Internetzensur Türkische Regierung verschärft Twitter-Blockade

Die türkische Regierung hat übers Wochenende ihre Twitter-Blockade ausgebaut. Medienberichten zufolge wurde der Zugang zu alternativen DNS-Servern wie dem von Google geblockt. Twitter selbst soll mittlerweile auf IP-Basis gesperrt worden sein.
Twitter-Logo auf Smartphone-Display: Dienst angeblich auf IP-Basis gesperrt

Twitter-Logo auf Smartphone-Display: Dienst angeblich auf IP-Basis gesperrt

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Für Menschen in der Türkei wird es zunehmend schwieriger, den Kurznachrichtendienst Twitter zu nutzen: Im Laufe des Wochenendes hat die türkische Regierung ihre Dienst-Blockade verschärft. War es findigen Computernutzern zunächst noch mit einfachsten Mitteln möglich, die offiziell verhängte Twitter-Sperre zu umgehen und beispielsweise Witze zu posten, ist dafür nun etwas mehr Aufwand nötig.

Noch am Freitag hatte sich Twitter einfach weiter nutzen lassen, wenn man auf einen alternativen DNS-Server wie den von Google ("8.8.8.8") auswich. Zahlreiche Nutzer hatten beispielsweise in anderen sozialen Netzwerken auf diese Möglichkeit hingewiesen, sogar Graffiti machten darauf aufmerksam.

Seit dem Wochenende sollen sich die entsprechenden Google-DNS-Server nun aus der Türkei nicht mehr erreichen lassen, ebenso wie alternative DNS-Server. Die Nachrichtenseite "Hürriyet Daily News"  schrieb am Samstag, man habe nachgeprüft, "dass die meisten, wenn nicht sogar alle DNS-Optionen derzeit geblockt werden". In anderen Medienberichten hieß es, die türkische Regierung versuche, den Zugang zu Listen mit den Nummern alternativer DNS-Server zu blockieren.

Yaman Akdeniz, Professor für Internetrecht an der Istanbuler Bilgi-Universität, schrieb auf Twitter, mit der Blockade des Zugangs zu Google-DNS-Server-Adressen gehe "der Krieg der Regierung gegen Twitter" weiter.

Twitter angeblich auf IP-Basis gesperrt

Tatsächlich scheint die Blockade der DNS-Server nur einer von mehreren Schritten gewesen zu sein. Das amerikanische Blog "Ars Technica" berichtete am Sonntag , dass Twitter in der Türkei mittlerweile auf Basis der IP-Adresse gesperrt sei. Praktisch würde dies bedeuten, dass sich die Seite auch über Ausweich-DNS-Server nicht mehr erreichen lässt. Als Möglichkeiten, Twitter per Computer zu erreichen, würden dann vor allem noch Proxy-Server und virtuelle private Netzwerke (VPN) bleiben. Auch das bei politischen Aktivisten beliebte Tor-Netzwerk ist eine Alternative, um eine indirekte und schwer blockierbar Verbindung mit Twitter herzustellen. Ebenso scheint es nach wie vor möglich, Tweets per SMS abzuschicken .

Die türkische Regierung hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob sie technisch etwas an der Sperre geändert hat. Die Regierung hatte den Zugang zum Online-Kurzbotschaftendienst Twitter in der Türkei in der Nacht zum Freitag sperren lassen. Begründet wurde dies mit der Weigerung des Unternehmens, von türkischen Gerichten beanstandete Beiträge zu löschen. Hintergrund sind anhaltende Korruptionsvorwürfe gegen Erdogan und seine Regierung. Viele dieser Vorwürfe waren per Twitter verbreitet worden.

Auch YouTube fürchtet Sperre

Nach der Sperrung hat Erdogan schwere Vorwürfe gegen den Kurznachrichtendienst erhoben. Twitter werde systematisch zum Rufmord gegen die Regierung genutzt, erklärte ein Sprecher Erdogans am Samstag. Diese voreingenommene Einstellung schade nicht nur dem Ansehen von Twitter, sondern schaffe "ein unfaires und falsches Bild unseres Landes". Um die Sperre aufzuheben, verlangt die Regierung, dass Twitter einen Verantwortlichen für die Türkei ernennt und bereit ist, auf Aufforderung bestimmte Inhalte zu löschen.

Während der Streit um Twitter weitergeht, soll sich übrigens auch Googles Videoplattform YouTube weigern, Clips auf Forderung der türkischen Regierung zu löschen. Google betrachte die Löschanträge als rechtlich unwirksam, schreibt das "Wall Street Journal"  unter Berufung auf informierte Personen. Stand Montagmittag war die Seite jedoch auch aus der Türkei nach wie vor erreichbar.

fko/Reuters/AFP
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