Software-Millionär John McAfee will Anti-NSA-Gadget bauen

Ein Software-Millionär will es noch mal wissen: Nach eigenen Angaben lässt John McAfee derzeit ein Gadget entwickeln, mit dem Bürger unbeobachtet von Geheimdiensten kommunizieren können. Ein Prototyp könnte in einem halben Jahr fertig sein.

Software-Millionär: John McAfee will Anti-NSA-Gadget bauen
REUTERS

Software-Millionär: John McAfee will Anti-NSA-Gadget bauen


Schlagzeilen hat John McAfee, Gründer der gleichnamigen Software-Firma, in den vergangenen Monaten jede Menge gemacht: Ende 2012 war der Millionär filmreif aus Belize geflohen, im Sommer erklärte er in Form eines bizarren Videoclips, wie Nutzer die nach ihm benannte Anti-Viren-Software unkompliziert vom Rechner loswerden: mit einer Schusswaffe.

Nun macht McAfee, der vor mehr als 15 Jahren aus seinem Unternehmen ausstieg, mal wieder mit einem Projekt auf sich aufmerksam. Wie der Amerikaner am Samstag beim Bühneninterview auf einer Tech-Konferenz verriet, arbeitet er derzeit an einem Anti-Überwachungs-Gadget. "D-Central" soll die Hardware heißen, und sie soll weniger als hundert Dollar kosten. Das Versprechen: elektronisches Kommunizieren und Datentauschen, ohne die Sorge, vom Geheimdienst beobachtet zu werden.

Wie genau das Projekt technisch aussehen soll, ist noch unklar. Laut McAfees grober Beschreibung soll "D-Central" den Nutzern von Smartphones und Tablets die Möglichkeit bieten, kleine, private Netzwerke aufzubauen und das stark verschlüsselt. "Es wird (für die Regierung - d. Red.) keinen Weg geben, herauszufinden, wer du bist und wo du dich aufhältst", zitiert die Nachrichtenseite "Mercury News" McAfee.

"The Verge" schreibt über McAfees Vorhaben, dass "D-Central" nicht dafür entwickelt sei, das Internet zu ersetzen. Die Reichweite des Geräts soll in der Stadt drei Blocks betragen und auf dem Land eine Viertelmeile, also rund 400 Meter.

Pläne für den Fall eines Verkaufsverbots

Die Idee zu einem Anti-Geheimdienst-Gadget habe er schon Jahre vor den Snowden-Enthüllungen gehabt, soll McAfee während des Interviews gesagt haben. Doch nun sei der richtige Zeitpunkt, sich auf die Entwicklung zu konzentrieren. Selbst die Möglichkeit, dass die US-Regierung sein Gerät verbieten könnte, schreckt den Millionär nicht ab: "Dann verkaufe ich es in England, in Japan, in der Dritten Welt."

Ein genaues Erscheinungsdatum für "D-Central" gibt es bislang nicht, McAfees Aussagen zufolge könnte ein Prototyp in rund sechs Monaten fertig sein. Auf der offiziellen Website von Future Tense, der Firma hinter "D-Central", findet sich zu dieser Aussage passend ein Countdown, der noch etwa 173 Tage läuft.

mbö

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
schumbitrus 01.10.2013
1. Crypto ohne Quelltext ist einfach lächerlich!
Ich bin gespannt, wie man einer Cryptografie vertrauen will, die man nicht im Quelltext und allen Hardware-Details prüfen (lassen) kann. Insofern glaube ich nicht, dass hier das geliefert werden kann, was vollmundig versprochen wird - aber ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen :-) Denn im Ernst: Wenn man gar nicht erst die Chance hat zu beweisen, dass da keine Fehler eingeschmuggelt wurden, dann kann Herr McAffee recht haben - oder auch von der NSA gekauft worden sein. Nur von seinem Reichtum und dem Namen auf Seriosität zu schließen ist mindestens grob fahrlässig - oder auch einfach nur dumm! Die NSA hat gezielt offizielle Standards subversiv unterwandert, um Krypto-Algorithmen zu schwächen, damit Otto-Normal Windows- und Apple-User auch dann noch angreifbar bleiben, wenn sich diese mit sog. starker Verschlüsselung absichern wollten. Natürlich legt man so was nicht offen, wenn man Eierdiebe jagt .. Das beweist zweierlei: 1. offene Systeme sind noch am schwersten unterwanderbar und 2. mit genügend Manpower kann man die u.U. auch noch knacken. Beharrlich hallten sich Gerüchte, auch Ubuntu sei ein NSA-Klon, um Debian, die einzige Community-Distribution, zu spalten und zu Ubuntu zu ziehen, das man dann mit bedauerlichen Fehlern ausstattet um solche Rechner im Zweifel genau so einfach knacken zu können, wie Windows- oder Apple-Rechner. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn aus den Snowden-Unterlagen hervor ginge, dass auch große Open-Source Projekte von der NSA sabotiert werden .. Y.S.
l.schmidt 01.10.2013
2.
Bleibt nur zu hoffen, daß McAffee die Entwicklung eines solchen Gerätes überlebt. Andere hatten da in der Vergangenheit weniger Glück. Tron (Hacker) (http://de.wikipedia.org/wiki/Tron_%28Hacker%29)
Kauzboi 01.10.2013
3.
Zitat von schumbitrusIch bin gespannt, wie man einer Cryptografie vertrauen will, die man nicht im Quelltext und allen Hardware-Details prüfen (lassen) kann. Insofern glaube ich nicht, dass hier das geliefert werden kann, was vollmundig versprochen wird - aber ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen :-) Denn im Ernst: Wenn man gar nicht erst die Chance hat zu beweisen, dass da keine Fehler eingeschmuggelt wurden, dann kann Herr McAffee recht haben - oder auch von der NSA gekauft worden sein. Nur von seinem Reichtum und dem Namen auf Seriosität zu schließen ist mindestens grob fahrlässig - oder auch einfach nur dumm! Die NSA hat gezielt offizielle Standards subversiv unterwandert, um Krypto-Algorithmen zu schwächen, damit Otto-Normal Windows- und Apple-User auch dann noch angreifbar bleiben, wenn sich diese mit sog. starker Verschlüsselung absichern wollten. Natürlich legt man so was nicht offen, wenn man Eierdiebe jagt .. Das beweist zweierlei: 1. offene Systeme sind noch am schwersten unterwanderbar und 2. mit genügend Manpower kann man die u.U. auch noch knacken. Beharrlich hallten sich Gerüchte, auch Ubuntu sei ein NSA-Klon, um Debian, die einzige Community-Distribution, zu spalten und zu Ubuntu zu ziehen, das man dann mit bedauerlichen Fehlern ausstattet um solche Rechner im Zweifel genau so einfach knacken zu können, wie Windows- oder Apple-Rechner. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn aus den Snowden-Unterlagen hervor ginge, dass auch große Open-Source Projekte von der NSA sabotiert werden .. Y.S.
Algorithmen wurden nicht unterwandert. Sie sind ja nachprüfbar. Es wurden die Rahmenbedingungen durchlöchert, also die Protokolle die sichere Algorithmen nutzen. Quasi, nicht das Schloss kann von der NSA aufgebrochen werden, sondern die Sperrholztür in der es verankert wurde. Und wie soll das gehen, sind sie doch per Definition offen und somit überprüfbar? Hintertürchen würden auffallen.
thomasbrandtstaetter 01.10.2013
4. Crypto mit Quelltext bringt auch nicht viel
zum Kommentar von schumbritus: Nur weil man Quelltext bzw. alle HW-Details prüfen "Könnte", wäre damit allein kein Vertrauen herzustellen, denn das stellt sich erst ein, wenn tatsächlich geprüft wurde. Fragt sich von wem? Ist die Prüfstelle vertrauenswürdig ? Das NIST galt lange als vertrauenswürdig. Nun stellt sich heraus, dass der Dual_EC_DRBG nicht mehr als vertrauenswürdig gilt. Dass Debian - trotz der Community Distribution - in 2008 mit dem OpenSSL-Debakel ein wirklich massives Problem (bereits seit 2006) hatte, wurde auf ein Deployment-Fehler zurückgeführt. Oder war es letzten Endes doch eine gezielte Manipulation .... ? Abschliessend: eine SW-Inspection der Crypto Quelltexte bringt herzlich wenig, wenn der größere Kontexte der zu erreichenden Sicherheitsziele nicht transparent wird. Also müssen auch die Quelltexte von SAP und sonstigen SW-Boliden offengelegt werden. Denn die Vertrauensfrage richtet sich an Informationskontexte, die über die angewandte Kryptographie hinausgehen. Ausserdem wird hier ja von Gadgets gesprochen, also nichts wirklich wichtiges.
cosy-ch 01.10.2013
5. komisch..
herr @schumbritus (oder Frau) ihre Aussage "Crypto ohne Quelltext ist einfach lächerlich!" widerlegt sich gleich selbst: zwei der groessten line-cyphering Hersteller bis 2000: * Crypto, Steinhausen * Gretag hatten aus Prinzip nie eine Zeile Code publiziert. Sie belieferten so ziemlich alle Schurkenstaaten der USA mit grossem Erfolg - bis zumindest Gretag von der US Firma SafeNet übernommen wurde und dann ..
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