Anonymes Surfen Nutzung des Tor-Netzwerks verdoppelt sich

Verstecken vor Geheimdiensten und Unternehmen: Über das Tor-Netzwerk lässt sich anonym im Internet surfen. Die Nutzung der Software ist rapide angestiegen.
Anonymisierungsprojekt Tor: 1,2 Millionen Zugriffe an einem Tag

Anonymisierungsprojekt Tor: 1,2 Millionen Zugriffe an einem Tag

Das Anonymisierungsnetzwerk Tor  konnte in den letzten Wochen eine sprunghafte Zunahme seiner Nutzerzahlen  vermelden. Wie statistische Auswertungen zeigen, bewegte sich die Zahl der Internetsurfer, die weltweit täglich auf das Netzwerk zugriffen, dieses Jahr bisher bei 500.000. Im August kam es zu einer deutlichen Steigerung: Mit den über 1,2 Millionen täglichen Zugriffen am Mittwoch hat sich die Nutzerzahl mehr als verdoppelt. Der aktuelle Wert markiert ein Allzeithoch, das auch die bisherigen Spitzenwerte um den Jahreswechsel 2011/2012 übertrifft.

Mit dem Tor-Netzwerk kann Internetverkehr anonymisiert werden, indem die Datenpakete durch eine Reihe verschlüsselter Relais-Server geschickt werden. Wer über Tor auf welche Inhalte von wo aus zugreift, lässt sich allenfalls mit sehr hohem Aufwand feststellen. Nach Angaben der Tor-Betreiber nutzen außer Journalisten, Staatsanwälten und Firmen auch Mitarbeiter der US-Navy das Netzwerk, um ihre Spuren im Internet zu verwischen.

Es scheint nicht ganz klar zu sein, was für den sehr plötzlichen Anstieg der Tor-Nutzung verantwortlich ist. Eine unmittelbare Verbindung zum von Edward Snowden losgetretenen Spähskandal scheint nicht zu bestehen. Die Tor-Nutzerzahlen blieben auch nach dem Beginn der Enthüllungen im Juni stabil.

"The Register" vermutet einen Zusammenhang mit der vor drei Wochen erfolgten Schließung des verschlüsselten E-Mail-Dienstes Lavabit . Der Service, der wohl auch vom NSA-Enthüller Snowden genutzt wurde, hatte sich massivem Druck der US-Behörden ausgesetzt gesehen. Ehe diese Zugriff auf Lavabit-Nutzerdaten erhielten, wolle er den Dienst lieber schließen, hatte der Besitzer des E-Mail-Dienstes, Ladar Levison , geschrieben.

Möglicherweise haben aber auch weitere Enthüllungen über NSA-Überwachungsmaßnahmen innerhalb der USA - entgegen früherer, anderslautender Zusicherungen des Dienstes - sowie den Druck der britischen Regierung gegen den "Guardian" zur Entwicklung beigetragen.

In den USA stieg die tägliche Nutzerzahl von durchschnittlich 100.000 auf zuletzt über 150.000. In Großbritannien sichern sich derzeit knapp 40.000 Surfer mit Tor ab, zuvor lag der Wert bei ungefähr 17.000. In Deutschland konnte beinahe eine Verdoppelung der Zahlen beobachtet werden, von durchschnittlich knapp 50.000 täglichen Zugriffen auf beinah 90.000.

meu
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