Funktionen wie bei Facebook Twitters Zukunftspläne schrecken Nutzer auf

Der Finanzchef von Twitter hat eine verbesserte Suche und Gruppenchats angekündigt - und einen Algorithmus in Aussicht gestellt, der relevante Tweets in der Timeline nach oben sortieren könnte. Nutzer sind entsetzt.
Twitter-Logo: Das Unternehmen sucht nach seinem Börsengang nach Nutzern

Twitter-Logo: Das Unternehmen sucht nach seinem Börsengang nach Nutzern

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Twitter will offenbar mehr wie Facebook werden: Eine automatisch sortierter Newsfeed, eine aufgebohrte Suchfunktion und Gruppenchats könnten Twitter eine höhere Nutzerbindung verschaffen. Zumindest ließ das Twitter-Finanzchef Anthony Noto auf einer Konferenz in New York durchblicken.

Besonders der Hinweis auf eine mögliche Änderung der Timeline-Sortierung sorgt einige Twitter-Nutzer: Die chronologische Abfolge der Twitter-Nachrichten "ist nicht außerordentlich relevant für viele Nutzer", sagte Noto laut dem "Wall Street Journal".  Interessante Tweets könnten im ständig voranschreitenden Feed begraben werden.

"Man könnte das besser organisieren, wenn man diese Inhalte einer Person zum richtigen Zeitpunkt anzeigt." Eine Umsortierung der Timeline, sodass sie nicht mehr vom konkreten Lesekonsum der Twitter-Mitglieder unabhängig wäre, könnte Abhilfe schaffen. Einen Schritt in diese Richtung hat Twitter längst unternommen, seitdem es die Nachrichtenfeeds der Nutzer mit Tweets von Personen auffüllt, deren Updates man gar nicht abonniert hat. Zusätzlich sollen Gruppenchats und eine intelligentere Suche mehr Publikum bringen.

Die Twitter-Pläne rühren an eine Eigenschaft, die einigen Twitter-Mitgliedern offenbar wichtig ist: Die Tweets laufen streng der Reihe nach ständig durch die Timeline. Ganz anders als bei Facebook, wo ein Programm entscheidet, welche Einträge aktuell interessant und wichtig für eine Person sein könnten. Auf Twitter folgten deswegen etliche Sorgen-Tweets.

Twitter hat ein Problem

Ein missverständlicher Artikel bei Gigaom  befeuerte die Kritik. Dort wurde Noto so interpretiert, dass Twitter bald die Timelines nicht nur umsortieren, sondern vermeintlich irrelevante Nachrichten gleich ausfiltern könnte - ganz so, wie das Facebook tut. Ein angesichts der Informationfülle problematische Notwendigkeit. 

Stimmt aber nicht, antwortete Twitter-Geschäftsführer Dick Costolo . Was mit Twitters Timeline passieren wird, ist derweil unklar. Im Vergleich zu Facebooks monatlich 1,3 Milliarden aktiven Mitgliedern nehmen sich Twitters 241 Millionen aktive Nutzer (inklusive der bis zu 5 Prozent Software-Bots ) eher wenig aus. Künftig muss das börsennotierte Twitter mehr Nutzer einbinden und die Werbemöglichkeiten ausbauen.

Dazu ist eine massentaugliche Aufbereitung der Tweets nötig. Vor genau diesem Problem stand einst auch Facebook. Letztlich geht es darum, dass sich Twitter von einem Spezialistenmedium zu einem Massenmedium wandeln muss. Die angestammte Kundschaft zeigt sich angesichts dessen vorsorglich empört.

Der oft gelesene Satz: "Twitter scheint nicht zu verstehen, warum Leute Twitter mögen" scheint deswegen etwas naiv: Es scheint viel mehr so, als ob Twitter das ganz genau versteht - aber auch eine Vorstellung davon hat, wie noch viel, viel mehr Leute Twitter mögen könnten.

fko