Eduard Khil Der Trololo-Mann ist tot

Im Internet wurde er mit einem dadaesken Auftritt zur Kultfigur: Der russische Sänger Eduard Khil erlebte mit einem 50 Jahre alten Lied eine zweite Karriere im Web. Am Sonntag starb er an den Folgen eines Schlaganfalls.

Hamburg - Der russische Bariton Eduard Khil ist am Sonntagabend in einem Krankenhaus in St. Petersburg gestorben. Das teilte eine Sprecherin der städtischen Kulturbehörde mit. Der 77-Jährige hatte Anfang April einen Schlaganfall erlitten und lag seitdem im Krankenhaus. Nach Angaben der Ärzte hatte er einen schweren Hirnschaden davongetragen und lag im Koma.

Der in Russland ohnehin bekannte Sänger wurde rund 20 Jahre nach dem Ende seiner Karriere wegen eines YouTube-Videos zum Internet-Star. Der Ende 2009 veröffentlichte Clip zeigt einen alten Auftritt von Khil in Schweden, wo er das Lied "Ich bin so froh, dass ich endlich nach Hause komme" vortrug - allerdings ohne den Text.

Denn es war das Jahr 1976, und die Geschichte von einem Cowboy, der nach Hause reitet, wäre für die Zensoren der damaligen Sowjetunion wohl zu amerikanisch gewesen. So erklärte es Khil später selbst. Also sang er "Trololo", "Tralalala" und "Hahahaha", nach einer russischen Tradition namens Vokaliz, einer Art Pendant zum Scat.

Später habe er das Lied auch bei Tourneen in diversen westeuropäischen Ländern zum Besten gegeben, bekannte der Bariton gegenüber den russischen "Life News", und dann zu Beginn stets behauptet, er werde jetzt ein Lied in der Landessprache vortragen, um ein paar Lacher zu erzielen. 2010 wurde sein gut gelaunter Auftritt zum Mem, eine von den Ideen, die sich wie selbsttätig durch den Ideenraum Netz bewegen - vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil er eben ohne Sprache auskommt.

Khil wurde 1934 in Smolensk geboren und hatte den ersten Höhepunkt seiner Karriere in den sechziger Jahren. Als einer der wenigen sowjetischen Künstler durfte er später auf Welttournee gehen und dabei Europa und die USA bereisen. Dabei sang er laut "Russia Today " auch für den französischen Präsidenten François Mitterrand.

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ore/cis/AP
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