Ende einer App News.me scheitert an strengen Twitter-Vorgaben

Twitter scheint sich zunehmend Drittanbietern zu verschließen. Nun wurde mit  News.me ein Onlinedienst ausgesperrt, der Tweets nach Nutzerwunsch sortiert. Der Schritt war nicht grundlos: Offenbar hielt sich das Angebot nicht an die Vorgaben des Microblogging-Dienstes.
Twitter-Präsenz von News.me: Jüngstes Opfer des neuen strengen Kurses

Twitter-Präsenz von News.me: Jüngstes Opfer des neuen strengen Kurses

Die Tage, als der Microblogging-Dienst Twitter eine offene Plattform war, sind vorbei. Gleich reihenweise wird verschiedenen Anbietern der Zugang verwehrt. Jüngstes Opfer des neuen strengen Kurses ist offenbar der Tweet-Aggregator News.me. So jedenfalls liest sich dessen Begründung  für das Ende seiner iPhone- und iPad-Apps. Damit konnten Nutzer die besten Tweets aus ihren Newsfeeds herausziehen - allerdings verstößt die Art und Weise der optischen Aufbereitungen anscheinend gegen aktuelle Twitter-Regeln.

Grundsätzlich wäre es kein Problem, den Twitter-Vorgaben entsprechende Designänderungen vorzunehmen. Doch das dafür eigentlich vorgesehene Team sei von der News.me-Muttergesellschaft Betaworks gerade mit der Überarbeitung von Digg beschäftigt , so "ReadWrite". Die Reste des Social-Bookmark-Service Digg hatte der Technikdienstleister Betaworks im Juli 2012 für gerade noch 500.000 Dollar gekauft. Die neuen Besitzer wollten Digg mit News.me verschmelzen und Facebook angreifen.

Das gemeinsam mit der "New York Times" aufgelegte News.me war als eine Art Social Network für Nachrichten angelegt: Es zeigte, welche Nachrichten von anderen Twitter-Nutzern gelesen wurden. Doch dieses Konzept ist nun hinfällig, da Twitter seine Nutzer mit hauseigenen Mitteln auf Nachrichten hinweist.

Diese Entwicklung, die aus Twitter einen Konkurrenten für News.me gemacht habe, sei nicht überraschend gekommen, erklärte News.me-Manager Jake Levine. Die neuen Bestimmungen Twitters zur Darstellung von Inhalten hätten allerdings das Ende bedeutet: "Wir mussten uns entscheiden, wichtige Ressourcen in die News.me-Apps zu stecken, um den neuen Anforderungen zu entsprechen - oder die Apps aus dem App Store zurückzuziehen." Entschieden hat man sich für Letzeres. Während also die Download-Möglichkeit demnächst Geschichte ist, soll der Support für diejenigen weitergeführt werden, die die Anwendung schon heruntergeladen haben und nutzen.

Das Techblog "Venturebeat" schreibt, Jake Levine mache Twitter zum Sündenbock für eigene Versäumnisse. Es sei recht offensichtlich, dass News.me nie die erhofften Nutzerzahlen erreicht habe . Andererseits habe Twitter zu keinem Zeitpunkt verlangt, dass News.me seine Apps entferne.

Tatsächlich gab es jedoch mehrere Beschwerden aus Entwicklerkreisen, seit Twitter seine Vorschriften für die API-Nutzung strenger fasste. Was Entwickler mit der Schnittstelle anfangen dürfen, ist seit August 2012 genau geregelt. Dabei bietet der Dienst immer mehr Services aus eigener Hand an. Das Ziel ist klar: Mit mehr Kontrolle soll auch mehr Profit erwirtschaftet werden.

Das spüren auch die Nutzer. Ein externer Twitter-Client wie Tweetbot ist in der Mac-Version inzwischen ein teurer Spaß geworden. Im App Store wird der Client zum Preis von 20 Dollar gelistet. Der Grund soll laut den Machern in den Restriktionen durch Twitter liegen, die auch die Anzahl der Nutzer begrenzen würden, die für externe Apps zulässig seien. Diese künstliche Verknappung treibe den Preis hoch , erklärte Tapbot in der vergangenen Woche.

Das Startup IFTTT hatte seinen Sammeldienst für Twitter bereits Ende September eingestellt. IFTTT ermöglichte es, verschiedene Seiten miteinander zu kombinieren. Man konnte einstellen, sich Tweets von ausgewählten Usern beispielsweise an Facebook schicken zu lassen. Diese Funktion ist aber Geschichte. Auch hier lautete die Begründung, man sei aufgrund der Beschränkungen für die Twitter-Schnittstelle  dazu gezwungen.

meu

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