Tugendhafter DVD-Player Sex und Gewalt werden übersprungen

Ein neuer DVD-Player blendet Szenen mit Gewalt, nackter Haut, Whisky-Gläsern oder Joints aus. Der Hersteller verspricht ein Filmvergnügen "frei von Unbehagen". Klagen von Studios und Regisseuren konnten den Sittenwächter bislang nicht stoppen.

"Der einfachste Weg für die ganze Familie, um Filme ohne Angst vor Sex-, Gewalt- oder Sprachexzessen zu genießen." Wal-Mart kommt in der Beschreibung des neuen DVD-Players schnell zur Sache. Besorgte Eltern sollen ihre Kinder vor dem völligen Verfall bewahren. Um die 80 Dollar kostet der Sittenwächter mit eingebauter Sexsperre.

Neu sind derartige Filter für Filme nicht. Die Firma Clearplay hat schon seit längerem entsprechende Software im Angebot, die freilich nur auf PCs funktioniert. Jetzt gibt es jedoch erstmals ein Standalone-Abspielgerät fürs Wohnzimmer, das auf die Filterfunktionen von Clearplay zurückgreift, um Sitte und Anstand zu wahren.

Der Player erkennt anstößige Szenen nicht etwa automatisch, sondern nutzt dafür Timecode-Informationen, die ein moralisch sattelfestes Team von Clearplay beim Betrachten der Filme festgelegt hat. Im Gerät sind Informationen für 100 Hollywood-Streifen hinterlegt. Für 5 Dollar monatlich dürfen sich besorgte Eltern regelmäßig die Listen bedenklicher Szenen für neu erfasste Filme herunterladen und auf das Gerät überspielen.

Fragwürdige Szenen enthält der Player den Zuschauern vor. "Das ist, als hätten Sie superflinke Finger und könnten die Knöpfe der Fernbedienung so schnell drücken, dass gewisse Szenen übersprungen oder stumm geschaltet werden", heißt es auf der Clearplay-Homepage. Die Sprünge oder Tonausblendungen seien mitunter wahrnehmbar, doch das sei alles kein Problem: "Viel Sorgfalt wird darauf verwandt, dass trotz eliminierter Passagen die Kontinuität des Films gewahrt bleibt und die Präsentation ihren Unterhaltungswert behält."

In Hollywood war man über die Verstümmelung der Filme so erbost, dass gleich acht Studios gegen Clearplay klagten, um den Vertrieb der Software und Geräte zu stoppen. Ihre Anwälte sehen in der Sex- und Gewaltsperre einen rechtswidrigen Eingriff in das Urheberrecht. Durchsetzen konnten sich die Filmbosse und Regisseure damit bislang nicht.

Bei Clearplay wähnt man sich ohnehin auf der sicheren Seite. "Anders als bei umgeschnittenen Videos verändert unsere Software nicht das Original", sagte ein Anwalt, der die Firma vertritt. "Das ist so, als würde man die schnelle Vorlauf-Funktion durch eine Szene verbieten, die man nicht mag. Wenn Clearplay illegal ist, dann ist es auch die Fernbedienung."

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