Nutzernamen werden frei Twitter will bald inaktive Konten löschen

Wer sich seit einem halben Jahr nicht bei Twitter eingeloggt hat, könnte seinen Account im Dezember verlieren. Die Aufräumaktion wird auch die Konten Verstorbener betreffen und könnte weitere Nebenwirkungen haben.

Jeff Chiu/AP

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Wer sich seit mehr als sechs Monaten nicht in sein Twitterkonto eingeloggt hat, sollte das bis zum 11. Dezember tun. Andernfalls behält sich das Unternehmen vor, den Account zu löschen und den Nutzernamen erneut freizugeben.

Die Aufräumaktion soll in erster Linie für ein genaueres und glaubwürdigeres Bild von Twitter sorgen - indem zum Beispiel inaktive Nutzer aus den Followerlisten aktiver Nutzer entfernt werden. Vernachlässigte Accounts sind außerdem leichter zu kapern als aktive, weil die Besitzer möglicherweise ein unsicheres Passwort vergeben haben und einen Hack auch nicht bemerken.

Dass im Zuge der Aktion Nutzernamen freiwerden könnten, die jemand anderes gerne hätte, ist Twitter zufolge nur ein Nebeneffekt. Der allerdings könnte auch Nachteile haben: Betrugsversuche mit Firmen- und Markennamen zum Beispiel wären denkbar, wenn deren entsprechend benannten Nutzernamen von jemand anderem übernommen werden würden.

Einloggen reicht, Tweets absetzen ist nicht nötig

Betroffene Account-Inhaber werden derzeit per E-Mail benachrichtigt. Nach der Aufforderung, Twitters aktuellen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien sowie der Nutzung von Cookies zuzustimmen, heißt es in der E-Mail weiter: "Aber erst musst du dich anmelden und vor dem 11. Dezember 2019 die Anweisungen auf dem Bildschirm befolgen. Andernfalls wird dein Account aus Twitter entfernt."

Twitters Richtlinien zu inaktiven Nutzern sind ein wenig verwirrend. Zunächst heißt es darin, man solle sich alle sechs Monate einloggen und Tweets absetzen, um sicherzugehen, dass der Account bestehen bleibt. Darunter aber heißt es, nicht Tweets seien ausschlaggebend, sondern das Einloggen. Strikt umgesetzt wurde diese Richtlinie bisher aber ohnehin nicht.

Bisher sieht es so aus, als könne man Twitter auch weiterhin rein passiv, also zum Lesen nutzen - lediglich ein Einloggen vor dem 11. Dezember ist nötig. Nach außen passiv wirkende Accounts werden also auch nicht zwingend frei, wenn Twitter mit dem Entfernen beginnt. Besitzer von Bot-Accounts, die von einem Script gesteuert werden statt manuell, sollten vorsichtshalber die E-Mail-Postfächer überprüfen, die mit den Accounts verknüpft sind.

Verschwinden könnten nicht zuletzt die Accounts von verstorbenen Nutzern, sofern niemand sonst die Zugangsdaten hat. Twitter hat, anders als Facebook, bislang keinen "Gedenkzustand" für seine Konten. Als Reaktion darauf bietet das Internet Archive den Hinterbliebenen an, die Accounts von Verstorbenen so gut es geht zu archivieren und die archivierte Version öffentlich verfügbar zu machen, falls Twitter den betreffenden Account löschen sollte.

Auf Twitters wirtschaftliche Kennzahlen wird die Aktion keine Auswirkungen haben, das Unternehmen nennt in seinen Quartalsberichten ohnehin nur die Zahl der täglich aktiven Nutzer.

Die Aufräumaktion solle über mehrere Monate hinweg erfolgen und nicht auf einen Schlag am 12. Dezember umgesetzt werden, teilte ein Twitter-Sprecher "The Verge" mit.

Update 28.11.2019:

Twitter hat seinen Plan, inaktive Konten zu löschen, vorerst verschoben - das soziale Netzwerk will nun zuerst an einer Erinnerungsfunktion für Konten von Verstorbenen arbeiten, damit diese nicht bei einer Aufräumaktion mit entfernt werden.



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