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10. Juni 2015, 07:22 Uhr

TV5 Monde

Hacker aus Russland sollen hinter Cyberangriff auf französischen Sender stecken

Bislang hatte man Dschihadisten hinter der Attacke auf TV5 Monde vermutet, doch laut einem Bericht wurde der Sender von russischen Hackern angegriffen. Die gesendete Propaganda für den IS ist demnach nur Tarnung gewesen.

Hinter dem Cyberangriff auf den französischen Sender TV5 Monde im April sollen russische Hacker stehen. Das meldete das französische Magazin "L'Express" unter Berufung auf Justizkreise.

Propaganda für die Terrormiliz "Islamistischer Staat" (IS), die während der Attacke auf die IT-Systeme auf den Webseiten und Social-Media-Konten des Senders zu sehen war, sei möglicherweise ein Täuschungsmanöver gewesen, sagte der Senderchef Yves Bigot unter Hinweis auf Experten der französische Behörde für Sicherheit von Informationssystemen (ANSSI).

Im Namen der IS-Miliz hatten Hacker Anfang April die IT-Systeme des Senders gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Eine Gruppe namens "Cyber-Kalifat" bekannte sich im Internet zu dem Angriff. Dabei blieb unklar, ob tatsächlich der IS dahintersteckt. Frankreich bekämpft IS-Truppen mit Luftangriffen im Nordirak.

Die Gruppe russischer Hacker, auf die sich die Ermittlungen konzentrierten, agiere unter dem Namen APT28, hieß es laut der Agentur AFP aus Justizkreisen.

"L'Express" gab die Gruppe in seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe mit dem Namen Pawn Storm an. Diese habe es in der Vergangenheit auf die Informationssysteme des Weißen Hauses, von Nato-Mitgliedern sowie von russischen Dissidenten und ukrainischen Aktivisten abgesehen gehabt.

Aus mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen verlautete, dass die Spur der Hacker durch Nachverfolgung der IP-Adressen der Computer habe verfolgt werden können, von denen aus der Angriff gestartet worden sei.

Bei der Attacke Anfang April war der Sendebetrieb der Fernsehsendergruppe TV5 Monde vollständig zum Erliegen gebracht worden. Die Ausstrahlungen des frankophonen Senders, der in mehr als 200 Ländern und Gebieten empfangen wird, wurden gekappt. Auf elf Sendern der Gruppe war lediglich ein schwarzer Bildschirm zu sehen.

Zudem waren die Websites gekapert worden. Auf der Website und den Facebook- und Twitter-Seiten des Senders waren bei der Hackerattacke vermeintliche Drohungen des IS gegen Frankreich geäußert worden. Es dauerte mehrere Stunden, die Programme wieder hochzufahren.

fab/AFP/dpa

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