"Top oder Flop" Blogger mobben SchülerVZ

Eine neue Funktion von SchülerVZ sorgt für Ärger. Die Schüler können abstimmen, welcher ihrer Freunde "Top" und wer "Flop" ist. Blogger sehen darin einen Aufruf zum Mobbing - die Betreiber wiegelten erst ab, dann wurde die "Flop"-Funktion doch gestoppt.

SchülerVZ: Mehr oder weniger offizielle Mobbingplattform?
dapd

SchülerVZ: Mehr oder weniger offizielle Mobbingplattform?


Hamburg - Mit einem neuen Spiel gerät Holtzbrincks soziales Netzwerk SchülerVZ in die Kritik: Im "VZ-Pausenhof" sollen Schüler sich gegenseitig bewerten können - mit einem Daumen nach oben, aber eben auch mit dem Daumen nach unten. "Top oder Flop", heißt es in der Werbung für die neue Anwendung, in der Blogger einen Aufruf zum Mobbing sehen.

"Offenbar will SchülerVZ die mehr oder weniger offizielle Mobbingplattform an deutschen Schulen werden", vermutet Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Stratege bei der Hamburger Agentur Achtung!, in einem privaten Blogeintrag, der sich am Donnerstagabend im Netz verbreitete. Auch Johnny Haeusler von "Spreeblick" schreibt vom zweifelhaften Verantwortungsbewusstsein der Netzwerk-Betreiber. Nicht einmal viele Erwachsene schafften es, "Anfeindungen...mit gelassenem Humor zu nehmen - für Kinder in bestimmten Entwicklungsstufen ist es hingegen so gut wie unmöglich".

Lünenbürger-Reidenbach genügte es nicht, seine Kinder von der Plattform abzumelden, er postulierte gar: "SchülerVZ, es wird Zeit für dich, zu gehen,...weil du in deiner Verzweiflung offenbar nur noch in die unterste Schublade greifen kannst." Er spielt damit auf den anhaltenden Abwärtstrend an, mit dem Holtzbrincks VZ-Marken kämpfen: Laut aktueller IVW-Online-Auswertung ist das Trio aus SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ von rund 364 Millionen Visits vor einem Jahr auf nur noch 84 Millionen Visits im vergangenen Monat gefallen. Ein anvisierter Verkauf war im Sommer abgesagt worden.

Die Betreiber distanzierten sich noch am Donnerstag von den Vorwürfen, Mobbing zu begünstigen. Die "Top oder Flop"-Formel stellte der Marketing-Chef der VZ Netzwerke, Tobias Scheiba, gegenüber "sueddeutsche.de" als Missverständnis dar. Man habe sich an beliebten "Hot or not"-Spielen orientiert, doch die Zahl der vergebenen Negativbewertungen werde weder dem Betroffenen noch anderen Mitglieder an irgendeiner Stelle der Anwendung angezeigt und sei auch nicht über Umwege herauszufinden.

Update, 17.40 Uhr: SchülerVZ hat am Freitagnachmittag den "Flop"-Button nach eigenen Angaben entfernt. "Top"-Klicks sind demnach weiter möglich.

can



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.