Einigung mit US-Justizministerium Twitter zahlt 150 Millionen Dollar Strafe für Nutzertäuschung

Twitter hatte jahrelang verschwiegen, dass aus Sicherheitsgründen hinterlegte Handynummern und E-Mail-Adressen auch zu Werbezwecken verwendet wurden. Das Unternehmen sprach von einem »Versehen«.
Twitter an der New York Stock Exchange: Kurs ist wieder gestiegen

Twitter an der New York Stock Exchange: Kurs ist wieder gestiegen

Foto: Justin Lane / EPA

Twitter zahlt wegen Datenschutzverstößen 150 Millionen Dollar (140 Millionen Euro) Geldstrafe. Das US-Justizministerium verkündete am Mittwoch eine entsprechende Vereinbarung mit dem Konzern. Die Behörden werfen der Plattform vor, ihre Nutzer von 2013 bis 2019 getäuscht zu haben: Twitter habe verschwiegen, dass es für eine Zwei-Faktor-Authentifizierung hinterlegte Handynummern und E-Mail-Adressen dazu verwendet hat, Unternehmen dabei zu helfen, personalisierte Werbung zu schalten.

Twitter habe die Nummern und E-Mail-Adressen also nicht nur zum Schutz der Nutzerkonten verwendet, sondern auch »um Nutzer gezielt mit Werbung anzusprechen«, erklärte die Chefin der US-Wettbewerbsbehörde, Lina Khan. Insgesamt seien 140 Millionen Nutzer betroffen gewesen.

Twitter räumte die Vorwürfe in einer Stellungnahme ein. »Einige der zu Sicherheitszwecken bereitgestellten E-Mail-Adressen und Telefonnummern konnten versehentlich für Werbezwecke verwendet werden«, erklärte der Leiter der Datenschutzabteilung, Damien Kieran. Demnach sei das Problem im September 2019 »behoben« worden.

Twitter hatte damals aber wochenlang nur unvollständige Angaben zu dem Vorfall gemacht. Sicherheitsexperten befürchteten, dass der Vorgang an sich und auch seine öffentliche Aufarbeitung das Vertrauen von Nutzern in die grundsätzlich empfehlenswerte Zwei-Faktor-Authentifizierung schwächen könnten.

Die Vereinbarung, die noch von einem Richter genehmigt werden muss, sieht auch vor, dass das Unternehmen seine Datenschutzpraktiken verbessert. Unter anderem muss es ein »umfassendes Programm zur Informationssicherheit« einführen. Jede neue Dienstleistung, die das Sammeln persönlicher Daten beinhaltet, muss vorab verschiedenen unabhängigen Prüfungen unterzogen werden.

Auch Facebook hat in der Vergangenheit Mobilfunknummern, die für die Zwei-Faktor-Authentifizierung gedacht waren, zusätzlich für Werbezwecke eingesetzt. Wer sich daran störe, solle statt SMS-Codes eben eine andere Methode wählen, hatte ein Facebook-Sprecher damals gesagt.

Musk plant Übernahme von Twitter mit mehr Eigenmitteln

Twitter hatte zuletzt vor allem durch das Übernahmeangebot von Tesla-Gründer Elon Musk Schlagzeilen erzeugt. Am Mittwoch kündigte dieser nun an, dass er beziehungsweise seine Partner mehr Eigenmittel für die Übernahme verwenden wollen. Laut einem am Mittwoch bei der US-Börsenaufsicht (SEC) eingereichten Dokument wollen sie nun 33,5 Milliarden Dollar aus eigener Tasche stemmen. Die Summe der Kredite wurde von 25,5 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar gesenkt.

Dadurch sinkt die voraussichtliche finanzielle Belastung des Unternehmens durch die Übernahme deutlich. Nach der Ankündigung stieg der Aktienkurs von Twitter im nachbörslichen elektronischen Handel um mehr als fünf Prozent. Dieser schwankt durch die zahlreichen Wendungen der Übernahmeschlacht seit Wochen heftig, hatte nach Zweifeln an der Ernsthaftigkeit von Musks Angebot zuletzt jedoch deutlich an Wert verloren.

Berichten zufolge verhandelt Musk mit bestehenden Aktionären darüber, sich an der Übernahme zu beteiligen. So könnte er die Summe der Kredite reduzieren, ohne den Eigenanteil erhöhen zu müssen.

pbe/AFP