Tödliches Schwertgerangel Gamer-Mörder bekommt lebenslänglich

Ein passionierter Online-Spieler aus Shanghai muss lebenslang hinter Gitter, weil er einen Gamerkollegen erstochen hat. Dieser hatte ein ausgeliehenes virtuelles Schwert ohne Erlaubnis des nun verurteilten Besitzers verkauft.


Spiel Everquest: Streit um virtuelle Waren immer häufiger

Spiel Everquest: Streit um virtuelle Waren immer häufiger

Die Mordgeschichte aus der Welt der Onlinespiele ist bizarr. Sie zeigt jedoch, welchen Stellenwert virtuelle Güter mittlerweile haben - zumindest in China. Qiu Chengwei, ein 41-jähriger Mann aus Shanghai, hat seinem Bekannten Zhu Caoyuan mit einem Messer in die Brust gestochen, weil der sein virtuelles Schwert verkauft hatte.

Den "Dragon Sabre" aus dem Online-Fantasyspiel "Legend of Mir III" hatte Qiu gemeinsam mit einem Freund erspielt. Zhu hatte sich das Pixelschwert von Qiu ausgeliehen und es dann online für umgerechnet etwa 680 Euro verkauft.

Qiu meldete den Vorfall als "Diebstahl" bei der Polizei, aber die informierte ihn darüber, dass virtuelle Objekte nicht vom chinesischen Gesetz geschützt werden. Obwohl Zhu anschließend versprach, das Geld zu ersetzen, erstach ihn Qiu in einem Wutanfall, nur um sich kurz darauf der Polizei zu stellen. Er habe nie die Absicht gehabt, den Mann zu töten, sagte er später.

Nun hat ihn ein Gericht in Peking zum Tode verurteilt. Weil gleichzeitig ein Vollstreckungsaufschub verfügt wurde, kommt Qiu wohl mit dem Leben davon, muss aber lebenslang hinter Gitter. Bei guter Führung habe er die Chance, nach 15 Jahren freizukommen, berichtete die Zeitung "China Daily".

Die Mutter des erstochenen Spielers will gegen das Urteil in Revision gehen: "Mein Sohn war 26, als er starb." Er habe geschlafen, als der Mörder in seine Wohnung eingedrungen sei und nicht mal Zeit gehabt sich anzuziehen. "Wir wollen, dass Qiu sterben muss, sofort."

Onlinespiele erleben in China einen gewaltigen Boom, immer häufiger kommt es auch zum Streit über virtuelle Güter. Spielebetreiber in der Hochburg Shanghai planen mittlerweile eine Art Schlichtungsstelle für Eigentumsquerelen. "Wenn ein Cyberwaffen-Diebstahl stattfindet, können sich die Spieler an einen Operator wenden, der das Problem dann den Umständen entsprechend regeln wird", sagte ein Sprecher der neu gegründeten Organisation der Zeitung "China Daily".

Mit virtuellem Spielezubehör wird schon seit längerem schwunghafter Handel getrieben. Schwerter, Goldmünzen, Charaktere - all das verticken Gamer im Netz an Mitspieler, die keine Lust haben, sich die Sachen in stundenlangen Sessions am Monitor selbst zu erspielen. Spezielle Auktionshäuser vermitteln zwischen Käufern und Verkäufern und arrangieren die Treffpunkte für die Warenübergabe im virtuellen Raum. Der Ökonom Edward Castronova von der Indiana University schätzt, dass dabei mittlerweile pro Jahr rund 800 Millionen Dollar umgesetzt werden. Selbst der Branchenriese Sony hat das gewaltige Geschäftpotenzial erkannt und will noch in diesem Monat eine eigene Auktionsplattform für Everquest-Waren starten.



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