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01. Juni 2015, 09:14 Uhr

Tumblr-Blog "All Male Panels"

Das Hasselhoff-Siegel für pure Männlichkeit

Der Stempel steht für pure Männlichkeit: Wer auf dem Tumblr-Blog "All Male Panels" mit dem David-Hasselhoff-Siegel ausgezeichnet wird, hat zu viele Männer aufs Tagungspodium gesetzt.

Auch die Ruhr-Universität Bochum wird ausgezeichnet. Doch die Veranstalter der Vortragsreihe "Wissenschaft trifft Praxis" erhalten das Siegel nicht etwa für das breite Programm, bei dem es um Internet, Körpergewicht und Chirurgie geht. Die Auszeichnung erhält die Uni für die reine Männer-Riege auf dem Podium. Mit einem ironischen "Herzlichen Glückwunsch" wird die Uni mit dem Inbegriff der Männlichkeit gestempelt: mit dem "Baywatch"-Star David Hasselhoff.

Die Veranstaltung der Uni Bochum ist nur ein Beispiel für viele Expertenrunden, die auf dem Tumblr-Blog "All Male Panels" kritisiert werden. "Alle Redner bei der Vortragsreihe sind männlich", heißt es auf der Seite. "Das ist leider nicht das erste Mal." Das trifft dem Blog zufolge auch auf viele weitere Diskussionsrunden zu. In der Tumblr-Sammlung finden sich Tech-Konferenzen in New York, Fußballdiskussionen in Amsterdam über die geplante WM in Katar und eine Gesprächsrunde der österreichischen Feuerwehr über Katastrophenmanagement in Wien.

Alle Runden haben eines gemeinsam: Es sitzen nur Männer auf der Bühne. Alle Beiträge sind mit dem Hasselhoff-Prädikat gestempelt worden, das die Nutzer auch selbst mit dem Hoffsomerator auf ihre Beiträge kleben und schließlich an Saara Särmä schicken können.

Die finnische Wissenschaftlerin hat das Projekt im Februar dieses Jahres gestartet. Zunächst hatte Särmä die Bilder auf Facebook gesammelt. Doch als immer mehr Nutzer eigene Screenshots hinzufügten, startete die Finnin den Tumblr-Blog. Sie beobachte das Phänomen schon sehr lange, sagte sie dem "Guardian". Vor allem bei schweren Themen wie Außenpolitik und Sicherheitsfragen seien die Gesprächsrunden hauptsächlich mit Männern besetzt.

An eine schnelle Veränderung glaube sie nicht, hoffe aber, dass "die Menschen keine reinen Männer-Panels mehr organisieren und dass sie keine reinen Männerpanels mehr besuchen". Wenn es künftig weniger reine Männer-Runden gäbe, sagt Särmä, "dann wäre das schon ein tolles Ergebnis".

In Deutschland widmen sich die Betreiber der Speakerinnen-Liste dem Gender-Thema bei Gesprächsrunden. Die Frauen aus Berlin vermitteln Rednerinnen an Veranstalter, die auf der Suche nach Expertinnen und einem ausgeglichenen Sprecher-Verhältnis bei Diskussionsrunden sind. Knapp 800 Frauen haben sich bereits in die Datenbank eingetragen und decken Themenfelder wie Politik, Bildung und Internet ab.

jbr

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