Sanfte Sanktionen Das sind Twitters neue Regeln für Staatschefs

Wichtige Politiker stehen "nicht komplett" über Twitters Nutzungsbestimmungen, teilt die Firma mit - ein bisschen aber schon. Sie werden fortan stärker, aber immer noch sanfter als andere Nutzer sanktioniert.

Account von US-Präsident Donald Trump: Einer der twitternden "politischen Führer der Welt", um die es geht
J. David Ake/ AP

Account von US-Präsident Donald Trump: Einer der twitternden "politischen Führer der Welt", um die es geht


Twitter hat seinen Neuland-Moment: "Wenn es darum geht, was die politischen Führer der Welt auf Twitter tun, wissen wir, dass es sich größtenteils um Neuland handelt", schreibt das Unternehmen in einem Blogpost. In dem Post erklärt Twitter, wie und warum Politiker in seinem Dienst gegen die Nutzungsbestimmungen verstoßen dürfen. "Wir wollen klarstellen, dass die Accounts von politischen Führungspersonen nicht komplett über unseren Regeln stehen", heißt es.

Zusammenfassen lässt sich der Post so: Twitter will die Verbreitung von Politiker- Tweets, deren Inhalt gegen Regeln des Dienstes verstößt, künftig etwas bremsen. So sollen die Möglichkeiten eingeschränkt werden, solche Beiträge zu retweeten oder zu liken. Nur der sogenannte Retweet mit Kommentar soll möglich bleiben.

Problematische Tweets sollen auch nicht mehr in der algorithmischen Sortierung der Timeline auftauchen. Nutzer sollen neben den Tweets zudem einen Hinweis auf den Regelverstoß sehen können und explizit bestätigen müssen, die Nachrichten sehen zu wollen.

In sechs Bereichen will das Unternehmen aber auch im Fall von Politikern strikt vorgehen und Inhalte löschen:

  • bei Verherrlichung von Terrorismus,
  • bei "klarer und direkter Androhung von Gewalt",
  • bei der Veröffentlichung privater Daten wie Adressen und Telefonnummern,
  • bei intimen Fotos und Videos ohne Zustimmung des Betroffenen,
  • bei sexueller Ausbeutung von Kindern
  • sowie bei jeder Art von Selbstverletzung.

Im Sommer hatte Twitter erklärt, dass Tweets von Politikern auf der Plattform bleiben können, auch wenn sie Regeln des Dienstes verletzen. Das solle zum Beispiel dann passieren, wenn die Tweets Nachrichtenwert haben oder es ein öffentliches Interesse daran gibt, dass die Inhalte verfügbar bleiben.

Zwischen Lügen und Zensur

In den USA lösten unter anderem mehrere Tweets von Präsident Donald Trump Diskussionen darüber aus, ob sie gegen Regeln des Dienstes verstoßen. Zu den untersagten Inhalten gehören - ähnlich wie bei anderen Onlineplattformen - zum Beispiel Aufrufe zu Gewalt oder Hassrede.

Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook wird immer wieder vorgeworfen, falsche, irreführende oder beleidigende Botschaften von Politikern zu verbreiten. Zugleich wollen sich die Anbieter nicht dem Vorwurf der Zensur aussetzen.

pbe/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
rst2010 16.10.2019
1. seltsames
demokratieverständnis. keiner ist mehr wert als der andere, alle sind gleich zu behandeln. keiner steht über einem anderen, auch wenn er vorrübergehend einen posten als 'diener des volkes' hat. ganz im gegenteil, genau die haben sich akribisch an alle regeln und umgangsformen zu halten. so gesehen müsste trumps account sofort gelöscht werden. abgesehen davon, das twitter von keiner regierung das offizielle verlautbarungsorgan ist.
timtom2222 16.10.2019
2.
Deshalb hat, und wird mich Twitter nie interessieren! Entweder ich behandle alle Nutzer gleich oder hab Angst vor Regierungschefs!
frenchie3 17.10.2019
3. Zensurvorwurf?
Klar, von Donniejüngern auf jedem Fall. Ansonsten ist es nur ein Dienstleistungsanbieter der die Einhaltungen seiner Konditionen fordert.
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