Vor US-Präsidentschaftswahl Twitter verbietet politische Werbung

In den USA tobt eine Debatte darüber, ob Politiker in sozialen Medien irreführende Werbung schalten dürfen. Jetzt positioniert sich der Kurznachrichtendienst Twitter deutlich - und grenzt sich von Facebook ab.

Twitter-Logo (Symbolbild): "Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss"
Denis Charlet /AFP

Twitter-Logo (Symbolbild): "Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss"


Twitter will weltweit keine politischen Inhalte mehr als Werbung verbreiten. "Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss, statt erkauft zu werden", schrieb Twitter-Chef Jack Dorsey in dem Kurznachrichtendienst.

Werbung bei Twitter sind zum Beispiel Tweets, die gegen Bezahlung im Nachrichtenstrom von Nutzern platziert werden können - auch wenn sie dem Account nicht folgen. Die Debatte über politische Werbung wird in den USA wegen der näher rückenden Präsidentenwahl 2020 immer heftiger geführt.

Twitter geht damit einen anderen Weg als Facebook. In den vergangenen Wochen war Facebook in den USA immer mehr in die Kritik geraten wegen der Entscheidung, Anzeigen mit politischen Inhalten grundsätzlich nicht von den Faktencheck-Partnern des Onlinenetzwerks prüfen zu lassen. Außerdem beschloss das Onlinenetzwerk, nichts zu unternehmen, wenn Politiker falsche oder irreführende Informationen verbreiten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hält zugleich ausdrücklich an der Möglichkeit fest, politische Werbung zu schalten - auch wenn sie nach seinen Angaben für Facebook keine große Rolle als Einnahmequelle spielt.

Dorsey kritisierte indirekt die Facebook-Position. Twitter mache sich unglaubwürdig, wenn die Firma einerseits sagen würde, man unternehme alles, um die Verbreitung irreführender Informationen einzudämmen - aber sie zugleich gegen Bezahlung verbreiten ließe.

Erst vor zwei Wochen hatte Twitter mitgeteilt, für Politiker neue Spielregeln auf der Plattform zu erlassen. So solle die Verbreitung von Politiker- Tweets, deren Inhalt gegen Regeln des Dienstes verstoße, künftig etwas gebremst werden. Dies geschehe unter anderem mit einer Einschränkung der Möglichkeit, solche Beiträge zu retweeten oder zu liken. Nur der sogenannte Retweet mit Kommentar soll demnach möglich bleiben.

Twitter will außerdem dafür sorgen, dass regelwidrige Tweets von Politikern nicht mehr in der algorithmischen Sortierung der Timeline auftauchen. Nutzer sollen neben den Tweets einen Hinweis auf den Regelverstoß sehen können und explizit bestätigen müssen, die Nachrichten sehen zu wollen.

Trump-Team kritisiert "sehr dumme Entscheidung"

Die jüngste Debatte wurde unter anderem von einer Werbeanzeige des Trump-Lagers mit irreführenden Informationen über den demokratischen Präsidentschaftsanwärter Joe Biden befeuert. Der Sender CNN weigerte sich, sie zu senden - Facebook hingegen nicht. Zuckerberg betonte, Onlinenetzwerke sollten nicht darüber entscheiden, was falsch oder faktisch korrekt sei.

Das Wahlkampfteam von Trump kritisierte nun den Vorstoß von Twitter als einen weiteren Versuch, konservative Stimmen zu unterdrücken. Brad Parscale, der die Wiederwahlkampagne Trumps leitet, bezeichnete den Schritt als "eine sehr dumme Entscheidung" für die Aktionäre des Unternehmens. "Wird Twitter auch Anzeigen von voreingenommenen liberalen Medien stoppen, die jetzt ungeprüft zu lesen sind, aber offensichtlich dazu gedacht sind, die Republikaner anzugreifen?", sagte Parscale. "Dies ist ein weiterer Versuch, Konservative zum Schweigen zu bringen, da Twitter weiß, dass Präsident Trump das ausgefeilteste Onlinemarketing hat."

Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez lobte hingegen die "ethische Entscheidung" des Unternehmens.

jki/dpa/Reuters



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