Top Secret CIA-Papiere auf privater Webseite

Ein New Yorker Architekt veröffentlicht auf seiner privaten Homepage geheime CIA-Dossiers - inklusive Telefonnummern von Agenten.


Washington - Die Mission des 64-jährigen Architekten John Young ist das Publikmachen von Geheimpapieren. Er stellte vor einigen Tagen eine geheime Übersicht über die CIA ins Netz, den der amerikanische Geheimdienst anlässlich eines Besuchs einer japanischen Delegation im Hauptquartier 1998 zusammengestellt hatte.

Das Dokument enthält Informationen über Budgets und Personalentwicklungen. Young berichtet, er hätte das Papier 1998 von anonymer Stelle aus Japan zugespielt bekommen und lädt in einem Interview mit der "Washington Post" selbst ernannte Aufdecker zur Mitarbeit ein: "Wir stellen es ins Netz und lassen die Leute selber entscheiden, ob es falsch oder echt ist."

Erst vergangenen Monat hatte er ein gekürztes Geheimdossier zum Iran aus dem Jahr 1953 online gestellt, das von der "New York Times" auf ihre Internetseiten übernommen wurde - allerdings an einigen Stellen unkenntlich gemacht.

Intervention zwecklos?

Der CIA-Sprecher wollte die Vorgänge gegenüber der "Washington Post" nicht kommentieren, ein ungenannt bleiben wollender Beamter meinte allerdings, dass die Japaner beim Besuch damals ohnehin Einblick in das Papier bekommen hätten.

Das Dokument, herausgegeben von Charles E. Allen, einen Mitarbeiter der Direktion, gibt detaillierte Auskünfte über den Mitarbeiterstand im zivilen und militärischen Bereich zwischen 1991 und 1998. Teil des Dokuments ist auch die Privatnummer von Allen, dieser war für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbar. Young stellte auch eine Datei aus derselben anonymen Quelle ins Netz, mit Namen, Geburtsdaten und Positionen von hunderten Angestellten des japanischen CIA-Pendants.

Daraufhin wurde Young von zwei New Yorker FBI-Agenten aufgefordert, diese Liste von der Seite zu nehmen - auf Verlangen des japanischen Justizministeriums. Das verweigerte er und verlangte direkten Kontakt mit der japanischen Regierung. FBI-Sprecherin Julie Miller sagt, sie sei mit der Sache noch nicht vertraut und der FBI-Sprecher in New York war für keinen Kommentar zu erreichen.

Ichiro Shinjo vom japanischen Geheimdienst wird von der "Washington Post" mit der Vermutung zitiert, dass das Material von einem ehemaligen Angestellten stamme, der im Dezember 1998 unter Druck die Organisation verlassen musste.



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