Tweet über Uiguren Twitter sperrt chinesische Botschaft in den USA

Uigurische Frauen seien nicht länger »Gebärmaschinen«, hieß es in einem Tweet, der über den Account der chinesischen Botschaft in den USA veröffentlicht wurde. Twitter zog Konsequenzen.
Twitters Sitz in San Francisco

Twitters Sitz in San Francisco

Foto: STEPHEN LAM / REUTERS

Twitter hat das Nutzerkonto der chinesischen Botschaft in den USA wegen eines Tweets zum Umgang mit der Minderheit der Uiguren gesperrt. Über den Account @ChineseEmbinUS war ein Tweet veröffentlicht worden, in dem es hieß, uigurische Frauen seien nicht länger »Gebärmaschinen«. Im englischsprachigen Original war von »baby making machines« die Rede. Die Aussage bezog sich auf eine Studie, über die »China Daily« berichtet hatte, eine regierungsnahe Zeitung.

Die Verteidigung der Regierungspolitik in der Uiguren-Region Xinjang verstoße gegen die Richtlinien des US-Konzerns zur Wahrung der Menschenrechte und gegen Entmenschlichung, teilte Twitter am Mittwoch mit. Eine Sprecherin verwies auf die Twitter-Regeln, nach denen Verstöße gegen die Menschenrechte von Volksgruppen aufgrund ihrer Religion, Kaste, Alter, Behinderung, Krankheit, nationaler Herkunft, Rasse oder ethnischen Zugehörigkeit verboten sind.

Der Tweet wurde entfernt, ein entsprechender Hinweis ist an seiner Stelle zu sehen. Aber Twitter verlangt in solchen Fällen vom Kontoinhaber zusätzlich die manuelle Löschung des Beitrags.

Berichte über Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen

Einem Uno-Bericht zufolge werden in der Region Xinjiang mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in Internierungs- und Umerziehungslagern festgehalten. Der deutsche Anthropologe Adrian Zenz wirft der chinesischen Regierung vor, dass den Frauen in den Lagern Verhütungsmittel verabreicht und Spiralen eingesetzt werden; dass sie gynäkologische Zwangsuntersuchungen, Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen über sich ergehen lassen müssen. Die Regierung hat das als falsch zurückgewiesen.

Die neue US-Regierung hat sich der Einschätzung der Vorgängerregierung angeschlossen, dass die chinesische Regierung einen Völkermord an den Uiguren begeht.

Twitter ist in China selbst blockiert, aber Staatsmedien und Diplomaten nutzen die Plattform für die Kommunikation außerhalb des Landes.

Die chinesische Botschaft in Washington, D.C., hat sich bisher nicht zu dem Vorgehen der Plattform geäußert. Das chinesische Außenministerium teilte mit, man sei verwirrt von dem Vorgehen bei Twitter. Es gebe zu diesem Thema viele Berichte, die sich gegen China richteten, und es sei die Pflicht der Botschaft, die Wahrheit zu verbreiten.

pbe/Reuters