Irreführung während des TV-Duells Twitter verwarnt Johnsons Konservative

Während der TV-Debatte zwischen Premier Johnson und Oppositionsführer Corbyn haben die Tories ihren Twitter-Account umbenannt: Dadurch sah er wie eine Faktencheck-Seite aus. Twitter ist nicht amüsiert.

TV-Duell mit begleitender "Desinformationskampagne" auf Twitter? Boris Johnson und Labour-Chef Jeremy Corbyn
REUTERS

TV-Duell mit begleitender "Desinformationskampagne" auf Twitter? Boris Johnson und Labour-Chef Jeremy Corbyn


Was die Tories am Dienstag während der TV-Debatte zwischen Boris Johnson und Jeremy Corbyn auf Twitter aufführten, war je nach Standpunkt ein gelungener PR-Stunt oder eine bewusste Irreführung von Nutzern. Twitter hat nun "entschlossene Korrekturmaßnahmen" angekündigt - für das nächste Mal.

Die Pressestelle der britischen Regierungspartei hatte ihren Account "CCHQPress" mit dessen rund 76.000 Followern vorübergehend in "factcheckUK" umbenannt. Dazu wurden Beschreibung und Titelbild geändert. Wer nicht genau hinsah, konnte den Auftritt für eine unabhängige Faktencheck-Seite halten. Die Account-Betreiber erklärten Johnson unter anderem zum "klaren Gewinner" der TV-Debatte. Kritiker sprachen von Wählertäuschung oder gar einer "Desinformationskampagne".

Dieses Mal kommen die Tories damit durch

Vorerst wird Twitter aber keine Sanktionen gegen die Partei beschließen. Die BBC zitiert einen Unternehmenssprecher mit den Worten: "Wir haben weltweit gültige Regeln, die eine Irreführung von Menschen verbieten, auch durch verifizierte Accounts." Jeder weitere Versuch wie der vom Dienstag werde "entschlossene Korrekturmaßnahmen zur Folge haben".

Der Parteivorsitzende James Cleverly verwies darauf, dass der eigentliche Accountname "@CCHQPress" gleich geblieben wäre, weshalb immer "klar" gewesen sei, wer den Account betreibt.

Die Briten wählen am 12. Dezember. Im TV-Duell am Dienstag ging es unter anderem um den Brexit-Kurs von Premierminister Johnson und um den Nationalen Gesundheitsdienst NHS.

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, Nutzer könnten ihren Twitternamen nachträglich nicht ohne Weiteres ändern. Das ist falsch, wir haben den Satz entfernt.

pbe/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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dgbmdss 20.11.2019
1. Johnson lügt sich durch
von seiner Zeit als Reporter aus Brüssel, über die Vote Leave Kampagne mit der Unterstützung Putins und der 330 Mio NHS Lüge, über die Zurückhaltung des entsprechenden Untersuchungsberichts, und nun Twitter. und das ist nur das, was bereits bekannt ist. Aber, die britische Bevölkerung läßt sich wohl gerne belügen.
blurps11 20.11.2019
2.
Twitter ? Ok. Aber was ist mit der zuständigen Wahlbehörde der Briten ? Für die ist es vermutlich mal wieder kein Problem ?
Patenting 20.11.2019
3. Regeln, die keiner überwacht und einhält ...
.. sind - sinnlos und selbst irreführend.
whitewisent 20.11.2019
4.
Wer glaubt das auf einer "Faktencheckseite" im Internet oder bei Twitter fakten gecheckt werden, glaubt wahrscheinlich auch noch an den Osterhasen, und Preisvergleichsseiten wirklich Alle Preise checken bzw. vergleichen oder Influencer unabhängig und objektiv sind... Es gehört zur allgemeinen Lebenserfahrung, das Rosstäuscher und Marktschreier heute nur das Medium gewechselt haben, die Tricks sind aber heute noch die Selben wie im alten Babylon.
bert1966 20.11.2019
5.
Ein Privatunternehmen, egal wie marktmächtig es auch sei (und Twitter ist ein Privatunternehmen), mag so viele internationale Regeln aufstellen, wie es will (und sie nach Gutsherrenart auslegen, wie es will, hier: "Du du du" sagen und nichts tun) - es bleibt ein Privatunternehmen, dass ausgesprochen öffentlichkeitswirksame Dinge tut und bei dessen Tun staatliche Stellen auf der ganzen Welt tatenlos zusehen. Die Politik hat die Macht und Gefahren der sozialen Medien immer noch nicht begriffen.
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