Twitter, Flickr & Co Wo die Obamania im Netz tobt

Zwitschernde Obama-Sardinen im Zug, kollektives Redenschreiben im Netz, Foto-Ströme und 3-D-Visualisierungen: Die Amtseinführung von Barack Obama wird online multimedialisiert wie nie eine zuvor. Ein kleiner Streifzug durch die Inaugurations-Sphären des Webs.


Zur Amtseinführung zwitschert und knistert es aus allen Kanälen: Obama gilt als Netz-Präsident, Obama ist das Netz-Thema. Die "New York Times" bloggt - an Gil Scott-Heron angelehnt: "The Inauguration will be televised - and tweeted and flickr'd". Obamas Amtseinführung wird über Twitter, über Flickr, über Live-Streams übertragen, in virtuellen Welten als Simulation aufgeführt.

Flickr: Am Lincoln Memorial versammeln sich Obama-Fans - und schicken Fotos von sich ins Netz

Flickr: Am Lincoln Memorial versammeln sich Obama-Fans - und schicken Fotos von sich ins Netz

Das Präsidententeam stellt beim Bilder-Servierer Flickr Fotos von der Arbeit an Obamas Amtseinführung ins Netz - sicherlich auch, weil Obamas Flickr-Familienfotos bei dessen Wahl für so viel Aufmerksamkeit sorgten. Das Lästerblog Valleywag blickte ins Twitter-Rauschen und präsentiert "einen Schnappschuss der Medien-Elite, die einfach nicht die Klappe hält, in 140 Zeichen oder weniger." Oder harmloser ausgedrückt: Redakteure der "Washington Post", der "Huffington Post", des "Cincinnati Enquirer", die ihre Berichterstattung via Twitter vervollständigen - und sei es nur um ein Loblied auf das Hotel, in dem Ex-"Huffpost"-Redakteurin Rachel Sklar schläft. Wer alles lesen will, was mit der Amtseinführung zusammenhängend getwittert wird, besorge sich über search.twitter.com am besten ein Feed mit dem sogenannen Hashtag #inauguration. Kostprobe: "Wir sind jetzt im Zug. Obama-Sardinen. Die Leute sind aufgeregt, lachen." Noch mehr ist unter #inaug09 los - offenbar hat man sich gruppendynamisch auf diese etwas kürzere Formel geeinigt.

Das Online-Magazin Slate.com macht sich derweil Gedanken, wie wohl die Antrittsrede Obamas klingen wird - und textet mit Hilfe einer speziellen Software und der eigenen Leser drauf los. Der Kollektiventwurf klingt ganz gut: "Zusammen kriegen wir alles hin" - und "Sie werden sagen: 'Yes, they did it.'" Ein Meisterstück ist das aber nicht, meint "Ars Technica" im Artikel "Das Internet schreibt eine Antrittsrede für Obama".

Der "Sydney Morning Herald" schaut sich das Treiben im Netz etwas gelassener an und untersucht, wie große Online- und Offline-Medien die Amtseinführung verfolgen - und verweist dabei unter anderem auch auf Microsofts Photosynth-Projekt, mit dem aus von Nutzern eingesendeten Bildern das Obama-Spektakel in Pseudo-3D nachgebaut wird.

Bei all dem Obama-Hype darf man aber auch nicht die heimlichen Nutznießer der ganzen Aufregung vergessen: Netz-Betrüger, die im Rahmen der Amtseinführung ihren Übelcode an den Surfer bringen wollen. "Obama erklärt, er sei nicht bereit Präsident der Vereinigten Staaten zu werden" erklärt eine Online-Meldung - die nur das Sprungbrett für die Installationsroutinen einer Malware ist.

kno/cis



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