Tödliche Spiele Clive Barkers "Undying"

Clive Barker ist der Meister des gepflegten Horrors. Bücher und Filme hat er bereits gemacht, jetzt will er Gamer das Gruseln lehren. Wie schrecklich ist die PC-Versoftung seiner düsteren Visionen?

Von Richard Löwenstein


[M] id Software

Ins Gerede gekommen ist der 1952 in Liverpool geborene Schriftsteller vor allem durch seine Bücher des Blutes und seine Exkurse ins Filmische: Bei "Hellraiser" schrieb er Buch und führte Regie, der Streifen gilt unter Kennern als einer der Meilensteine des Genres. Plumper Splatter zählt nicht zu den Mitteln, mit denen er sein Publikum in den Bann zieht, er liebt es ein wenig subtiler.

Clive Barker (M.) berät sich mit dem Entwickler-Team
Löwenstein

Clive Barker (M.) berät sich mit dem Entwickler-Team

Klar ist aber auch: Wenn die Untoten ab Mitte März aus ihren Gräbern klettern und PC-Spielern nachsteigen, dann wird das kein Ringelpietz mehr wie beim bisher einzigen Computergame, das mit seinem Namen Werbung für sich machte: "Nightbreed" hieß das seichte Actionabenteuer, dass sich auf Barkers Roman "Cabal" berief, ohne ansatzweise dessen Spannungsdichte zu erreichen.

Und diesmal? Wieder nur ein großer Name für einen gruselfreien Langweiler? Wie viel Einfluss nimmt Clive Barker auf die Entstehung "seines" Action-Games? Wir haben den obersten Spieleschaffenden aus den kalifornischen Dreamworks Studios befragt: Dell Siefert, seines Zeichens Projektleiter für Clive Barker's "Undying".

SPIEGEL ONLINE: Sie werben für ihr Spiel "Undying" mit dem Namen des Schriftstellers Clive Barker. Hat der mit der Produktion überhaupt etwas zu tun?

Dell Siefert: Sowieso. Er leistet seinen Beitrag zu jedem Element des Spiels und trifft sich regelmäßig mit uns. Er erfindet für uns Story und Figuren.

SPIEGEL ONLINE: Warum leitet er die Arbeiten dann nicht gleich selbst?

Dell Siefert: Einmal, weil das viel technisches und fachliches Know-how voraussetzt. Es dauert ewig, sich das zu erarbeiten. Außerdem das Zeitproblem: Die Entwicklung eines Spiels dauert locker zwei Jahre. Man muss sich dem Job mit Haut und Haaren verschreiben.

Wo Barker drauf steht, soll auch Blut fließen
Löwenstein

Wo Barker drauf steht, soll auch Blut fließen

SPIEGEL ONLINE: Können sie kurz schildern, worum es geht?

Dell Siefert: Alles beginnt in Irland um 1920 herum. Der Spieler mimt den Geisterjäger Patrick Galloway und wird gleich zu Beginn von seinem Zögling Jeremiah zur Hilfe gerufen: Seine vier Zombie-Brüder wollen ihn ins Grab holen und so den Totenkönig und sein Dämonenheer beschwören. Um Jeremiah zu retten, muss Patrick fünf Aufgaben bewältigen und den Endgegner besiegen.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat man sich das vorzustellen? Mit Knoblauchpatronen Vampire killen, kopflose Blutaction also?

Dell Siefert: Klar, vor allem geht's um den Einsatz von magischen Waffen und Revolvern, Molotow-Cocktails oder Sensen. Was auch sonst, schließlich greifen Höllenhunde, Dämonen, Zombies und gewaltige Untote an! Einen stupiden Shooter machen wir aber nicht. Die Waffen müssen mit Köpfchen benutzt werden, schon weil sie so vielseitig einsetzbar sind. Einige können dem Spieler Dinge zeigen, die das bloße Auge nicht sieht. Die Vergangenheit oder Dämonen zum Beispiel. Für uns ein tolles Stilmittel, mit dem wir schöne Blenden machen und die Handlung erzählen können.

SPIEGEL ONLINE: Können sie die Atmosphäre beschreiben?

Dell Siefert: Der Spieler sieht alles mit den Augen des Helden. Alles ist dunkel und düster, sehr Furcht einflößend. Jede Welt hat ihren eigenen Look, teils realistisch, teils phantastisch. Wir legen Wert auf Grafikdetails, das Szenario soll lebendig wirken. Spinnweben fangen den Wind ein und blähen sich auf, Kerzen flackern und verglühen. Und es gibt ein paar tolle Schockeffekte!

SPIEGEL ONLINE: Klingt, als könne einem das Blut in den Adern gefrieren. Beschwören sie da keinen Konflikt mit den Zensurbehörden herbei?

Dell Siefert: So etwas gibt es bei uns in den USA nicht. Aber ja, das Spiel wird bei wohl auch bei uns als "M" eingestuft werden. Es ist nur für "Mature Audiences", sprich erwachsenes Publikum geeignet.

Last not least zwei Surftips: Hinter der Adresse www.undying.ea.com verbirgt sich die sehr stimmungsvolle, wenn auch leider nur englischsprachige Site zum Spiel.
Eine weitere empfehlenswerte Webadresse ist saturn.spaceports.com/~composer. Hier hat Obermusikant Bill Brown einige Kostproben seiner Balladen abgelegt, die im Spiel die Atmosphäre verdichten sollen.

Siehe auch: "Debatte: Blutdurst - Ego-Shooter zwischen Sport und Killertraining"



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