Bericht einer Ex-Mitarbeiterin Uber-Chef verspricht Aufklärung nach Sexismus-Vorwürfen

Bei Uber soll ein sexistisches Arbeitsklima herrschen, wirft eine Entwicklerin ihrem Ex-Arbeitgeber im Internet vor. Der Chef des Fahrdienstvermittlers will die Anschuldigungen nun untersuchen lassen.

Uber-Chef Travis Kalanick
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Uber-Chef Travis Kalanick


Nachdem eine frühere Mitarbeiterin dem Fahrdienst-Vermittler Uber eine Unternehmenskultur voller Sexismus vorgeworfen hat, verspricht Firmenchef Travis Kalanick ein hartes Durchgreifen. "Was hier beschrieben wurde, ist abscheulich und widerspricht allem, woran wir glauben. Jeder, der sich so verhält oder glaubt, dass es okay ist, wird gefeuert", schrieb Kalanick bei Twitter.

Die Software-Entwicklerin Susan Fowler beschrieb in einem Blogeintrag am Wochenende unter anderem, wie ihr Vorgesetzter sie nach wenigen Tagen im Job mit einem Sex-Angebot angeschrieben habe. Als sie sich bei der Personalabteilung beschwerte, sei ihr lediglich angeboten worden, in einen anderen Bereich zu wechseln.

Fowler vermutet, dass der Manager zu wertvoll für die Firma gewesen sei, um ihn zu bestrafen oder zu entlassen. In späteren Gesprächen mit anderen Mitarbeiterinnen von Uber habe sich herausgestellt, dass diese ähnliche Erfahrungen mit dem Mann gemacht hätten. Jedes Mal seien Beschwerden von der Personalabteilung abmoderiert worden, behauptet Fowler und beschreibt weitere Begebenheiten, die sie als diskriminierend wahrgenommen hat.

Die Entwicklerin wechselte Anfang des Jahres zum Bezahldienst Stripe. Eine Klage oder Anzeige hat Fowler allerdings nach aktuellem Stand nicht eingereicht gegen ihren Ex-Arbeitgeber.

Kalanick beauftragte die neue Personalchefin Liane Hornsey nun, die Vorwürfe dringend zu prüfen. Zudem kündigte kurz nach dem Erscheinen des Blogeintrags auch Verwaltungsratsmitglied Arianna Huffington eine unabhängige Untersuchung an. Die Gründerin der Online-Zeitung "Huffington Post" veröffentlichte ihre E-Mail-Adresse bei Twitter, damit sich Betroffene bei ihr melden können.

Sexismus-Vorwürfe sind nicht neu für Uber - oder das Silicon Valley

Vorwürfe sexueller Diskriminierung sind nicht neu in der von Männern dominierten Arbeitswelt der Tech-Industrie des Silicon Valley. In den vergangenen Jahren sorgte unter anderem die Klage von Ellen Pao gegen die berühmte Risikokapital-Firma Kleiner Perkins Caufield & Byers für Aufsehen. Pao konnte die Geschworenen jedoch nicht davon überzeugen, dass sie in ihrer Karriere benachteiligt wurde, weil sie eine Frau ist.

Auch Uber steht seit Jahren immer wieder in der Kritik wegen angeblichem Sexismus. Kalanick selbst, der im aktuellen Fall Aufklärung verspricht, soll sich wiederholt abfällig über Frauen geäußert haben. Top-Manager Emil Michael wurde 2014 ebenfalls harsch kritisiert für Gedankenspiele, wie man private Informationen über eine kritische Journalistin ausforschen könne. Er entschuldige sich nach einem öffentlichen Aufschrei und behielt seinen Job.


Update, 21. Februar 2017: Der frühere US-Justizminister Eric Holder soll Uber bei der Aufklärung von Vorwürfen sexueller Belästigung helfen. Das kündigte Konzernchef Travis Kalanick am Montag in einer Mitteilung an die Beschäftigten an, in die Reuters Einsicht hatte. Holder wurde gemeinsam mit seiner Anwaltskollegin Tammy Albarran engagiert, die wie er für die Kanzlei Covington & Burling arbeitet. Im vergangenen Jahr bereits hatte er im Auftrag von Airbnb eine Strategie entworfen, wie Diskriminierung bei dem Ferienwohnungsvermittler wirkungsvoll bekämpft werden kann. Davor gehörte Holder dem Kabinett des abgelösten US-Präsidenten Barack Obama an.

gru/dpa/Reuters



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