"Master", "Slave", "Blacklist" Twitter und andere Tech-Firmen verbannen rassistische Begriffe

In der IT übliche Begriffe wie "Master" und "Slave" kommen bei Twitter auf die Streichliste. Das Unternehmen reiht sich in die Riege derer ein, die rassistische Wörter aus der Entwicklersprache verbannen wollen.
Twitter-App

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Foto: Martti Kainulainen/ DPA

Twitter geht künftig gegen rassistische IT-Begriffe vor: Am Donnerstag veröffentlichte das Unternehmen eine Liste mit bisher üblichem Programmiervokabular, das die Mitarbeiter künftig nicht mehr verwenden sollen. Einige Bezeichnungen im Code repräsentierten nicht die Werte des Unternehmens, teilte Twitter mit.

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Unter anderem sollen die Bezeichnungen "Master" und "Slave" aus der Entwicklersprache verbannt werden und durch "Leader" (Anführer) und "Follower" (Anhänger) ersetzt werden. Denn "Master" und "Slave" bezeichnen eben nicht nur, wer in einer Programmstruktur den Takt angibt, sondern erinnern auch an das dunkle Kapitel der Sklaverei in den USA.

Seit Januar bemühen sich laut dem Onlinemagazin "CNET"  zwei Twitter-Mitarbeiter darum, die rassistische Begriffe endgültig aus dem Entwicklerbüro zu verbannen. Mit den weltweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus bekommen die beiden demnach nun deutlich mehr Unterstützung aus den eigenen Reihen.

Die "Black Lives Matter"-Bewegung habe den Plänen einen regelrechten Schub verpasst. In dem Bericht wird der schwarze Twitter-Mitarbeiter Regynald Augustin zitiert, der sagt: "Alles, was gerade passiert, hat dafür gesorgt, dass sich das Bewusstsein rasend schnell im Unternehmen verbreitet hat."

Begriffe wie "Blacklist" kommen auf die "Bannliste"

Die Begriffe "Master" und "Slave" sind weitverbreitet, wenn es darum geht, technische Abläufe und Hierarchien zu beschreiben. In lokalen Netzwerken mit einem sternförmigen Aufbau wird etwa der zentrale Rechner mit "Master" bezeichnet, der den Datenstrom kontrolliert. "Slave"-Rechner hingegen nehmen Befehle entgegen. Aber auch in der Fotografie tauchen die Bezeichnungen auf: Dort wird der Hauptblitz als "Master" bezeichnet, wenn er weitere Blitzlichter im Raum steuert.

Twitter führt auch Begriffe wie "Blacklist" und "Whitelist" auf, die künftig vermieden werden sollen. Damit reiht sich die Plattform in eine wachsende Riege von Internetunternehmen ein, die gegen diskriminierende Sprache vorgehen wollen. Mitte Juni hatte Google-Entwicklerin Una Kravets angekündigt , dass sie den obersten Knoten in einer Zweigstruktur beim Programmieren künftig nicht mehr mit "Master" beschriften werde, sondern mit dem englischen Begriff "Main", was so viel bedeutet wie Hauptknoten.

Dieser Aufruf hat dafür gesorgt, dass auch auf der Entwicklerplattform "Github" ein Umdenken stattgefunden hat. Dort antwortete der Chef des Microsoft-Tochterunternehmens , er halte es für eine gute Idee und das Team arbeite bereits daran, den "Master"-Begriff zu ersetzen. Auch Mitarbeiter von Apple beteiligen sich an der Begriffsoffensive. Ein Entwickler des Safari-Browsers teilte auf Twitter mit , dass er "Blacklist" durch "Block List" und "Whitelist" durch "Allow List" ersetzt habe.

Sprache soll integrativer werden

Doch die Bemühungen kommen nicht bei allen gut an. Einige vermuten dahinter eine Alibi-Aktion. Ein Twitch-Streamer schreibt  etwa, es handele sich um ein "idiotisches und künstlich erzeugtes Thema", damit große Unternehmen nichts gegen die echten Probleme unternehmen müssten.

Twitter steht nach eigenen Angaben erst am Anfang seiner Maßnahmen. In Zukunft sollen möglichst alle Wörter abgeschafft werden, die Mitarbeiter aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters oder aufgrund von Behinderungen diskriminieren. Dazu zählen etwa Ausrücke wie "Mannstunden", die durch "Personenstunden" ersetzt werden sollen.

Eine Twitter-Sprecherin teilte dem SPIEGEL auf Anfrage mit, dass man noch Zeit brauche. Die Arbeit des Teams werde den Arbeitsprozess prägen, "um unsere Sprache im Unternehmen integrativer und menschlicher zu machen". Allerdings könne man nicht einfach einen Schalter umlegen, damit die Änderungen überall durchschlagen. Es gebe noch viel zu tun.

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