Verstöße gegen Community-Richtlinien Twitter und Meta wollen Videos von Abe-Attentat löschen

Die Plattformen kündigten an, insbesondere jene Videos zu entfernen, in denen das Attentat selbst zu sehen ist. Twitter bat dazu seine Nutzer um Hilfe.
Medien am Tatort: Auf Twitter waren am Freitag problemlos Videos vom Attentat zu finden

Medien am Tatort: Auf Twitter waren am Freitag problemlos Videos vom Attentat zu finden

Foto: Hiro Komae / AP

Sowohl Twitter als auch der Facebook-Mutterkonzern Meta kündigten am Freitag an, alle Videos vom Attentat auf den früheren japanischen Premierminister Shinzō Abe zu entfernen, sofern sie gegen ihre jeweiligen Richtlinien verstoßen. Viele Aufnahmen auf den Plattformen der beiden Unternehmen zeigten, wie der mutmaßliche Schütze auf Abe schoss. In anderen Videos waren nur die Momente vor und nach den Schüssen zu sehen.

Abe war während einer Wahlkampfrede in Nara von zwei Schüssen getroffen worden und seinen Verletzungen erlegen. Der Anschlag geschah kurz vor Wahlen zum Oberhaus des Parlaments an diesem Sonntag.

Warnmeldung eingeblendet

Insbesondere jene Videos, in denen das Attentat selbst zu sehen ist, will Meta löschen. Der Facebook- und der Instagram-Account des mutmaßlichen Täters seien bereits gesperrt worden. »Wir sind zutiefst traurig und schockiert über den Tod des ehemaligen Premierministers von Japan«, teilte Meta in einem Statement mit. »Wir tolerieren kein gewalttätiges Verhalten auf unserer Plattform.« Um sie weiterhin zu einem sicheren Ort für den Austausch von Menschen zu machen, werde man jeden Inhalt entfernen, der gegen die hauseigenen Vorgaben verstoße oder etwas mit dem Vorfall zu tun habe.

Die entscheidende Grundlage dafür sei die Richtlinie über gefährliche Personen und Organisationen , die üblicherweise auf terroristische Inhalte angewendet wird. Fotos von dem Attentat würden als »verstörend« markiert. Das bedeutet, dass eine Warnmeldung eingeblendet wird, bevor die Nutzer den Inhalt sehen.

Twitter teilte mit, man entferne »proaktiv« Material mit Bezug auf den Vorfall, das gegen Twitters Regeln verstoße. Das Unternehmen rief aber auch seine Nutzerinnen und Nutzer dazu auf, entsprechende Inhalte zu melden – ein Zeichen dafür, dass Twitter Schwierigkeiten hat, die Fülle des Materials oder erneute Uploads in den Griff zu bekommen. Am Freitagnachmittag war es noch problemlos möglich, Videos des Attentats auf Twitter zu finden, in denen die Schüsse zu hören sind und in denen zu sehen ist, wie Abe zu Boden geht.

Soziale Medien wie Facebook, Twitter oder auch Twitch waren in der Vergangenheit immer wieder daran gescheitert, alle Kopien von gewaltverherrlichenden Videos oder auch Liveübertragungen von Schießereien umgehend zu entfernen.

pbe/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.