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Oberösterreich Tote Ärztin wird in »Querdenker«-Gruppen verhöhnt

Lisa-Maria Kellermayr war im Netz monatelang bedroht worden, am Freitag wurde sie tot aufgefunden. Die Impfgegner-Szene kommentiert den Fall teils mit weiterer Hetze. Politiker äußern sich bestürzt.
Demonstration von Impfgegnern in Wien im November 2021

Demonstration von Impfgegnern in Wien im November 2021

Foto: Georg Hochmuth / dpa

Die Allgemeinmedizinerin Lisa-Maria Kellermayr ist am Freitag tot in ihrer Praxis aufgefunden worden. Die zuständige Staatsanwaltschaft Wels schließt ein Fremdverschulden aus. Mehr ist über den Fall noch nicht bekannt, dennoch finden sich in »Querdenker«-Gruppen auf Telegram unzählige, teils hetzerische Kommentare zu dem Fall.

Seit die Nachricht bekannt wurde, ist der Todesfall dort eines der zentralen Themen. Manche verunglimpfen Kellermayrs Arbeit als Ärztin, teils wird sie persönlich beleidigt und verächtlich gemacht. In einer Impfgegner-Gruppe schreibt etwa ein Nutzer, dass man Kellermayr nicht nachzutrauern brauche, weil sie ja schließlich andere Menschen geimpft habe.

An anderer Stelle wird ohne jegliche Belege spekuliert, dass die Ärztin selbst an den Folgen einer Impfung gestorben seien könnte. Auf den Hinweis in einer Wiener »Querdenker«-Gruppe, dass Morddrohungen, wie Kellermayr sie erhalten hat, inakzeptabel seien, heißt es: »Was würdest Du machen, wenn eine Ärztin dein Kind wegspritzt?« In derselben Gruppe wird später darüber gesprochen, sich Waffen aus Notwehr zu besorgen. Einige der Mitglieder der Gruppen kommunizieren anonym, andere aber auch mit Klarnamen und einem Bild ihres Gesichts.

Auf Twitter bezeichnete der Berliner AfD-Abgeordnete Harald Laatsch die Ärztin am Freitag als Impfpropagandistin und schrieb, dass sie wohl mit der »schweren Schuld nicht mehr leben wollte«.

Monatelang Morddrohungen

Kellermayr erhielt vor ihrem Tod mehr als sieben Monate lang Morddrohungen von Impfgegnern. Ein Verdacht führte dabei auch in die rechtsextreme Szene nach Deutschland. Im Österreich-Podcast »Inside Austria« von SPIEGEL und »Standard« berichtete die Ärztin, dass sie sich von den zuständigen Polizeibehörden im Stich gelassen fühle.

Bisher konnten die Behörden nicht ermitteln, wer hinter den Drohschreiben steckte. Kellermayr sah sich schließlich gezwungen, ihre Praxis vorübergehend zu schließen.

Die Extremismusexpertin Pia Lamberty kritisierte am Freitag, dass »Bedrohungen und Gewalt aus dem verschwörungsideologisch-rechtsextremen Milieu« kaum ernst genommen würden. Solche unterschätzten Aggressionen habe es in der gesamten Pandemie gegeben, so Lamberty.

Politiker zeigen sich bestürzt

Der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch schrieb auf Twitter, dass er über den Tod zutiefst bestürzt sei. »Als Ärztin hat sie ihr Leben der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer gewidmet. Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden waren brutale Realität«, so Rauch.

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Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen kritisierte in einem Twitter-Beitrag  am Freitag die Hetze im Netz durch die Impfgegner: »Beenden wir dieses Einschüchtern und Angst machen. Hass und Intoleranz haben in unserem Österreich keinen Platz«, so Van der Bellen. Zu den von Kellermayr erhobenen Vorwürfen, dass Polizei und Ermittler sie zu wenig unterstützt hätten, äußerten sich Rauch und Van der Bellen zunächst nicht.

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hpp

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