gewesen und dann Google. "Das Web funktioniert über Innovation, jeder kann einen neuen Dienst entwickeln und damit Erfolg haben.". Alles ist simpel an diesem Vortrag. Und passt damit zu Tim Berners-Lee. Auf die Frage, was er ändern würde, wenn er heute das WWW noch mal erfinden würde, sagte er seinerzeit: Die zwei Schrägstriche nach "http://" weglassen. "http:" hätte völlig ausgereicht. Man muss es simpel halten.

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