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05. April 2016, 16:35 Uhr

Überraschender Deal

Twitter sichert sich Football-Streamingrechte

American Football schauen auf Twitter: Das geht bald, denn der Dienst hat sich weltweite Rechte an Spielen der US-Profiliga NFL gesichert. Was bezweckt Twitter mit dem teuren Zukauf?

Twitter hat sich die Onlinerechte für Donnerstags-Spiele der American-Football-Liga NFL gesichert. Der Kurznachrichtendienst habe sich in einem Bieterwettstreit unter anderem gegen den Telekom- und Medienkonzern Verizon und Amazon durchgesetzt, melden der Finanzdienst Bloomberg und das Techblog "Re/code". NFL-Chef Roger Goodell gab den Deal am Dienstag per Tweet bekannt.

Twitter kann die Spiele weltweit zeigen. Zuschauer müssen sich dazu aber nicht zwingend bei dem Dienst anmelden. Wie viel Twitter für die Rechte zahlen muss, war zunächst nicht bekannt. "Re/code" schreibt, dass Twitter insgesamt weniger als zehn Millionen Dollar zahlen dürfte. Das mag nach viel Geld klingen, in der Welt der Football-Fernsehrechte ist das aber vergleichsweise wenig.

Die Top-Begegnungen der NFL hat sich Twitter mit dem Deal zwar nicht gesichert. Die finden nämlich nicht am Donnerstag statt, sondern am Wochenende. Deshalb liegen die TV-Reichweiten donnerstags auch unter den Werten am Samstag und Sonntag. Die Fernsehsender CBS und NBC haben aber für ihre Ausstrahlungsrechte deutlich mehr gezahlt, rund 450 Millionen Dollar. Wie Twitter werden die beiden Sender ab dem Herbst zehn der insgesamt 16 Donnerstags-Partien zeigen, die zu dieser Jahreszeit beginnen. Sie zeigen die Spiele im US-Fernsehen und dürfen sie ebenfalls online anbieten.

Der heftige Preisunterschied dürfte, so "Re/code" mit der unterschiedlichen Art der Rechte zu tun haben, die die beiden Sender im Vergleich zu Twitter erworben haben. CBS und NBC können offenbar auch bei den digitalen Anzeigen mitverdienen, während Twitter hier weniger Rechte hat und nur einige wenige Anzeigen im Rahmen der Spiele verkaufen darf.

Was bezweckt Twitter mit dem Kauf?

Die Übertragungen könnten für Twitter eine Gelegenheit sein, mehr Internet-Nutzer anzulocken und ihnen eine Plattform zum Kommentieren des Geschehens zu bieten. Der Zufluss neuer Mitglieder bei dem Dienst ebbte zuletzt ab, im vergangenen Quartal gab es erstmals einen Rückgang bei der Zahl aktiver Nutzer. Das Hin und Her um die bisher chronologische Sortierung des News-Feeds erzürnte viele Nutzer, zeitweise ging der Hashtag #RIPTwitter durchs Netzwerk.

Der Dienst will sich schon lange als Ort für Diskussion bei großen Events etablieren - jetzt wird das erstmals mit Übertragungen auf derselben Plattform verknüpft. Auch Facebook soll sich zeitweise für die Spiele der NFL am Donnerstag interessiert haben - dann aber aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen sein.

Twitter verfügt mit seinem Livestreaming-Dienst Periscope bereits über eine Infrastruktur für Live-Video-Übertragungen. Die NFL-Spiele dürften aber weitere Investitionen in die Plattform erfordern.

dpa/gru

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