TriggerStreet.com Per Daumenkino zur Kino-Karriere?

Hollywood-Star Kevin Spacey gefällt sich in der Rolle des Wohltäters. Mit seiner Website TriggerStreet will er Filmtalente fördern - Umsatz und Gewinn interessieren ihn nicht. Bezahlt wird die Zeche von Sponsoren, die auf Image-Effekte hoffen: Ein gute Idee mit zahlreichen erfolglosen Vorbildern.

Von Jochen A. Siegle


Kevin Spacey (mit Bafta-Trophäe): Talentförderung per Website?
AFP

Kevin Spacey (mit Bafta-Trophäe): Talentförderung per Website?

Mit Oscar-Preisträger Spacey versucht sich derzeit ein prominenter Hollywood-Star als Advokat des Kino-Nachwuchses: Mit TriggerStreet.com stellte Spacey gemeinsam mit seinen Partnern Rob Glaser von RealNetworks sowie Yahoo-Manager Jim Moloshok ein Filmportal vor, mit dem der seit langem auch sozial engagierte Moviestar nun seinen Altruismus mit seinem Beruf verknüpfen möchte.

Das Webprojekt, benannt nach einer Straße in Spaceys Heimatstadt im kalifornischen San Fernando Valley, richtet sich an Nachwuchsfilmemacher und Drehbuchautoren, die die Chance suchen, ihre Werke - insbesondere Kurzfilme - einem breiten Publikum vorzuführen. "Unsere Internet-Community ist genau der richtige Ort für unbekannte junge Künstler, die keinen Agenten haben oder nicht die richtigen Leute kennen", sagt Spacey. "Aus meiner Erfahrung weiß ich nämlich, dass die besten Ideen ohne die richtige Anlaufstelle meist im Mülleimer landen."

Eingesandte Werke werden zunächst von den Usern des Portals bewertet. Wer eigene Skripte posten will, muss zuvor mindestens zwei andere Drehbücher lesen und bewerten. Projekte, die es in die engere Auswahl, sprich zu einem der geplanten Online-Filmfestivals schaffen, sollen dann von Branchengrößen wie Annette Bening, Danny DeVito, Mike Myers oder U2-Sänger Bono auf ihre Umsetzbarkeit hin begutachtet werden.

TriggerStreet.com: Daumenkino als Sprungbrett ins Echte?

TriggerStreet.com: Daumenkino als Sprungbrett ins Echte?

Die Idee ist alles andere als neu - und auch Spacey längst nicht die einzige Filmgröße mit Internet-Nachwuchsförderungsambitionen: Mit Francis Ford Coppolas Zoetrope.com oder dem "Project Greenlight" von Ben Affleck und Matt Damon existieren bereits ähnliche virtuelle Movie-Studios für Möchtegern-Spielbergs. Über 10.000 Skripte wurden in den vergangenen zwei Jahren dort eingereicht - aber nur ein einziges größeres Filmprojekt lanciert: der Streifen "Stolen Summer", Sieger des "Project Greenlight"-Wettbewerbs, der von Miramax verfilmt und auf dem Independent-Filmfestival Sundance in Utah gezeigt wurde.

Business-Modell? Wozu?

Und wie sieht nun das Geschäftsmodell für TriggerStreet.com aus? "Es gibt keines", müssen Spacey und auch Glaser, dessen Streaming-Firma RealNetworks die Site kostenlos hostet, zugeben. "Im Gegensatz zu vielen anderen Filmportalen treten wir nicht an, um Profite zu erwirtschaften", erklärt Spacey.

Dem "American Beauty"-Star zufolge ist der Erfolg der Site so oder so nicht monetär zu messen oder daran, wie viele

Pressekonferenz mit IT-Größen: Spacey nutzte die Comdex, um für sein Projekt zu trommeln
Jochen A. Siegle

Pressekonferenz mit IT-Größen: Spacey nutzte die Comdex, um für sein Projekt zu trommeln

Blockbuster die Online-Initiative hervorbringt. Spaceys Anliegen ist es vielmehr, ambitionierte Nachwuchs-Filmemacher mit seiner Erfahrung zu unterstützen und darüber hinaus eine Web-Community aufzubauen, über die sich Kreative austauschen und von gegenseitiger Kritik profitieren können.

Als Hauptsponsor von TriggerStreet.com fungiert der amerikanische Bier-Multi Anheuser-Bush. Wie viel Geld der Budweiser-Konzern jedoch in Spaceys Web-Filmförderung investiert, bleibt ein Geheimnis. Nicht nur für Jung-Cineasten, sondern auch für die seit Jahren finanziell notleidende Webtainment-Szene bleibt zu hoffen, dass Anheuser-Bush Spacey & Co durchhält. TriggerStreet.com wäre nämlich nicht das erste Cyberkino mit prominenter Beteiligung, das schnell wieder von der Bildfläche verschwände.

So wie etwa die Animationssite Icebox, die trotz kreativster exklusiver Web-Produktionen verschiedener Hollywood- und TV-Größen - etwa "Seinfeld"-Macher Larry David oder "Simpons"-Produzent Rob LaZebnik - Anfang vergangenen Jahres ihre Online-Pforten schließen musste. Nicht anders erging es Marvel-Legende und "Spider Man"-Erfinder Stan Lee mit seinem StanLee.net. Und selbst der Meister höchstpersönlich scheiterte: Auch Steven Spielbergs im Jahr 2000 monatelang gehyptes Filmportal Pop.com ging niemals an den Start.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.